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Humboldt-Pinguine zwischen Erforschung und Artenschutz – ein Vortrag von Dr. Thomas Mattern

Karlsruhe, 11. August 2026. Die Insel Choros in Chile ist ein beliebtes Brutgebiet für Humboldt-Pinguine. Einige von ihnen brüten sogar in der Mitte der etwa 500 m breiten Insel. Aufgrund der starken Reliefunterschiede überwinden sie täglich bis zu 300 (!) Höhenmeter, um an die Küste und ins Meer zu gelangen. Schon dieses Beispiel zeigt, wie viel über das Leben von Humboldtpinguinen an den Küsten Chiles und Perus noch zu entdecken gibt.

Genau darum ging es am 5. August bei einem Vortrag von Dr. Thomas Mattern im Karlsruher Zoo. Mattern, der an der University of Otago tätig ist und die Global Penguin Society in Neuseeland vertritt, erforscht verschiedene Pinguinarten und beschäftigt sich im Auftrag von Sphenisco auch intensiv mit Humboldt-Pinguinen. Für alle Interessierten, die nicht persönlich vor Ort dabei sein konnten, wurde der Vortrag zusätzlich online übertragen.

Thomas Mattern unterschied in seinem Vortrag zwischen den gut erforschten „Zoo-Humboldt-Pinguinen“ und ihren Artgenossen, die an den Küsten Perus und Chiles leben. Denn während über Humboldt-Pinguine in Zoos bereits viel bekannt ist, gibt es über das Leben von Humboldt-Pinguinen in der Natur noch große Wissenslücken. Das betrifft vor allem ihr Verhalten im Wasser, obwohl sie dort etwa zwei Drittel ihres Lebens verbringen.

Neue technische Möglichkeiten können dazu beitragen, diese Lücken nach und nach zu schließen. Sphenisco ermöglicht und unterstützt die Forschenden dabei. Besonders eindrückliche Einblicke liefern beispielsweise kleine Pinguin-Body-Cams, von denen ein Video-Zusammenschnitt auch im Vortrag gezeigt wurde. Mit solchen Aufnahmen wurde erst vor kurzem beobachtet, dass Humboldt-Pinguine am Meeresboden in deutlich größeren Gruppen nach Fischen jagen als bislang angenommen. Dabei scheinen sie sich sozial zu organisieren und sich die Fische gegenseitig zuzutreiben, um so ihre Nahrungsausbeute zu erhöhen.

Auch Drohnen erleichtern die Forschung. Sie kommen näher an die Tiere heran als Menschen, ohne die Pinguine dabei in gleichem Maße zu erschrecken. Gleichzeitig entstehen Aufnahmen, die später in Ruhe ausgewertet werden können. So lassen sich beispielsweise Zählungen während der Mauser wesentlich einfacher, genauer und auch nachvollziehbarer durchführen.

Solche Erkenntnisse sind nicht nur wissenschaftlich interessant, sie können auch ganz konkret zum Schutz von Humboldt-Pinguinen beitragen. Zu deren Hauptbedrohungen gehören der Klimawandel und die Fischerei. El Niño Ereignisse häufen sich und führen aufgrund der Wassererwärmung zu veränderten Aufenthaltsorten von Fischen, sodass diese den Pinguinen nicht als Nahrungsquelle zur Verfügung stehen und sie dann leider verhungern. Es ist wichtig, sich weiterhin dafür einzusetzen, den Klimawandel einzudämmen. Um den Humboldt-Pinguinen jedoch unmittelbar helfen zu können, liegt ein Teil der Hoffnung im Zusammenspiel von Forschung und Fischerei. 

Je genauer das Verhalten und der Alltag der in Peru und Chile lebenden Humboldt-Pinguine bekannt ist, desto gezielter können gemeinsam mit den Fischern mögliche Kompromisse diskutiert werden. Denkbar wäre beispielsweise, die für Humboldt-Pinguine besonders gefährliche Ringwaden- und Stellnetz-Fischerei in bestimmten Gebieten nur zu Zeiten einzusetzen, in denen sich dort erfahrungsgemäß kaum Pinguine aufhalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, möglichst genau zu wissen, wann und wo die Tiere unterwegs sind.

Dass die Beziehung zwischen Fischerei, menschlicher Nutzung und Pinguinen nicht immer eindeutig ist, zeigen auch neue Daten aus der Gegend um Isla Cachagua. Dort scheint der Hafen Quintero, in dem Schiffe auf Reede liegen, Humboldt-Pinguine besonders anzuziehen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die dort nur „ruhenden“ Schiffe in diesem Areal die aktive Fischerei verhindern und so möglicherweise einen eher ungestörten Bereich schaffen. Jedoch könnte andererseits mit Schadstoffen belastetes Wasser des Río Maipo, der ins Meer mündet, die Pinguine gefährden. 

Bei allen Gefährdungen gab der Vortrag auch Anlass zur Hoffnung. Vieles von dem, was bislang über Humboldt-Pinguine bekannt ist, deutet darauf hin, dass die Tiere relativ flexibel auf Veränderungen reagieren können. Auch die Auswirkungen der Vogelgrippe scheinen sie besser zu verkraften, als es manche Berichte in den Medien vermuten lassen.

Zoodirektor Prof. Dr. Matthias Reinschmidt bezeichnete den Beitrag im Anschluss als einen „sensationellen Vortrag“. Die bewegten (und bewegenden) Aufnahmen sowie die spannenden Berichte von Dr. Thomas Mattern ließen die Faszination auf das Publikum überspringen. Diese Begeisterung zeigte sich nicht zuletzt an den zahlreichen Fragen, die sich unmittelbar an den Vortrag anschlossen.

Forschung und Engagement lassen für die Zukunft der Humboldt-Pinguine Hoffnung schöpfen.

Lisa Kern

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