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Neuer Bestechungsskandal – wurden Gerichtsurteile zugunsten von „Dominga“ gekauft?

Landau 9. Januar 2026. Die Population der Humboldt-Pinguine wurde in den letzten Jahren stark reduziert. Ursächlich sind Vogelgrippe H5N1 und El Niño, nach Auffassung chilenischer Behörden aber auch (Klein-)Fischerei und destruktive Bauprojekte. Das umstrittene Bergbau- und Hafenprojekt „Dominga“ der Firma Andes Iron hat das Potential, die wichtigsten Brutgebiete in Nordchile entscheidend zu schädigen oder zu vernichten. Die Firma Andes Iron mit ihrem Projekt „Dominga“ ist aktuell erneut in einen Bestechungsskandal verwickelt. Am 30. Dezember 2025 berichtete die Online-Zeitung El Comunal La Higuera über die Einleitung von Ermittlungen gegen die Firma wegen des Verdachtes der Bestechung, Einflussnahme und anderer Straftaten im Kontext der Entscheidungen von Umweltgerichten in der Causa „Dominga“ (1). Über diese Entscheidungen wurde unter den Überschriften „Das Umweltgericht überschreitet seine Befugnis“ (Dezember 2024) und „Rechtswidriges Urteil zugunsten von Dominga“ (Februar 2025) auf diesen Seiten informiert. Der folgende Text gibt den Artikel der Online-Zeitung El Comunal La Higuera (1) sinngemäß wider und ergänzt ihn zur besseren Einordung durch ausführliche Anmerkungen:

Staatsanwaltschaft eröffnet Ermittlungen gegen Andes Iron und „Dominga“, um zu klären, ob Gerichtsentscheidungen zugunsten des Projekts auf Bestechungsgelder zurückzuführen sind

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Einleitung einer Untersuchung gegen die Eigentümer des Bergbauprojekts „Dominga“ wegen des Verdacht auf Bestechung, Einflussnahme und anderer Straftaten. Die Untersuchung wurde durch eine Anzeige der sozialistischen Abgeordneten Daniel Manouchehri und Daniella Cicardini ausgelöst. Die Parlamentarier sammelten Informationen und leiteten diese an die zuständige regionale Staatsanwaltschaft von Los Lagos weiter. Betroffen sind die Familie Délano Méndez (Firmenanteil 76 %) und die Familie Garcés Silva (Firmenanteil 14 %) sowie Führungskräfte des Unternehmens.

Bezüglichlich Carlos Alberto Délano erinnern wir uns, dass er über die Firma Minera Activa Uno SpA mit der Familie Piñera Morel (2) Eigentümer der Liegenschaft „Dominga“ war. Délano, unter seinen Freunden als der „Choo“ bekannt, war Controller der Penta-Gruppe (3) und wurde wegen wiederholter Steuerdelikte und illegaler Finanzierung der Politik im Fall Penta verurteilt. Er wurde auch dadurch „berühmt“, da er und Carlos Eugenio Lavin lediglich zu einer Geldstrafe und hundert Stunden Ethikunterricht auf Bewährung verurteilt wurde.

Im aktuellen Fall soll Andes Iron (federführend bei “Dominga“) nach Angaben der sozialistischen Abgeordneten mehr als 250 Millionen chilenische Pesos (238.969 €) an die Kanzlei der Anwälte Gabriel Silver (ehemaliger Abgeordneter), Eduardo Lagos und Mario Vargas gezahlt haben. Lagos und Vargas wurden in der Muñeca Bielorrusa-Affäre angeklagt. Die Affäre steht mit dem Fall Hermosilla (4) in Verbindung und legte offen, dass Richter des Obersten Gerichtshofs bestochen wurden, um Fälle im Sinne der Geldgeber zu entscheiden.

Laut der Nachrichtenplattform Reportea (5) erhielt die Anwaltskanzlei zwischen März und Dezember 2023 zehn Überweisungen von Andes Iron, obwohl die Anwälte Lagos und Vargas nicht als Vertreter des Bergbauunternehmens in Gerichtsverfahren tätig waren. Die Zahlungen fallen mit der Überprüfung des Projekts „Dominga“ durch das Erste Umweltgericht von Antofagasta zusammen, bei der „Dominga“ ein positives Urteil erhielt, wie später auch vor dem Obersten Gerichtshof. Laut der Berichterstattung sollen die Anwälte auch 18 Millionen chilenische Pesos (17.206 €) an die Ehefrau von Jean Pierre Matus, Richter am Obersten Gerichtshof, überwiesen haben. Im genannten Zeitraum erließ der Richter ebenfalls ein Urteil zugunsten des Bergbauunternehmens. Die Staatsanwaltschaft wird u.a. untersuchen, warum die Frau des Richters das Geld bekommen hat.

Zunächst wurde geltend gemacht, die Zahlungen seien Teil der Rechtsberatung in der Causa „Dominga“. Anwalt Patricio Leyton, der das Bergbauunternehmen vor Gericht vertrat, versicherte jedoch, er wusste nicht, dass Lagos, Vargas und Silver Dienstleistungen für „Dominga“ erbracht haben. Er sagte: "… sie spielten bei den Klagen keine Rolle, die wir im Namen des Unternehmens führen".

Später wurden die Zahlungen an die Anwaltskanzlei in Informationen, die Andes Iron an dieses Medium übermittelte, mit einem Bericht über die gerichtliche Nachverfolgung gerechtfertigt. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Berichte Kopien öffentlicher Informationen waren, die im Internet kursierten.

Der Abgeordnete Daniel Manouchehri (PS) sagte in sozialen Netzwerken "es sei offensichtlich, dass niemand 250 Millionen chilenische Pesos (238.969 €) für Copy-Paste-Berichte zahlt. Deshalb müsse geklärt werden: Wofür war das Geld, das „Dominga“ den Anwälten bezahlt hat? Gab es Bestechungsgelder an Richter, die an den Urteilen zugunsten von „Dominga“ beteiligt waren? Welche Rolle spielte der Richter Jean Pierre Matus, wenn man bedenkt, dass seine Frau von den Anwälten bezahlt wurde? Was ist an den Umweltgerichten mit den umstrittenen Urteilen zugunsten von Dominga passiert? Dieser Fall riecht nach Korruption“.

Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung hatten sich weder die Agentur Azerta noch die Firma Andes Iron zu den von der Staatsanwaltschaft angekündigten Ermittlungen offiziell geäußert.

W.K.

Anmerkungen

Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

(1) Fiscalía abre investigación contra Andes Iron y Dominga para ver si fallos judiciales a favor del proyecto fueron por eventuales sobornos, El Comunal, 30. Dezember 2025, übersetzt mit der kostenlosen Version von deepl.

(2) Sebastián Piñera (1949-2024) war ein millardenschwerer chilenischer Unternehmer und Politiker. Von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022 war er Präsident Chiles. In seiner zweiten Amtszeit berief er den im Artikel erwähnten Richter Jean Pierre Matus an den Obersten Gerichtshof. Laut Pandora Papers war Piñera mit „Dominga“ in Offshore-Geschäfte verwickelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte damals wegen möglicher Steuerhinterziehung und Interessenkonflikten. Piñera bestritt die Vorwürfe. 

(3) Der "Fall Penta" (Pentagate) war ein großer Korruptionsskandal in Chile um die Unternehmensgruppe Penta. Die Gruppe hinterzog durch gefälschte Rechnungen und illegale Parteispenden, vor allem an die rechts-konservative UDI-Partei, u.a. Steuern und bestach Politiker. Das führte zu Verurteilungen, Gefängnisstrafen für Manager und Politiker und einer tiefen Vertrauenskrise in die chilenischen Politik. 

(4) Luis Hermosilla ist ein bekannter chilenischen Anwalt und politischer Akteur. Im August 2024 wurde er von der chilenischen Justiz wegen Steuerdelikten, Bestechung und Geldwäsche angeklagt. Für die Dauer der Ermittlungen wurde Untersuchungshaft angeordnet. Der Anwalt gilt als Kopf des größten Korruptionsskandals in der jüngsten Geschichte Chiles.

(5) Reportea ist eine unabhängige, investigativ ausgerichtete chilenische Nachrichtenplattform https://reportea.cl

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