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Wo halten sich Humboldt-Pinguine zwischen den Brutperioden auf?

Landau 10. August 2026. Von Juli bis September 2025 haben M. Daigre (1), P. Arce (1) und A. Simeone (1,2) im Auftrag von Antarctic Research Trust (ART) (3) die Migration von Humboldt-Pinguinen untersucht. Die Forscher statteten gegen Ende der Brutzeit fünf Pinguine der Brutinsel Cachagua mit Satellittensender aus. Alejandro Simeone beschreibt das Monitoring folgendermaßen:

„Satellitenüberwachung von Humboldt-Pinguinen während der Brutzeit auf der Insel Cachagua, Zentralchile

(…) Am 23. und 24. Juli 2025 haben wir an fünf Humboldt-Pinguinen, die auf der Insel Cachagua in Zentralchile ihre Küken aufziehen, Satellitensender angebracht. Die Vögel wurden an ihren Nestern von Hand gefangen, während sie sich um ihre etwa sechs Wochen alten Küken kümmerten. Alle Vögel befanden sich in der (Süd-)Herbst-Brutzeit. Die Satellitensender wurden mit wasserfestem Klebeband (Tesa, Beiersdorf AG, Hamburg, Deutschland) auf der Rückenmittellinie befestigt und mit einer Schicht Schnellhärtungs-Epoxidharz überzogen, um zu verhindern, dass die Vögel das Klebeband mit dem Schnabel entfernen. Die Anbringung dauerte pro Vogel etwa 15–25 Minuten (Bild 1).

Die Vögel wurden mit einer digitalen Waage auf 0,1 kg genau gewogen. Mit einem digitalen Messschieber wurde die Schnabelänge (BL) von der Verbindungsstelle zwischen dem befiederten und dem unbefiederten Abschnitt auf der Rückseite des Schnabels bis zur Spitze sowie die Schnabelbreite (BD) auf Höhe der Nasenlöcher gemessen (alle Messungen erfolgten auf 0,1 mm genau). Zusätzlich wurden alle Vögel mit einem subkutanen Transponder (Trovan 11 mm) auf dem Scheitel versehen, um einen eindeutigen Identifikationscode zu erhalten. Einzelheiten zu den verfolgten Vögeln sind in Tabelle 1 aufgeführt.

Tabelle 1 - Morphometrische Daten der fünf erwachsenen Humboldt-Pinguine, die mit Satellitensendern ausgestattet wurden. BL = Schnabelänge, BD = Schnabeltiefe, ID = Transpondercode.Tabelle 1

Alle Vögel schwammen in Richtung Süden und legten dabei unterschiedliche maximale Entfernungen zurück, die zwischen 20 und 390 km lagen (Tabelle 2). Die einzelnen Wege sind in Bild 2-4 (s. unten) dargestellt.

Tabelle 2 - Maximale zurückgelegte Entfernungen der fünf mit Satellitensendern ausgestatteten erwachsenen Humboldt-Pinguine.Tabelle 2

Am 3. August (11 Tage nach der Aussetzung der Sender) besuchten wir Cachagua erneut. Alle fünf Nester waren noch aktiv. Vier mit Sendern ausgestattete Vögel befanden sich auf See mit Ausnahme von Beatriz, die zusammen mit anderen Pinguinen in der Kolonie gesichtet wurde (Bild 5, s. unten). Alle Nester enthielten erwachsene Vögel (Paare) mit Küken, mit Ausnahme von Javiera’s Nest, in dem sich zwei ca. 8 Wochen alte Küken ohne bewachenden Erwachsene befanden.

Ein weiterer Besuch fand am 25. September (64 Tage nach der Anbringung der Sender) statt, zeitgleich mit dem Beginn der (Süd-)Frühjahrs-Brutzeit. Obwohl ein Sender noch immer ein Signal aus der Kolonie übertrug, wurden keine Vögel mit einem Sender gesichtet. Wir gehen davon aus, dass sich dieses Gerät möglicherweise in einer Höhle befand und von dort aus ein Signal aussendete. Von den fünf überwachten Vögeln konnten wir bestätigen, dass drei von ihnen erneut mit dem Nisten begonnen hatten. Am Nest von Gabriela Mistral war keinerlei Aktivität zu beobachten; die Nester von Beatriz, Pedro Pascal und Don Alejandro enthielten erwachsene Vögel (vermutlich die Partner), die ihre Eier bebrüteten. Javieras Nest war aufgrund der Winterregenfälle eingestürzt.” (4)

Resümee

Antarctic Research Trust ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: “Eine zentrale Erkenntnis der Auswertung der ersten Daten ist, dass sich alle fünf Pinguine konsequent in Küstennähe aufhielten, keiner schwamm ins offene Meer hinaus. Etwas überraschend entfernten sich nur zwei der Vögel mehr als 100 Kilometer von ihrer Brutkolonie auf Insel Cachagua. Ein Vogel legte fast 400 Kilometer nach Süden zurück, der andere rund 140 Kilometer. Die übrigen drei Pinguine blieben in den gewohnten Jagdgebieten, die sie auch während der Brutsaison nutzen, verbrachten dort jedoch teils mehrere Tage am Stück auf See. Bemerkenswert ist zudem, dass die Pinguine besonders häufig Regionen mit intensiver menschlicher Nutzung aufsuchten: so die Gewässer um die Hafenstädte Valparaíso und Viña del Mar, aber auch den Mündungsbereich des stark belasteten Maipo-Flusses. Auf den ersten Blick wirkt dies paradox. Möglicherweise sind diese Gebiete für die Tiere jedoch attraktiv, weil sie aufgrund von Schiffsverkehr oder Verschmutzung weniger stark befischt werden und damit womöglich eine verlässlichere Nahrungsquelle bieten.“ (5)

W.K.

Anmerkungen

Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

(1) Grupo de Investigación Pingüino de Humboldt, Santiago, Chile.

(2) Instituto One Health, Universdad Andrés Bello, Santiago, Chile.

(3) Antarctic Research Trust (ART) ist eine gemeinnützige Stiftung, die auf den Falklandinseln, der Schweiz und den USA registriert ist. Ziel der Stiftung ist es, wissenschaftliche Forschungsprojekte an antarktischen und subantarktischen Tieren durchzuführen oder zu unterstützen, um diese Tiere und ihren Lebensraum besser schützen zu können. ART ist Mitglied von Sphenisco.

(4) Maximiliano Daigre (1), Paulina Arce (1) and Alejandro Simeone (1) (2). Satellite tracking of chick-rearing Humboldt penguins from Cachagua Island, central Chile. 2025.

(5) Auf den Spuren der Humboldt-Pinguine, Zürich, 3. Oktober 2025. https://www.zoo.ch/de/zoonews/auf-den-spuren-der-humboldtpinguine

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