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Leserbrief zum Justizskandal

Landau 30. Januar 2026.

Chilenische Medien berichteten im Dezember 2025 über einen neuen Bestechungsskandal im Kontext des Bergbau- und Hafenprojektes „Dominga“ der Firma Andes Iron. Sphenisco hat unter der Überschrift „Neuer Bestechungsskandal – wurden Gerichtsurteile zugunsten von „Dominga“ gekauft?“ am 9. Januar 2026 berichtet. Aktuell wird im Fall „Dominga“ eine neue Entscheidung des Berufungsgerichts in Antofagasta erwartet. Das veranlasste Nancy Duman, Präsidentin der Fundación Sphenisco Chile, einen Leserbrief dazu zu schreiben. Der Brief wurde im El Mercurio, Ausgabe Antofagasta und Calama, veröffentlicht:

Fall Dominga

Die Überprüfung des Falls Dominga durch das Berufungsgericht von Antofagasta hat große Erwartungen in der Öffentlichkeit, bei Bewohnern der betroffenen Region, bei Forschern, im Tourismus und in der Wissenschaft geweckt. Was eigentlich ein transparenter und rechtskonformer Prozess sein sollte, ist heute von Misstrauen und Unsicherheit geprägt, da dieser Prozess in der Vergangenheit von Unregelmäßigkeiten bestimmt war. Es ist legitim, sich zu fragen: Können wir weiterhin Vertrauen in die Gerichtsverfahren und den Inhalt des bevorstehenden Urteils haben? Die Zweifel sind nicht unbegründet.

In den letzten Wochen hat die Presse schwerwiegende und besorgniserregende Fälle aufgedeckt, in denen Anwälte durch Bestechung Gerichtsentscheidungen beeinflusst haben. Diese Vorfälle sind keineswegs Einzelfälle und haben erneut die Glaubwürdigkeit des Rechtssystems erschüttert. Sie zwingen uns zu der Frage, ob wir es hier mit einem ähnlichen Szenario zu tun haben. Hinzu kommt die Beauftragung eines ehemaligen Senators mit bekannten Verbindungen zu Richtern des Umweltgerichts, von denen einige zuvor zugunsten von Dominga entschieden haben. Ist dies nur ein Zufall oder Teil einer Strategie, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen?

Wir Chilenen und Chileninnen verdienen klare Antworten, denn es geht hier nicht nur um ein
Mega-Bergbau-Hafenprojekt mit gravierenden technischen Mängeln und irreversiblen Auswirkungen auf das Grundwasserreservoir von Los Choros und den Humboldt Archipel, sondern auch um das Vertrauen in unsere Institutionen. Wo Transparenz die Regel sein sollte, untergräbt jeder Zweifel die Legitimität gerichtlicher Entscheidungen. Daher ist es dringend erforderlich, dass der Gerichtshof mit absoluter Unabhängigkeit handelt und ein Verfahren gewährleistet wird, das frei von unzulässigen Einflüssen ist. Das Land kann es sich nicht leisten, dass Partikularinteressen Vorrang vor dem Gemeinwohl haben.

Nancy Duman
Sprecherin der Humboldt-Allianz Coquimbo-Atacama

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