Chilenisch-peruanische Arbeitsgruppe gegründet
Landau 7. September 2026.
Auf Initiative der NGO Oikonos, der Universidad Científica del Sur (Dr. Carlos Zavalaga, Peru) und Sphenisco gründeten Wissenschaftler, NGO´s und politisch Verantwortliche am 24. August 2026 eine binationale Arbeitsgruppe zur Bewahrung der Humboldt-Pinguine.
Anlass ist der alarmierende Rückgang der Population in Chile und Peru. Ziel der Initiative ist es, die aktuelle Situation des Humboldt-Pinguins in beiden Ländern zu analysieren, Prioritäten für den Schutz zu identifizieren, Koordination und Kooperation zu verbessern sowie wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zu fördern. 42 Personen von ganz unterschiedlichen Institutionen nahmen am Gründungs-Meeting teil, unter ihnen die chilenischen Forscher Paulina Acre (1) und Maximiliano Daigre (2), Milagros Ormeno und Julio Reyes von der peruanaischen Partnerorganisation Acorema, Nancy Duman und Valeria Paz Canto von Sphenisco Chile sowie Veronica Abrego und Werner Knauf von Sphenisco.
Chilenisch-peruanische Arbeitsgruppe gegründet Landau 7. September 2026. Auf Initiative der NGO Oikonos, der Universidad Científica del Sur (Dr. Carlos Zavalaga, Peru) und Sphenisco gründeten Wissenschaftler, NGO´s und politisch Verantwortliche am 24. August 2026 eine binationale Arbeitsgruppe zur Bewahrung der Humboldt-Pinguine. Anlass ist der alarmierende Rückgang der Population in Chile und Peru. Ziel der Initiative ist es, die aktuelle Situation des Humboldt-Pinguins in beiden Ländern zu analysieren, Prioritäten für den Schutz zu identifizieren, Koordination und Kooperation zu verbessern sowie wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zu fördern. 42 Personen von ganz unterschiedlichen Institutionen nahmen am Gründungs-Meeting teil, unter ihnen die chilenischen Forscher Paulina Acre (1) und Maximiliano Daigre (2), Milagros Ormeno und Julio Reyes von der peruanaischen Partnerorganisation Acorema, Nancy Duman und Valeria Paz Canto von Sphenisco Chile sowie Veronica Abrego und Werner Knauf von Sphenisco. 1. Resümee der Vorträge Im ersten Teil des Workshops referierten Fachleute die aktuelle Entwicklung des Bestandes sowie Bemühungen den Humboldt-Pinguin und seinen Lebensraum zu schützen. Die Moderatorin Veronica Lopez (NGO Oikonos) verwies zunächst auf den Stand der rechtlichen Rahmenbedingungen. In Chile bildet der 2024 verabschiedete nationale Schutzplan (Plan Recoge) die rechtliche Grundlage, in Peru wird aktuell ebenfalls ein nationaler Schutzplan entwickelt. Dr. Zavalaga, Koordinator für Peru, fasste die alarmierende Entwicklung der Population in Peru und ihre Ursachen zusammen. Er schlug folgende Maßnahmen vor: - Einrichtung vorübergehender Sperrzonen für die Fischerei rund um Brutkolonien (nach dem Vorbild erfolgreicher Modelle in Südafrika). - Vorübergehende Aussetzung touristischer Aktivitäten und Verstärkung der Überwachung in den Kolonien während der Erholungsphase nach dem aktuellen El Niño. - Ausrottung invasiver Arten (Ratten und Katzen, insbesondere auf der Insel Lobo de Tierra). - Reduktion menschlicher Störungen während des Guano-Abbaus auf ein Minimum. - Reparatur der Umzäunung der Kolonie Punta San Juan, um das Eindringen von Landraubtieren wie Füchsen zu verhindern. Außerdem forderte Dr. Zavalaga, den nationale Naturschutzplan in Peru zügig zu verabschieden und den Humboldt-Pinguin durch die IUCN (Internationale Union für Naturschutz) von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ oder „kritisch gefährdet“ hochzustufen. Verónica López ging in ihrem Beitrag vor allem auf den Faktor Beifang ein und erläuterte die Bedingungen der problematischen Fischerei sowie mögliche Handlungsansätze. Das Programm „Héroes del Mar“ von ProDelphinus (Peru) und die Unterschriftenaktion auf der Internetseite „esmasqueunpinguino.cl“ erwähnte sie als vorbildliche Maßnahmen bei der Aufklärung und Sensibilisierung. Paulina Acre (1) fasste die kritische Entwicklung des Bestandes in Chile mit Hinweis auf die von Sphenisco geförderten Forschungen zusammen (3). Zur Tragweite der Bedrohung durch Fischerei mit Ringwaden und Kiemennetzen führte sie aus: „(...) dass der Verlust von geschlechtsreifen Tieren aufgrund der biologischen Erholungszeiten der Art katastrophal ist (...) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Natur zwischen sechs und acht Jahren benötigt, um einen einzigen fortpflanzungsfähigen Erwachsenen zu ersetzen. Todesfälle in Fischernetzen untergraben deshalb schnell die Fähigkeit von Kolonien zur Regeneration.“ 2. Resümee der Gruppenarbeit Im zweiten Teil des Meetings wurden die Beratungen in zwei Arbeitsgruppen fortgesetzt. Die „Landgruppe“ erarbeitete folgende Vorschläge: 1. Zu Totfunden: Totfunde sollten besser standartisiert überwacht und analysiert werden. Außerdem sollten einfache Kriterien und ein fachlicher Verhaltenskodex zur Identifizierung entwicklelt werden. 2. Zur biologischen Überwachung sollten vier bis sechs Schwerpunkt-Standorte geschaffen werden. Damit könnten fachliche Informationen gebündelt werden, um schnell auf klimatische Unsicherheiten und Veränderungen bei der Inanspruchnahme von Brutkolonien reagieren zu können. 3. Ausrottung invasiver Arten. 4. Nach den zu erwartenden Verwüstungen durch El Niño sollte der Tourismus sehr streng kontrolliert oder ausgesetzt werden sowie Störungen durch Menschen effektiver verhindert werden. 5. Erarbeitung eines Verhaltenskodex für Institutionen bei Arbeiten zur Instandhaltung auf Brutinseln (Nancy Duman). 6. Zum nationalen Naturschutzplan in Peru: Der Plan sollte kurzfristig verabschiedet werden. In Chile sollten die ausgesetzte Deklaration des Humboldt-Pinguins als Naturdenkmal sowie die ebenfalls ausgesetzte rechtliche Neuklassifizierung als „stark gefährdet“ aufgehoben werden. 7. Zur Mauser-Zählung 2027: Der Zensus Anfang 2027 ist eminent wichtig. Deshalb sollten die erforderlichen logistischen Ressourcen und die finanziellen Mittel unbedingt sichergestellt werden. In der „Gruppe Meer“ wurden folgende Vorschläge erarbeitet: 1. Bezüglich der Totfunde wurden die gleichen Vorschläge gemacht (s. oben). Zusätzlich wurde angeregt, einen Leitfaden zur Unterscheidung junger Humboldt-Pinguine von jungen Magellan-Pinguinen für Küsteninspektoren zu erarbeiten. 2. Zur Nutzung der GPS-Daten: Die Daten zur Nahrungssuche der Pinguine (Inseln Choros, Cachagua, Pájaros Niños in Chile) sollten genutzt werden (3), um in Kooperation mit Fischern Fangzeiten so zu koordinieren, dass räumliche Überschneidungen vermieden und der Beifang reduziert wird. Für den Bereich des Humboldt-Archipels ist bereits eine Informationsbroschüre mit interaktiver Karte geplant. (4) 3. Zum internationaler Schutz: Auf der 12. Internationalen Pinguinkonferenz (31. August bis 4. September 2026) in Australien sollte beschlossen werden, Meeresgebiete in der Nähe von Brutkolonien während der Brutzeit zu schützen. 4. Zur interinstitutionellen Koordination und zum Datenaustausch: Daten von Sernapesca (Chile) und Serfor/Imarpe (Peru) sollten durch ähnliche Definitionen und Richtlinien bei der Erfassung vereinheitlicht werden, um binationale Vergleiche durchführen zu können. 5. Zur Optimierung von Ressourcen und Lehrmaterialien: Bereits vorhandene Materialien und Grafiken der Umweltbildung von Organisationen wie ProDelphinus sollten gemeinsam genutzt werden, um Kosten bei künftigen Aufklärungskampagnen in beiden Ländern zu senken. (5) 3. Themen im Abschlussplenum 1. Zur Neuklassifizierung: Im Workshop wurde intensiv über die Neuklassifizierung durch die IUCN diskutiert. Da der Humboldt-Pinguin sowohl in Chile als auch in Peru rechtlich als „stark gefährdet“ eingestuft wurde, sollte beantragt werden, den Status auch international nicht mehr nur als „gefährdet“, sondern mindestens als „stark gefährdet“ einzustufen. 2. Zu Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit: Milagros Ormeño Benavides (Acorema) schlug vor, die Kampagne „Humboldt-Pinguin als Wahrzeichen des Humboldtstroms“ von 2024 wieder aufzunehmen und in internationale Petitionen zu integrieren (6). 4. Nächste Schritte Das Organisationsteam (Paulina Acre, Veronica Lopez, Dr. Carlos Zavalaga) des Workshops kündigte ein Protokoll sowie eine Befragung (Mentimeter) der Teilnehmer an: 1. Wie kann ihre Institution/Organisation zum Schutz des Humboldt-Pinguins beitragen? 2. Welche Initiativen müssen koordiniert und gemeinsam umgesetzt werden? Wie lässt sich diese Koordination erreichen? Das Protokoll des Workshops, die Ergebnisse der Befragungen und der Entwurf einer Strategie für die Arbeit der binationale Allianz werden allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt. W.K. Anmerkungen Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter. (1) Paulina Acre, Universidad Santo Tomás, Grupo de Investigación Pingüino de Humboldt, Santiago, Chile. (2) Maximiliano Daigre, Grupo de Investigación Pingüino de Humboldt, Santiago, Chile. (3) Seit 2021 führt eine Forschergruppe um Dr. Alejandro Simeone im Auftrag von Sphenisco Forschungen zu Bestand, Bruterfolg und Nahrungssuche des Humboldt-Pinguins in Chile durch. Gefördert wird das Projekt von der Artenschutz-Stiftung Zoo Karlsruhe, dem Zoo Dresden und vom Förderverein Tierpark Hagenbeck. (4) In der „Gruppe Meer“ wurde von Veronica Abrego und Werner Knauf der Plan von Sphenisco und Sphenisco Chile vorgestellt, die GPS-Daten zur Vermeidung oder Reduktion des Beifangs zu nutzen. So soll für Workshops mit Fischern im Bereich des Humboldt-Archipel eine Informationsbroschüre und interaktive Karte erarbeitet werden, um Kollisionen mit der Fischerei zu vermeiden. (5) Die Materialien von Acorema (Peru) und Sphenisco Chile sind ebenfalls sehr gut geeignet. Beide Institutionen sind bereit, ihre Materialien zur Verfügung zu stellen. (6) Im April 2024 initiierte Sphenisco Chile die Aktion „Humboldt-Pinguin - Symbolvogel des Humboldtstroms“, an der sich auch Acorema in Peru beteiligte.