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Rettungsstation Coquimbo – zweiter Progress Report 

Landau 21. April 2026. Seit August letzten Jahres versorgt die Rettungsstation in Coquimbo, Nordchile, verletzte und kranke Meerestiere. Sphenisco hat immer wieder über die Entwicklung des Projektes berichtet, zuletzt am 6. Dezember 2025 bzw. 25. Januar 2026. Die Station wird von der Universidad Católica del Norte (UCN) (1), Sernapesca (2), der NGO Conservación Humboldt (3) und Sphenisco gemeinsam betrieben. Versorgt werden die kranken Meerestiere von Tierärzten und Tierpflegern im Dienste der NGO Conservación Humboldt. Sphenisco finanzierte mit Unterstützung der Zoos in Dresden, Frankfurt und Halle die Sanierung der Station und übernahm die Betriebskosten für ein Jahr. Anfang April 2026 legte Conservación Humboldt planmäßig den zweiten Bericht - Zeitraum Dezember 2025 bis März 2026 - über die Entwicklung des Projektes vor (4):

„Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum festigte die „Rettungsstation Conservación Humboldt“ ihre klinische, wissenschaftliche, operative und institutionelle Entwicklung. Verletzte und kranke Meerestiere wurden kontinuierlich versorgt, die Infrastruktur weiter verbessert, Öffentlichkeitsarbeit begonnen und wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis gewonnen.

Die offizielle Einweihung der Station im Dezember 2025 auf dem Campus Guayacán der Universidad Católica del Norte markierte einen bedeutenden Schritt. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse. Vertreter wichtiger kommunaler und akademischer Institutionen sowie von Sernapesca (2) nahmen teil. Dank breiter medialer Berichterstattung, u.a. der Televisión Nacional de Chile (TVN), dem Fernsehsender Mega, der Deutsche Welle, RTL sowie der Tageszeitung Diario wurde die Arbeit der Station auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene bekannter und konnte sich als Beispiel bewährter Praxis positionieren.

Im Berichtszeitraum wurden verschiedene Arten, u.a. Humboldt-Pinguine, Seelöwen, Pelzrobben und Oliv-Bastardschildkröten, versorgt. Es wurden leichte Fälle mit schneller Wiederauswilderung, aber auch komplexere traumatische medizinische Zustände behandelt. Bei den schweren Fälle waren Stabilisierungen, klinische Eingriffe, diagnostische Unterstützung und längerfristige Nachsorge erforderlich. Diese Herausforderungen stärkten die Kompetenz des Behandlungsteams, auf ein vielfältiges Krankheitsspektrum zu reagieren und die Maßnahmen am Tierwohl und den Wirkungen der Rehabilitation professionell auszurichten.

Wie erwähnt wurde die Zusammenarbeit mit externen Institutionen und Fachleuten ausgebaut. Durch die Kooperation mit Sernapesca (2), Fundación Mundo Mar (5), Universidad del Alba (6) sowie unterstützenden Spezialisten konnten die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erweitert, Verlegungen erleichtert sowie Maßnahmen gemeinsam beurteilt werden. Diese institutionenübergreifende Zusammenarbeit trug auch dazu bei, die Station als Teil eines Netzwerks zum Schutz der Meeresfauna zu etablieren.

Im Berichtszeitraum wurden auch Infrastruktur und Betriebsbedingungen verbessert. So wurden Bereiche des Pflegebereichs umgebaut, Becken und Außenbereichen gestrichen und die Installationen zur Versorgung mit Süß- und Salzwasser verbessert. (...)

Neben der klinischen und operativen Arbeit engagierte sich das Team in der Umweltbildung und wissenschaftlich mit dem Ziel, die Rehabilitation von Meerestieren bekannter zu machen und den Naturschutz zu fördern. Besonders stolz ist die NGO Conservación Humboldt auf ihre erste wissenschaftliche Publikation. In Zusammenarbeit mit der Universidad del Alba (6) wurde ein Artikel über trematodenassoziierte Nierenläsionen (7) bei Humboldt-Pinguinen veröffentlicht. Die Publikation erweitert die Kenntnisse in der medizinischen Versorgung von Humboldt-Pinguinen und verbesserte interne klinische Protokolle, insbesondere hinsichtlich der Entwurmung.

Die Ausgaben für die Rettungsstation bewegten sich im Finanzplan. Die bereitgestellten Mittel wurden für den regulären Betrieb, hauptsächlich für Personalkosten, aber auch für Nahrung, klinische Verbrauchsmaterialien und Betriebsmittel sowie Verbesserungen der Infrastruktur eingesetzt. Abweichungen in einzelnen Positionen erklären sich vor allem durch die schwankende Zahl aufgenommener Tiere und der variablen Natur klinischer Anforderungen, die sich unmittelbar auf den Verbrauch von Medikamenten, medizinischen Materialien und anderen variablen Kosten auswirkt. Insgesamt liegen die Ausgaben aber unter den veranschlagten Beträgen.

Die Station hat ihre Arbeit im Berichtszeitraum konsolidiert. Sie ist in der Lage, spezialisierte klinische Versorgung, Rehabilitation, Verbesserungen der Infrastruktur, Umweltbildung, fachliche Zusammenarbeit und wissenschaftliche Arbeit zu verbinden. (...) Diese Entwicklung positioniert die Rettungssation Conservación Humboldt zunehmend als solide Plattform im Dienst des Schutzes der Meeresfauna in Chile.”

W.K.

Anmerkungen

Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

(1) Universidad Católica del Norte-UCN. Dt. Katholische Universität des Nordens in Coquimbo, Nordchile.

(2) Sernapesca. Servicio Nacional de Pesca y Acuicultura. Dt. Nationaler Dienst für Fischerei und Aquakultur.

(3) Die NGO Conservación Humboldt widmet sich der Erhaltung von Meerestieren und betreibt die Rettungsstation auf dem Gelände der Katholischen Universität des Nordens in Coquimbo.

(4) NGO Conservación Humboldt. Bericht über die Haushaltführung für den Zeitraum Dezember 2025 bis März, April 2026.

(5) Fundación Mundo Mar ist eine gemeinnützige Stiftung mit der Zielsetzung, die Meeresfauna durch verschiedene Maßnahmen, vor allem durch medizinische Versorgung zu bewahren.

(6) Universidad del Alba ist eine private, profitorientierte chilenische Universität mit Sitz in Santiago. Sie wurde 2006 gegründet. 

(7) Trematoden-assoziierte Nierenläsionen sind Gewebeschäden an den Nieren, die durch eine Infektion mit Saugwürmern (Trematoden) verursacht werden.

Hinweis

Alle Bilder sind Eigentum von Sphenisco e.V. bzw. den genannten Fotografen.

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