Landau, 3. August 2026
C H I L E
+++Aktion „Gesicht zeigen!“+++
Die Fundación Sphenisco Chile wandte sich Anfang Juni mit einen Schreiben und auch persönlich an politisch Verantwortliche und Öffentlichkeit, um für einen besseren Schutz der Humboldt-Pinguine zu werben. Dabei verwies die Stiftung auf die Aktion „Gesicht zeigen!“ und den Bericht über den Welt-Pinguin-Tag. https://sphenisco.org/es/startseite-es/news-es/welt-pinguin-tag-im-zeichen-der-krise-des-humboldt-pinguins-es
+++Welt-Umwelt-Tag in Ovalle+++
Anlässlich des Weltumwelttages, am 5. Juni, nahm die Fundación Sphenisco Chile an der Umweltmesse der Schule „Colegio Manantial“ in Ovalle mit der Foto-Wanderausstellung „Erkunden wir den Archipel: Quelle des Lebens für die Menschheit“ teil.
+++HumboldtCam+++
Der Forscher Thomas Mattern hat angeregt, auf einer Brutinsel in Chile eine PinguinCam dauerhaft zu installieren. Aus Erfahrungen mit Tier-Live-Cams ist bekannt, dass Tausende Menschen den Stream verfolgen und eine „persönliche“ Beziehung zu den Tieren entwickeln. Dabei bilden sich Gemeinschaften, die sich im Chat-Fenster austauschen. Pinguine brüten zweimal im Jahr, so dass über viele Wochen Aktivitäten im Nest beobachtet werden können. Der Vorstand von Sphenisco unterstützt und fördert die Idee, bei der Öffentlichkeitsarbeit in Chile und Peru eine HumboldtCam zu nutzen. Für Zoos eröffnet diese Aktion die Möglichkeit, den Livestream zu zeigen, u.U auch direkt an Pinguinanlagen.
+++Forschung im (Süd-)Winter 2026+++
Ende Juni setzten Thomas Mattern und sein Team die Untersuchungen zur Nahrungsssuche auf der Inseln Pájaro Niño, Zentral-Chile fort. Die Forscher befestigten sieben GPS-Logger an Pinguinen und konnten sie auch wieder bergen. Außerdem installierten sie versuchsweise eine HumboldtCam auf der Halbinsel und streamten Bilder vom Brutgeschehen. Der Plan auf den Inseln Cachagua und Tilgo die Feldarbeit fortzusetzen und dort ebenfalls die HumboldtCam zu erproben, wurde durch tagelange Unwetter mit Starkregen zunichte gemacht. Aktuell ist es immer noch nicht möglich die Brutinseln – außer Pájaro Niño - zu erreichen. Auf dieser Brutinsel wurden durch den Starkregen viele Nester überflutet, einige blieben aber auch erhalten. (siehe auch Artikel „Die Pinguin-Gemeinde …“)
Laut Vorhersagen soll der sich entwickelnde El Niño sehr stark ausfallen und wird wahrscheinlich die Brutsaison im (Süd-)Frühling stark beeinträchtigen. Es ist deshalb sehr fraglich, ob Untersuchungen mit GPS-Logger und Unterwasserkameras möglich und sinnvoll sind. Gefördert werden die Untersuchungen zu Bestand, Bruterfolg und Nahrungssuche von der Artenschutz-Stiftung Zoo Karlsruhe, dem Zoo Dresden und den Freunde des Tierparks Hagenbeck e.V..
+++Día Nacional de la Pesca Artesanal+++
Zum Tag der handwerklichen Fischerei (29. Juni) würdigte die Fundación Sphenisco Chile die Bedeutung der Kleinfischerei und appellierte: “... auf eine verantwortungsvolle und nachhaltige Fischerei hinzuarbeiten, die die natürlichen Kreisläufe respektiert, die Überfischung der Bestände verhindert und die marine Artenvielfalt schützt. (…) Das Meer zu schützen, bedeutet auch, die Zukunft der handwerklichen Fischerei und der Familien, die davon abhängig sind, zu sichern. An diesem Tag würdigen wir die Kleinfischer für ihren Einsatz, ihr Engagement und ihren Beitrag zur Entwicklung unserer Küstengebiete“.
+++Fotoausstellung bei der CEAZA (1)+++
Anfang Juli 2026 wurde die Fotoausstellung „Lasst uns den Archipel erkunden: Quelle des Lebens für die Menschheit“ im Zentrum für Umweltbildung der CEAZA (1) eröffnet. Die Ausstellung im Zentrum von La Serena sollte bis zum 6. August gezeigt werden. Wegen des Unwetters mit Starkregen musste sie abgebrochen und die Exponate in Sicherheit gebracht werden.
+++Auszeichnung für Sphenisco Chile+++
Die Fakultät für Meereswissenschaften der Universidad Católica del Norte-UCN zeichnet die Fundación Sphenisco Chile als „Bedeutende Einrichtung“ 2025 aus. Die Auszeichnung sollte im Rahmen der Feierlichkeiten zum 43. Jahrestag der Fakultät für Meereswissenschaften am 22. Juli überreicht werden. Wegen des Unwetters musste diese Veranstaltung zweimal verschoben werden und soll nun am 12. August stattfinden.
+++Gewinner bekannt gegeben+++
Mitte Juli gab die Fundación Sphenisco Chile die Gewinner des 2. Literatur Wettbewerbs “Der Humboldt Archipel in 110 Worten” bekannt. Gefördert wird das Projekt vom Zoo Rostock und dem Dierenpark in Rhenen. (siehe Artikel “Zweiter Literaturwettbewerb – Bekanntgabe ...“).
+++Rettungsplan für den Humboldt-Pinguin+++
Subpesca, Untersekretariat für Fischerei und Aquakultur, lud Fachleute und NGO´s zum 21. Juli zu einer Präsenz- und Online-Veranstaltung zur Realisierung des RECOGE Plans ein. Titel des Meetings: „Plan RECOGE Humboldt-Pinguin: Governance, Wissenschaft und Territorium“. Mit der Arbeitssitzung sollte die Umsetzung des Plans zur Wiederansiedlung, Erhaltung und Bewirtschaftung (RECOGE) des Humboldt-Pinguins gefördert werden. Wegen des Unwetters musste auch diese Veranstaltung verschoben werden. Sie wurde am 28. Juli nachgeholt. Berichte über Verlauf und Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
+++Hilfe unter extremen Bedingungen+++
Das Team der Fundación Sphenisco Chile, Alianza Humboldt und der Produktionsfirma Big Travel erreichte unter großen Schwierigkeiten die Berggemeinde Los Morros in der Gemeinde La Higuera, um 40 Familien zu helfen. Die Familien waren wegen des heftigen Unwetters mit Starkregen in den Regionen Atacama und Coquimbo von der Außenwelt abgeschnitten. Auf den stark beschädigten Straßen waren die Helfer fast 10 Stunden unterwegs, da immer noch viele Straßen unpassierbar sind. Dank der Kampagne „La Higuera ist nicht allein“ konnten für 700.000 Pesos (rund 650 €) Grundnahrungsmittel für die Familien in Los Morros gekauft werden. Außerdem wurde Hunde- und Katzenfutter verteilt.
Dem Team gelang es, vor erneuten Regenfällen Los Morros zu erreichen, bevor die Straßen erneut unpassierbar wurden. Die Fundación Sphenisco Chile schreibt: „Wir sind zutiefst bewegt und dankbar, dass wir mit der Hilfe vieler Menschen diese Gemeinde erreichen konnten. Wir danken von ganzem Herzen allen, die dazu beigetragen haben: der Veterinärmedizinischen Hochschule Chiles, der Firma Carozzi für die Spende von Hunde- und Katzenfutter und der Firma Big Travel für den Transport sowie allen Freiwilligen, die diesen Einsatz möglich gemacht haben.
Doch die Notlage hält an und es gibt noch viel zu tun. Die Kampagne läuft weiter und wir brauchen erneut deine Solidarität. Du kannst mit haltbaren Lebensmitteln in unserer Sammelstelle helfen“. (siehe auch Artikel „Die Pinguin-Gemeinde …“)
P E R U
+++Forderung nach besserem Schutz+++
Im Juni 2026 wandte sich auch die NGO Acorema mit einer öffentlichen Erklärung an staatliche Institutionen, Fischerei- und Tourismusverbände sowie private Einrichtungen, um auf die kritische Situation des Humboldt-Pinguins aufmerksam zu machen. Die NGO fordert in einer Erklärung alle Akteure auf, sich für die Bewahrung der Humboldt-Pinguine zu engagieren und den Schutz zu verbessern. Am 24. Juni wurde die Erklärung bei Facebook und Instagram veröffentlicht. Acorema verweist bei seinem Appell auch auf die gemeinsame Kampagne „Lasst uns gemeinsam den Humboldt-Pinguin retten!“. (siehe auch beigefügte Abbildungen “Der Humboldt-Pinguin: Eine Ikone am Rande des Schweigens” und “Keine industrielle Fischerei in Naturschutzgebieten!” sowie Artikel “Aufforderung der NGO Acorema …”).
+++Bruterfolg auf den Balestas Inseln+++
Acorema hat 2021/22 im Auftrag von Sphenisco den Bruterfolg auf den Ballestas Inseln, Südperu untersucht. Diese Untersuchung wurde 2024/2025 mit dem Ziel eines „Prä-post Vergleichs“ wiederholt. Titel: “Vergleich der Populationen und des Fortpflanzungserfolgs der Humboldt-Pinguin-Kolonie auf den Ballestas-Inseln vor und nach Vogelgrippe und El Niño“. Im Juli legte die NGO eine vorläufige Zusammenfassung vor. Die Untersuchung belegt für die Brutkolonie einen Rückgang brütender Pinguine um 56,45 % sowie einen Rückgang aktiver Nester um 40,34 %. Trotz Vogelgrippe und El Niño war der Bruterfolg pro aktivem Nest verbessert: 0,8 (2022) vs. 1,28 (2025). Gefördert wurde die Studie vom Zoo Frankfurt und dem Vogelpark Marlow.
E U R O P A
+++Mitgliederversammlung 2026+++
Ende Juni 2026 fand traditionell die Mitgliederversammlung von Sphenisco e.V., verbunden mit ausführlichen Informationen über Projekte und Aktivitäten, in Landau statt. Trotz Rekordhitze war das Meeting gut besucht. (siehe Artikel „Mitgliederversammlung bei Rekordhitze“)
+++Artenschutztag Zoo Frankfurt+++
Nicole Kambeck, Mitglied von Sphenisco, berichtetet: „Beim diesjährigen Artenschutztag im Frankfurter Zoo hatte sich das Frankfurter Sphenisco-Team etwas Besonderes für die jungen BesucherInnen einfallen lassen: Mit einer liebevoll gestalteten Bastelvorlage konnten Kinder ihren eigenen Pinguin basteln. Das Angebot stieß auf große Begeisterung – die Bastelecke war den gesamten Tag über durchgehend gut besucht.
Auch das beliebte Artenschutz-Quiz durfte in diesem Jahr nicht fehlen. Sphenisco war erneut an der Entwicklung der Quizfragen beteiligt und vermittelte den BesucherInnen auf spielerische Weise Wissenswertes über den Schutz der bedrohten Humboldt-Pinguine. So erfuhren sie beispielsweise, warum der Abbau von Guano den Tieren schadet. Guano, die über viele Jahre abgelagerte Hinterlassenschaft von Seevögeln, ist an den Küsten Perus und im Norden Chiles von großer ökologischer Bedeutung. Humboldt-Pinguine graben ihre Bruthöhlen in die weichen Guano-Schichten, die ihren Eiern und Küken Schutz vor der intensiven Sonneneinstrahlung bieten. Der großflächige Abbau dieses sogenannten „weißen Goldes“ zur Nutzung als Pflanzendünger hat jedoch den natürlichen Lebensraum der Pinguine erheblich zerstört und zählt zu den Hauptursachen für den Rückgang ihrer Bestände. Sphenisco rät daher vom Kauf guanohaltiger Dünger ab. Doch der Guanoabbau ist nur eine von vielen Bedrohungen für die Humboldt-Pinguine. Auch Überfischung, der Tod in Fischernetzen sowie die fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels setzen den Tieren zunehmend zu und erschweren ihr Überleben. (…).“
+++Philosophische Pinguine unterstützen Artgenossen+++
Die ehemalige Landauer Zoopädagogin, Kunsttherapeutin und Künstlerin Juli Hornen hat ein Kartenset für den Artenschutz geschaffen. Die Idee, ein Kartenset mit 10 verschiedenen Pinguinarten zu gestalten, wurde auf der Jahreshauptversammlung 2025 entwickelt. Mit einem Augenzwinkern wendet sich jeder dieser Pinguine mit einer kleinen, philosophischen Botschaft sowie einer Reflexionsfrage an den Betrachter.
Die "Philosophischen Pinguine" können als Set mit 10 Kunstpostkarten direkt bei der Künstlerin bestellt werden. Pro verkauftem Set gehen 2,50 Euro direkt an Sphenisco und unterstützen so den Artenschutz. Link zu Webseite und Bestellformular:
https://www.kunstkomplizin.de/philosophische-pinguine.html
+++Vortrag zur Bestandsentwicklung+++
Am 5. August referiert der Forscher Thomas Mattern, Neuseeland, im Zoo Karlsruhe über Bestandsentwicklung und aktuelle Bedrohungslage der Humboldt-Pinguine. Die Veranstaltung findet Online sowie in Präsenz statt (siehe Artikel „Forschung fürs Überleben“).
+++Vorstellungsgespräche Geschäftsführerin+++
Am Freitag 7. August stellen sich Bewerberinnen für die Position „Geschäftsführerin“ vor. Der Vorstand hofft, aus dem Kreis sehr qualifizierter Kandidatinnen eine Mitarbeiterin gewinnen zu können.
+++12. Internationale Pinguin Konferenz+++
Vom 31. August bis zum 5. September 2026 findet die 12. Internationale Pinguin Konferenz auf Phillip Island, Australien, statt. Die Wissenschaftler Ursula Ellenberg (2), Alejando Simeone (3) und Thomas Mattern (4) werden auf der Konferenz in Vorträgen Forschungsergebnisse zum Bestand, Bruterfolg und Nahrungssuche vorstellen, die von Sphenisco (mit Hilfe der Artenschutz-Stiftung Zoo Karlsruhe, des Zoo Dresden und des Vereins der Freunde des Tierparks Hagenbeck e.V). gefördert wurden und werden.
Die Forscherin Paulina Acre (5) wird mit einem Poster über die Nahrungskonkurrenz „Fischerei vs. Humboldt-Pinguine“ informieren. Isa Karbstein und Volker Eggert (Gründungsmitglieder von Sphenisco) werden ebenfalls mit einem Poster (6) einen Überblick über die Arbeit von Sphenisco geben. Dabei werden auf dem Hintergrund der kritischen Entwicklung der Population Forschungsergebnisse zur Populationsdynamik sowie die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit von Acorema, Peru, und der Fundación Sphenisco Chile vorgestellt und eingeordnet.
Wegen der besorgniserregenden Entwicklung der Population haben Pinguinforschen einen „Vor-Workshop“ mit dem Thema „Was funktioniert für gebänderte Pinguine? Wissenschaft in effektiven Schutz für afrikanische und Humboldt-Pinguine umsetzen“ organisiert (siehe Artikel „Workshop: Vorschläge zur Rettung“).
+++Film „Stunde der Pinguine“+++
Die Produktionsfirma Doclights GmbH (7) drehte im Tierpark Hagenbeck mit Dave Nelde, „Pinguin-Pfleger“ und Mitglied von Sphenisco, für die Doku-Reihe „Leopard, Seebär & Co.“. Im Kontext der Dreharbeiten über Humboldt-Pinguine wurde Doclights auf den Film „Die Stunde der Pinguine“ aus dem Jahr 2012 aufmerksam und will kurze Sequenzen übernehmen. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.
+++Prost auf die Bewahrung der Natur+++
Jack Gradidge, Naturschutzbeauftragter von Folie Farm Adventure Park and Zoo (8), informierte Ende Juli über eine neue Spendenaktion mit der Brauerei Tenby Brewery. Bei der Aktion fließen 20 Pence jeder verkauften Dose in den Naturschutzfond von Folly Farm, um Naturschutzpartner, darunter auch Sphenisco, zu unterstützen. Auf dem Etikett dieses Bieres ist ein schöner Makkaroni-Pinguin zu sehen.
+++Spenden, Spenden, Spenden+++
Im Juni und Juli 2026 haben folgende Personen und Institutionen für die Artenschutzprojekte von Sphenisco gespendet: America Bustamante Areval, Kathrin Ballenthin, Zoo Rostock, Zoo am Meer Bremerhaven, Mitgliederversammlung von Sphenisco, Artenschutztag Zoo Frankfurt, Ilko Jung, Hans Russ, Frank Hartmann und Maximilian Gaubatz.
W.K.
Anmerkungen
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
(1) Centro de Estudios Avanzados en Zonas Áridas (CEAZA) ist ein Forschungszentrum in der Region Coquimbo.
(2) Ellenberg, U. 2026. Living with the enemy: Humboldt penguins appear to defy fisheries and coastal development in central Chile. Presentation IPC12.
(3) Simeone, A. 2026. Declining Humboldt penguins in Chile: trends, possible causes and future perspektives. Presentation IPC12.
(4) Mattern, T. 2026. From linear foraging to seabed mining, from marathon to super-charged penguins - 25 years of penguin research in Aotearoa New Zealand. Keynote presentation IPC12.
(5) P. Acre. 2026. Where penguins meet people: Spatial overlap between foraging habitats and human pressures in coastal ecosystems. Poster IPC12.
(6) Eggert, V., Karbstein,I., Knauf, W. 2026. Conservation of Humboldt penguins – research, environmental, education, advocacy. Poster IPC12.
(7) Doclights Naturfilm ist Deutschlands führender Naturfilmproduzent mit Produktionen in der Primetime
(8) Folly Farm Adventure Park and Zoo in Pembrokeshire, Wales, ist eine der beliebtesten Familienattraktionen Großbritanniens.








