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Aufforderung der NGO Acorema den Humboldt-Pinguin besser zu schützen

Pisco, Peru, Landau 24. Juni 2026.
Im Juni 2026 hat die NGO Acorema sich mit einer öffentlichen Erklärung an staatliche Institutionen (SERFOR (1), MINAM (2), Kommunen), Fischerei- und Tourismusverbände sowie weitere private Einrichtungen gewandt, um auf die kritische Situation des Humboldt-Pinguins in Peru und die Notwendigkeit aufmerksam zu machen. Die NGO fordert in der Erklärung alle Akteure auf, sich für die Bewahrung der Humboldt-Pinguine zu engagieren. Am 24. Juni wurde die Erklärung auch bei Facebook und Instagram veröffentlicht. Acorema weist bei seinem Appell auf die gemeinsame Kampagne „Lasst uns gemeinsam den Humboldt-Pinguin retten!“ hin.

W.K.

Erklärung zur Gefährdung des Humboldt-Pinguins und zur Notwendigkeit, Verpflichtungen einzugehen

Seit 30 Jahren widmet sich Acorema der Erforschung und dem Schutz der Biodiversität des Meeres und der Küsten. Schwerpunkte des Engagements sind bedrohte Arten wie Wale, Meeresschildkröten, Humboldt-Pinguine, Seeotter und deren Lebensräumen. Diese Lebewesen sind von entscheidender Bedeutung für die Nahrungsketten der Ökosysteme. Als Spitzen der Nahrungskette und Indikatoren für den Gesundheitszustand des Ozeans regulieren sie die Bestände ihrer Beutetiere und tragen so zum Nährstoffkreislauf bei. Darüber hinaus spielen sie in verschiedenen Bereichen der Küste eine entscheidend Rolle in der lokalen Wirtschaft, sichern das Einkommen tausender Familien und gelten als wichtiger Bestandteil der blauen Wirtschaft. Viele dieser Arten sind jedoch auf unterschiedliche Weise durch Zerstörung ihrer Lebensräume, unsachgemäße Entsorgung fester Abfälle, Rückgang ihrer Nahrungsquellen, Auswirkungen der Fischerei, unkontrollierte städtische Ausdehnung und Klimawandel bedroht. Das schränkt ihre Regenerationsfähigkeit ein.
Vor dem Hintergrund dieser Bedrohungen erfordert der Humboldt-Pinguin (Spheniscus humboldti) unsere sofortige und vorrangige Aufmerksamkeit. Dieser Seevogel besiedelte einst mit zehntausenden Individuen unsere Inseln. Jetzt ist sein Bestand so stark reduziert, dass Anlass zu großer Sorge besteht. In den letzten sieben Jahren ist die Anzahl der Tiere laut den Ergebnissen der jährlichen Zählungen (3) um fast 60 % zurückgegangen. Diese Zählungen werden von Acorema in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Institutionen durchgeführt und vom Saint Louis Zoo in den Vereinigten Staaten unterstützt. Die letzte Zählung aus dem Jahr 2025 ergab eine Gesamtzahl von nur noch 5.465 Pinguinen. Diese Zählung belegt nicht nur Veränderungen in der Anzahl, sondern auch in der Verbreitung der Pinguine von Jahr zu Jahr. Die Daten sprechen eine klare Sprache: Die Bestände des Humboldt-Pinguins in Peru haben in den letzten Jahren drastisch abgenommen und nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Dieser Bestandsrückgang ist kein Zufall der Natur, sondern das Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen natürlichen Faktoren und anthropogenen Belastungen, die diese Pinguinart nicht bewältigen kann.

Die Situation wird noch kritischer durch das mangelnden Interesses des Kongresses der Republik, Gesetzentwürfe zu debattieren, die Artikel 27-A zur Änderung des Gesetzes 26834 (Gesetzes über Naturschutzgebiete - ANP), enthalten und die großflächige oder industrielle Fischerei in Gebieten verbieten soll, die unsere Biodiversität und unsere marinen Küstenökosysteme repräsentieren. Die Naturschutzgebiete beherbergen die bedeutendsten Kolonien von Humboldt-Pinguinen in Peru. Die jährlichen Zählungen belegen, dass 87 % der nationalen Population in Naturschutzgebieten leben, die als Basis der nationalen Strategie zum Erhalt unserer Biodiversität gelten. Die Bewirtschaftung dieser Gebiete basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist Teil der vom Staat eingegangenen internationalen Verpflichtungen, wie dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs 14 und 15) und den Zielen der Agenda 2030.
Diese komplexe und kritische Situation wird voraussichtlich noch durch ein stark ausgeprägtes El-Niño-Ereignis gesteigert, das für Ende 2026 bis Mitte 2027 angekündigt ist. Das würde die Situation des Humboldt-Pinguins aufgrund der Abwanderung der Anchoveta, seiner Hauptnahrungsquelle, weiter verschärfen.
Angesichts dieser kritischen Situation hat Acorema gemeinsam mit Organisationen wie Sphenisco aus Deutschland, die sich für den Schutz des Humboldt-Pinguins einsetzen, die Kampagne „Lasst uns gemeinsam den Humboldt-Pinguin retten!“ ins Leben gerufen. Bei verschiedene Aktionen in Deutschland, Chile und Peru engagierten sich Zoos, Schulen, Universitäten, Naturschutzverbände und zivilgesellschaftliche Gruppen. https://sphenisco.org/de/startseite/news/welt-pinguin-tag-im-zeichen-der-krise-des-humboldt-pinguins
Wir appellieren eindringlich an Staat, Privatwirtschaft, zivilgesellschaftliche Gruppen, Fischergemeinschaften und die Bevölkerung: Der Schutz des Humboldt-Pinguins ist nicht die Aufgabe einiger weniger, sondern eine gemeinsame Verantwortung aller. Jede Maßnahme zählt, um den Rückgang umzukehren und sicherzustellen, dass die Humboldt-Pinguine weiterhin auf unseren Inseln und Guano-Felsen inmitten jener großen Artenvielfalt leben können, die einem der artenreichsten Meere der Welt eigen ist.
Wir bekräftigen unser Engagement als Institution, konkrete Maßnahmen voranzutreiben und zu unterstützen. Dazu gehören die Fortsetzung der Forschung, um bestehende Wissenslücken über diese Art zu schließen, sowie die Stärkung von Initiativen zur Sensibilisierung, die gemeinsam dazu beitragen, den Humboldt-Pinguin vor dem Aussterben zu bewahren.

Acorema

Anmerkungen
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die im Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.

(1) Der Servicio Nacional Forestal y de Fauna Silvestre (SERFOR) ist die zuständige Behörde für Forstwirtschaft und Wildtiere in Peru.
(2) Ministerio del Ambiente (Ministerium für Umwelt). Aufgabe des Ministeriums ist Erhaltung und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie die Aufwertung biologischer Vielfalt und Umweltqualität.
(3) In Peru wird seit über 20 Jahre jährlich die Population mausernder Humboldt-Pinguine gezählt.

Hinweis

Alle Bilder sind Eigentum von Sphenisco e.V. bzw. den genannten Fotografen.

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