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Petition „Humboldt-Pinguine brauchen endlichen Schutz!“

Landau 13. Oktober 2021.

Die Befürworter der Bergbau- und Hafen-Projekte „Cruz grande“ und „Dominga“ sind durch die Enthüllungen der letzten Wochen (s. Berichte auf dieser Seite) stark in der Defensive. Die Chancen sind günstig, endlich die längst überfällige Schutzzone für das wertvolle Ökosystem „Archipel Humboldt“ durchzusetzen. Der Verein „Rettet den Regenwald“ hat die Petition „Humboldt-Pinguine brauchen endlichen Schutz!“ online gestellt.

https://www.regenwald.org/petitionen/1245/humboldt-pinguine-brauchen-endlich-schutz.

WIR BITTEN ALLE Pinguinfreunde und Umweltschützer die Petition

  1. zu unterschreiben,
  1. Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte und Institutionen zu bitten, dies ebenfalls zu tun und ebenfalls die Petition weiterzuverbreiten und
  1. Medien zu bitten über die Forderung zu berichten.

Jede Stimme zählt!

W.K.

„Dominga“ die große Täuschung - Weltnaturerbe als Spekulationsobjekt

 

Landau 15. September 2021.

Grundlage dieses Beitrages ist der Artikel „Dominga, el Gran Engaño: ex Jefe de la Unidad de Geología de CMP afirma que Proyecto No es Viable Económicamente“ in der Online Zeitschrift „Voceríal virtual“ (1). Der Artikel fokussiert auf die Aspekte „Qualität der Erzvorkommen“, „Produktionskosten“ und „Historie der Mine Dominga“. Entlang dieser Stichworte wird das Interview der chilenischen Jornalistin Lucía Escobar mit dem Geologen Mario Rojo Lara zusammengefasst. Auch andere Medien wie z.B. ElDesconcierto.cl. (2) und Diario la Region de Coquimbo (3) veröffentlichten das Interview.

2013 beantragte die Firma Andes Iron das Bergbau- und Hafen-Projekt „Dominga“ in der Region Coquimbo, Nordchile. Das Projekt gefährdet eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt und wird seither von Natur- und Umweltschützern entschieden bekämpft. Andes Iron wirbt auf seiner Website (4) damit, hochwertige und wettbewerbsfähige Eisenerz- und Kupfer-Produkte zu produzieren. Die Investitionskosten, werden dort mit 2,5 Milliarden Dollar beziffert. Mitte August berichtet die Online-Zeitung Vocería virtual (1), dass diese Angaben falsch sind. Die chilenische Zeitung stützt sich bei der Veröffentlichung auf Untersuchungen und Expertise des Geologen Mario Rojo Lara. Der Experte für Uran- und Eisenerzbergbau, ein erfahrener und anerkannter Fachmann, arbeitete 11 Jahre lang bei der chilenischen Kernenergiekommission (CCHEN) und 32 Jahre lang bei der Compañía Minera del Pacífico (CMP), dem größten Eisenerzproduzenten an der amerikanischen Pazifikküste. Bei CMP war er ein Jahrzehnt lang Leiter der geologischen Abteilung, bevor er in den Ruhestand ging.

Der pensionierte Geologe kennt das Dominga-Projekt sehr gut. Als Leiter der Geologieabteilung von Compañía Minera del Pacífico (CMP) mußte er das Projekt prüfen, weil es an CMP verkauft werden sollte. Zudem liegen Erzlagerstätten von CMP und „Dominga“ direkt nebeneinander, es handelt sich um dieselben Vorkommen (Distrikt El Tofo). Die Qualität der Rohstoffe bewertet der pensionierte Geologe folgendermaßen:

Dominga ist unwirtschaftlich

Die Firma Andes Iron gibt – wie gesagt - auf ihrer Website an, hochwertige und wettbewerbsfähige Produkte (Eisenerz und Kupfer) produzieren zu wollen. Die Investitionskosten werden dort mit 2,5 Milliarden Dollar beziffert.
Als der Eisenpreis Ende 2000er Jahren boomte, führte die Abteilung von Mario Rojo metallurgische Tests durch. Dabei zeigte sich, dass die Gesteinsmassen ihrer Lagerstätten von schlechter Qualität (geringer Konzentration) waren. Dadurch ist die (Gewichts-)Ausbeute beim Abbau zu gering, um ein verkaufbares Produkt zu erhalten. Aus diesem Grund brach CMP seine Nachforschungen ab.
Dann bot Andes Iron die Mine Dominga der Firma CMP zum Kauf an. Der Eisenerzproduzent prüfte die Vorkommen und bestätigte, was er bereits wusste. Nach diesem Misserfolg sollte „Dominga“ an Mitsubishi in Japan verkaufen werden. Der japanische Konzern ließ sich damals aber bei allen Eisenerzprojekten in Südamerika von CMP beraten. Ein erneuter Schlag ins Wasser. Als nächstes sollte an chinesische Firmen verkaufen werden. China beutet aber eigene Vorkommen mit geringer Qualität nicht aus. Wieso sollen chinesische Unternehmen dann minderwertiges Erz in fernen Ländern abbauen? Die Chinesen haben auch kein Angebot gemacht.

Fachliche Probleme

Die Lagerstätte „Dominga“ (Distrikt El Tofo) besteht aus Magnetitmineralisiertem Tuff. Das Material liegt unter dem Cut-off-Gehalt (niedrigster Gehalt eines Rohstoffes, der noch als abbauwürdig gilt). Das bedeutet, die Produktionskosten sind zu hoch, um einen Gewinn zu erzielen. Der durchschnittliche Eisenerzgehalt von Dominga beträgt 23 %. Im Vergleich dazu liegt der Durchschnittsgehalt der Mine El Romeral in der Nähe von La Serena bei 52 %. Dort muss also viel weniger Gestein bewegt werden, um Eisenerz zugewinnen.

Der Kupfergehalt der Mine Dominga beträgt 0,09 %. Im Kupferbergbau gilt schon 0,1 % als unbrauchbar. Andes Iron hat unbrauchbares Gestein, deklariert es aber als Ressource.

Mit einem Eisengehalt von 23 % kann Andes Iron nur ein Eisenkonzentrat gewinnen, das internationalen Anforderungen nicht entspricht. Auf den internationalen Märkten liegt die Norm bei 67-69 % Gesamteisen. „Dominga“ kann aber lediglich Höchstwerte von 64 bis 65 % erreichen. Zwischen 64% und 67 % scheint kein großer Unterschied zu liegen. Dazu muss man aber wissen, dass enorm hohe Strafen für jeden Prozentpunkt Eisen verhängt werden, der nicht im angebotenen Konzentrat enthalten ist. Der Verkauf eines 67%-igen Konzentrats ist also viel besser als der Verkauf eines 65%-igen Konzentrats, da Strafen für Abweichungen den Preis exponentiell beeinflussen.

Andes Iron will 12 Millionen Tonnen Eisenkonzentrat pro Jahr produzieren. Dafür wird inzwischen nur noch ein Kapitalbedarf von 2,5 Mrd. US-Dollar angegeben. Ursprünglich hatte Andes Iron 3,2 Mrd. veranschlagt. Die Reduktion hat einem einfachen Grund. Im Bergbau stellt eine Investition von mehr als 3 Mrd. Dollar ein hohes Risiko dar. Um Investoren zu gewinnen, hat man den Kapitalbedarf „angepasst“. Mit dieser Summe ist der Abbau in der Mine Dominga aber technisch nicht machbar. Nach Berechnungen des Geologen Mario Rojo belaufen sich die Kosten für Hafen und Filtrationsanlage, Entsalzungsanlage sowie Produktionskosten auf mindestens 3,35 Mrd. Dollar. Der erforderliche Börsengang ist da noch gar nicht eingerechnet.

Auf die Frage der Journalistin Lucía Escobar, ob Informationen über Erzgehalte oder Investitionskosten beliebig angegeben werden können, ohne das staatliche Stellen die Angaben bestätigen, stellt Mario Rojo klar: Der Servicio Nacional de Geología y Minería (Sernageomin) oder andere öffentliche Stelle mischen sich da nicht ein. Man kann deklarieren, was man will. Man kann ein Projekt erfinden, wenn es überzeugt, kann man es sogar verkaufen. Es gibt zwar ein Peer-Review (Verfahren zur Qualitätssicherung durch unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet) wie in der Wissenschaft, aber es gibt keine Verpflichtung dazu. Andes Iron hat an Peer Review natürlich kein Interesse. Ein Investor muss also eigene Experten beauftragen, um das Projekt Punkt für Punkt zu überprüfen.

In diesem Zusammenhang erinnert sich der Geologe an den großen Skandal mit der Goldmine Bre-X in Indonesien. Dort wurden keine Erze gefunden. Deshalb schummelte man und bestreute die Proben mit Gold. Nach dem Skandal wurden in Kanada und Australien Mineralienbörsen mit Standards für die Prüfung der Glaubwürdig eingerichtet. Wenn ein Bergbauunternehmen wegen Irreführung von Investoren in Frage gestellt wird, wird das ganze Land in Frage gestellt, das Image des Landes verschlechtert sich. Die Vorgehensweise von Andes Iron diskreditiert deshalb das Image des chilenischen Bergbaus, der für Chile so enorm wichtig ist.

Reine Spekulation

Der Geologen Mario Rojo Lara bezeichnet „die „Mine Dominga“ als reine Spekulation. Es handelt sich nicht um ein echtes Bergbau-Projekt“. Das Projekt begann Mitte der 2000er Jahre. Die Mine gehörte der Firma Latin American Cooper. Für die damals der Geologe Iván Garrido arbeitete. Die britischen Investoren machten einige wenige Untersuchungen, die keine signifikanten Ergebnisse lieferten. Sie stuften deshalb das Projekt trotz diskreter Kupfer- und Goldanomalien in dem eisenhaltigen Material als nicht rentabel ein.

Im Jahr 2009 gründeten Garrido und die Gruppe Larraín Vial „Minería Activa“, einen Investmentfond für Bergbauunternehmen. Larraín Vial konnte bald bekannte, einflussreiche Familien wie die Familie Piñera Morel und die Familie Délano Méndez als Investoren gewinnen. Der Fond „Minería Activa“ kaufte die Mine Dominga. Im Jahr 2010, das Jahr in dem Sebastián Piñera Präsident wurde, erwarb Andes Iron dann die Mine. Iván Garrido übernahm das Amt des Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektors, das er bis Dezember 2020 innehatte.

Obwohl das „Eisengeschäft“ sehr schwierig ist, kaufte die Gruppe Larraín Vial, ohne sich mit Experten der Branche zu beraten. Der Geologe Iván Garrido verfügt aber nicht über entsprechende Erfahrung und kommuniziert außerdem nicht mit Kollegen der Branche. Er hat weder fundierte Kenntnisse hinsichtlich der Produktion noch des Marktes. Zusammen mit seinem Freund, dem Geologen Armando Signa hat er das Projekt „erfunden“. Iván Garrido und Armando Signa sind aber in erster Linie Finanzberater und keine Bergbauunternehmer.

Andes Iron ist verschuldet und muß sich deshalb beeilen, Investoren zu gewinnen. Auch aus diesem Grund musste das Umweltproblem gelöst werden. In dieser Hinsicht waren die Sorgen aber nicht besonders groß. Man ging davon aus, dass die aktuelle Regierung unter Präsident Sebastián Piñera das Umweltproblem lösen würde. Richtige Sorgen machten dagegen die fachlichen Probleme (s. oben). Als diese nicht mehr zu übersehen waren, entzog man Iván Garrido das Vertrauen. Er wurde entlassen.

Mario Rojo schätzt, dass bisher etwa 250 Millionen Dollar in das Projekt „Dominga“ investiert wurden. Für den Bergbau ein geringer Betrag. Zu den Ausgaben gehören Kosten für fachliche Studien, die Anmietung sehr schöner Büros in „Sanhattan“ und eine Menge Lobbyarbeit. Andes Iron hätte das Projekt auch ohne großen Medienrummel bewerben können, ohne Chaos zu verursachen, das den chilenischen Bergbau in Verruf gebracht hat. Jeder Außenstehende, der die Zahlen von Andes Iron prüft, wird die falschen Angaben erkennen. Daher wird die Firma keinen Käufer finden, der ihre Investitionen rentabel macht.

Allein der Hafen könnte das Projekt retten. Wenn der Agua-Negra-Tunnel (3) gebaut wird, um vom Atlantik zum Pazifik zu gelangen, ist das eine große Sache. Aber der Bau des Tunnels wird frühestens in 20 Jahren realisiert. Es dauert mindestens sieben Jahre, ein Bergbauprojekt zu starten, wenn alles gut geht und Andes Iron die Gesetze einhält. In der Regel bestehen die Investoren aber darauf, das Projekt am Meer, den Hafen, vom Landprojekt zu trennen. Die Hafengesellschaft kann also die Bergbaugesellschaft nicht subventionieren.

Der Geologe Mario Rojo resümiert: „Im Dominga-Projekt wurden einige sehr schwerwiegende Fehler gemacht“.

Anm.

(1) Vocería virtual 17. August 2021. Dominga, el Gran Engaño: ex Jefe de la Unidad de Geología de CMP afirma que Proyecto No es Viable Económicamente
https://www.voceriavirtual.cl/2021/08/dominga-el-gran-engano-ex-jefe-de-la.html

(2) ElDesconcierto.cl.
https://www.eldesconcierto.cl/nacional/2021/08/18/mario-rojo-exjefe-de-geologia-de-cmp-que-reviso-el-proyecto-dominga-es-especulacion-pura-y-dura.html

(3) Diario la Region de Coquimbo
https://www.diariolaregion.cl/dominga-desmiente-a-ex-jefe-de-geologia-de-cmp-no-cuenta-con-ningun-antecedente-para-sustentar-sus-dichos/

(4) Website Andes Iron
https://www.andesiron.com/?lang=en.

(5) Agua-Negra Tunnel
https://www.worldhighways.com/wh10/wh8/feature/agua-negra-tunnel-between-chile-and-argentina

 

G.K. & W.K.

 

Andes Iron Logo Iván Garrido Mario Rojo Lara

Nein zum Ökozid - #NoaDominga

 

La Serena 15. August 2021.

Am Mittwoch, 11. August 2021 genehmigte die Kommission für die Umweltverträglichkeitsprüfung (COEVA) der Region Coquimbo - zum Erstaunen des ganzen Landes - in einer außerordentlichen Sitzung mit 11 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme das Bergbau- und Hafenprojekt Dominga der Firma Andes Iron. Und das obwohl vier Organisationen der Zivilgesellschaft gegen das im April dieses Jahres in dieser Sache ergangene Urteil des Umweltgerichts Antofagasta Berufung beim Corte Suprema (Oberster Gerichtshof) eingelegt haben. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs steht noch aus. Zum ersten Mal bestätigt damit diese Kommission ein Projekt, ohne die Entscheidung des Corte Suprema abzuwarten.

Das Umweltgericht Antofagasta hatte die Berufung des Bergbauunternehmens akzeptiert und die COEVA (Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung) angewiesen, auf der Grundlage des früheren Bewertungsberichts (ICE) erneut über das Projekt abzustimmen. Mit anderen Worten, die Abstimmung zu wiederholen und die beiden Ablehnungen des Projekts, die erste im März 2017 durch die Regionalregierung und die zweite im August desselben Jahres durch das Ministerkomitee, aufzuheben (Anm.).

Um die große Bedeutung der Abstimmung und Entscheidung der COEVA vom Mittwoch deutlich zu machen und zu verstehen, warum dieser irreguläre Vorgang eine erneute und vielleicht noch schwerwiegendere Bedrohung für das Ökosystem „Humboldt-Archipel“ in der Gemeinde La Higuera darstellt, müssen einige Fakten benannt werden:

  1. Pablo Hermann, der Beauftragte des Präsidenten Piñera (neue Position seit der Reform 2021 bzgl. der Gouverneure) stimmte als Einziger gegen das Projekt. Seine Begründung: Er lehne das „Dominga-Projekt“ solange ab, bis man sich in der Region Coquimbo auf einen Verladehafen beschränke. Er forderte die Unternehmen (Andes Iron und Compañía Minera del Pacífico (CMP) auf, sich darauf zu verständigen, nur einen Hafen in diesem Gebiet zu betreiben. Das heißt, die Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung (COEVA) unterstützt und fördert den Hafen Cruz Grande in Chungungo der Firma CMP. Dieser Hafen wurde 2015 ebenfalls unter politischem Druck mit zahlreichen Unregelmäßigkeiten, wie der Hafen von Dominga, genehmigt.
  2. Dabei ist zu bedenken, dass die Baugenehmigung des Hafens Cruz Grande inzwischen erloschen ist, da der Bau nicht innerhalb der im Umweltgesetz vorgesehenen 5-Jahres-Frist begonnen wurde. Dennoch beharrt die Firma darauf, dass die Genehmigung noch gültig sei.
  3. Das Dominga-Projekt wurde und wird jetzt wieder auf der Basis einer fachlichen Stellungnahme genehmigt, die im März 2017, also vor viereinhalb Jahren, erstellt wurde. Die Stellungnahme wurde von Fachleuten in Santiago erarbeitet und war darauf angelegt, die Genehmigung des Projektes zu begünstigen. Die Expertise der zuständigen Fachleute in der Region wurde nicht nur nicht berücksichtigt, sie wurde gezielt umgangen.
  4. Die COEVA (Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung) wurde vom Beauftragten des Präsidenten Piñera einberufen. Sie besteht aus zehn regionalen Ministerialsekretären, die alle vom derzeitigen Präsidenten ernannt wurden. Bis 2010 war der Präsident zudem auch Mehrheitseigentümer von Andes Iron. Er ist ein enger Freund des derzeitigen Eigentümers Carlos Delano, der wegen wiederholter Steuervergehen zu 99 Stunden Ethikkursen verurteilt wurde.
  5. Bleibt die Frage, was die Verantwortlichen tun werden, um der Firma Andes Iron den angekündigten Verzicht auf den geplanten Hafen in Totoralillo Norte zu ermöglichen. Dazu ist es erforderlich, die institutionellen Bedingungen zu umgehen, da das Umweltrecht bei Änderungen eines Projektes vorsieht, den Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung wieder neu zu beginnen.
  6. Das System der Umweltverträglichkeitsprüfung hat dem Druck des Bergbauunternehmens und der derzeitigen Regierungsbehörden nachgegeben, zugunsten privater Interessen und zum Nachteil von Natur und Menschen. Die bedrohten Meeresschutzgebiete sind von unschätzbarem und unersetzlichem Wert, sie sind global von entscheidender Bedeutung für die biologische Vielfalt. Die Realisierung des Minen-Projekts hat im Übrigen auch schwerwiegende Auswirkungen an Land. Es kann dazu führen, dass das Grundwasser irreversibel versiegt. Dadurch würden Lebensräume von Pflanzen und Tieren von großer biologischer Bedeutung geschädigt und der Bevölkerung der Zugang zu Wasser für den täglichen und landwirtschaftlichen Bedarf genommen werden.

 

Wie geht es weiter?

Es gibt 2 parallele Wege.

Bürgerorganisationen und Oceana haben gegen das Urteil des Umweltgerichts Antofagasta zugunsten des Projekts Dominga im April dieses Jahres am Obersten Gericht Einspruch eingelegt. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus. Außerdem werden Gruppen der Zivilgesellschaft gegen die Zulassung des Projekts durch die COEVA juristisch vorgehen.

Es ist wichtig klarzustellen, dass das Projekt bereits von zwei offiziellen Instanzen zurückgewiesen wurde und sich aktuell noch in der Prüfung am Obersten Gerichtshof befindet. Wenn der Oberste Gerichtshof den Einsprüchen stattgibt, ist die Abstimmung vom 11. August ungültig.

Die Zulassung des Projekts vom 11. August bedeutet keineswegs eine Baugenehmigung. Sie ermöglicht lediglich die Bearbeitung sektoraler Genehmigungen.

Zivilgesellschaften der Gemeinden und Umweltschützer sind entschlossen, nicht aufzugeben, bis die Pläne „Dominga-Mine“ nicht mehr existent sind. Sie rufen die Bürger auf, sich nicht täuschen zu lassen, äußerst alarmiert und aktiv zu bleiben.

Die Entscheidung der Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung ist eine nationale Schande, umso mehr, wenn man bedenkt, dass wir uns in einer Klimakrise befinden.

Nancy Duman
(Sphenisco Chile)

 

Anm.

(1) siehe Artikel „Warten auf eine Entscheidung“ vom 25. April 2021 mit „Erklärung vom 21. April 2021“.

 

Proteste und Aktionen gegen die Entscheidung

Landau 18. August 2021. Während der Entscheidung am 11. August demonstrierte Alianza Humboldt und Defensa ambiental 4. Region vor dem Sitz der Regionalregierung in La Serena und verlasen eine Erklärung. Viele Organisationen und Institutionen reagierten schnell und veröffentlichten Protestnoten, u.a. die CONAF, Region Coquimbo (Corporación Nacional Forestal, verantworlich für den Naturschutz), FENATRAMA - Arbeiter des Umweltministeriums und der SEA (verantwortlich für Prüfungen der Umweltverträglichkeit), ANFUMMA – Vereinigung der Funktionäre des Umweltministeriums, Sernapesca, Region Coquimbo (Servicio Nacional de Pesca y Acuicultura, Fischereibehörde), der nationale Servicio de Evaluación Ambienta (SEA, verantwortlich für Prüfungen der Umweltverträglichkeit), Mitarbeiter der Nationalparks, Gewerkschaft der Kupferminenarbeiter. In der Vergangenheit gab es solche öffentlichen Proteste von Behörden und Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes nicht. Sie markieren eine neue Qualität der öffentlichen Diskussion in Chile.

In den nächsten Wochen sind folgende Aktionen geplant:

  • Übergabe eines Protestschreibens an die Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung,
  • Demonstration vor dem Büro der Firma Andes Iron mit Übergabe eines Schreibens,
  • Trauerzug von Chañaral de Aceituno bis nach La Serena (Strecke 120 km!),
  • Aktionstage in allen Küstendörfern der Gemeinde La Higuera,
  • wöchentlicher Informationsstand an der Av. Francisco de Aguirre in La Serena,
  • Online- und Live-Konzerte zur Unterstützung der Proteste.

Analysiert man Vorgehen und Öffentlichkeitsarbeit der Firma Andes Iron, drängt sich folgende Vermutung auf: Die Firma ist bestrebt, das Hafen- und Bergbauprojekt möglichst noch in der Amtszeit von Präsident Piñera zu starten. Die Wahlen in Chile sind im November 2021, die Amtseinführung des neuen Präsidenten im März 2022. Es ist nicht möglich, die juristischen Auseinandersetzungen in den verbleibenden 6 Monaten abzuschließen. Will man das Projekt „Dominga“ noch in der Amtszeit von Präsident Piñera starten, geht dies nur, wenn man erneut Gesetze und institutionelle Bedingungen umgeht. Der Aufruf sich nicht täuschen zu lassen, äußerst alarmiert und aktiv zu bleiben, ist wahrscheinlich mehr als berechtigt.

 

W.K.

Demo 11. August Karte Alianza Humboldt

 

Forschung fürs Überleben

 

Landau 4. Juni 2021.

Wie viele Humboldt-Pinguine gibt es noch in Chile? Brüten sie erfolgreich? Wo finden sie genug Futter? Offene Fragen, die entscheidend für das Überleben dieser Pinguinart sind.

2019 appellierte die Conservation Planning Specialist Group (CPSG) der IUCN an Forscher, so wesentlichen Fragen nachzugehen und diese Wissenslücken zu schließen. Mit renomierten chilenischen und neuseeländischen Forschern plant SPHENISCO ein insgesamt 6-jähriges Forschungsprojekt. Dr. Alejandro Simeone (Universität Andrés Bello, Santiago) wird Zählungen auf den 8 wichtigsten Brutinseln in Chile durchführen, Dr. Guillermo Luna (Universität Católica del Norte, Coquimbo) den Bruterfolg auf den Inseln Chañaral und Choros untersuchen und das Forscherpaar Dr. Ellenberg und Dr. Mattern (NZ Penguin Initiative, Universität von Otago, Dunedin, Neuseeland) Daten zur Nahrungssuche erheben. Gefördert wird das Forschungsvorhaben von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe, vom Zoo Dresden und von den Freunden des Tierparks Hagenbeck in Hamburg.

Humboldt-Pinguine sind durch Faktoren wie Überfischung, Klimaveränderungen, Beifang der handwerklichen Fischerei, direkte Bejagung, Guanoabbau, Sammeln von Eiern und Meeresverschmutzung in ihrem Bestand bedroht. Diese Aktivitäten reduzieren die Verfügbarkeit von Brutgebieten, verringern den Bruterfolg oder verursachen direkt den Tod von Pinguinen. Deshalb wird der Humboldt-Pinguin seit Jahren von der IUCN als gefährdet eingestuft.

Im Zeitraum von 1999 bis 2008 war die Humboldt-Pinguin-Population mit einem Bestand von rund 33.000 Tieren in Chile relativ stabil. Eine neuere Studie von 2017 deutet jedoch darauf hin, dass der Bestand auf bis zu 10.000 Vögel gesunken sein könnte. Analyse und Bewertung dieses (möglichen) Trends ist schwierig, da die Daten der letzten Jahrzehnten mit erheblichen methodischen Mängeln behaftet sind. Weder die Auswahl der Brutplätze, noch die Art der Zählungen (während der Mauser versus während der Brut) waren ausreichend stringent. Es ist deshalb unklar, worauf der mögliche Rückgang im letzten Jahrzehnt zurückzuführen ist. Spiegelt er Populationsschwankungen wieder oder ist er auf methodische Mängel zurückzuführen?

Über Jagdgründe, Nahrungsspektrum und Tauchverhalten der Humboldt-Pinguine gibt es bis jetzt kaum Daten. Dabei wäre ein besseres Verständnis der marinen Ökologie für das Überleben dieser Pinguinart unerlässlich, verbringt sie doch bis zu 80% ihres Lebens im Meer.

In dem Projekt „Entschlüsselung der Populationsgröße und des Futtersuchverhaltens von Humboldt-Pinguinen in Chile“ sollen mit 3 koordinierten Studien zuverlässige Daten zur Populationsgröße, zum Bruterfolg und zum Futtersuchverhaltens erhoben werden. Finanziert werden die Forschungen von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe, dem Zoo Dresden und den Freunden des Tierparks Hagenbeck.

Census (Dr. Alejandro Simeone, Universität Andrés Bello, Santiago)
Im Abstand von 2 Jahren wird in den 8 wichtigsten Kolonien (entspricht 80–90 % der chilenischen Population) jeweils im November und Dezember die Brutpopulation gezählt. Dabei sollen auch anderer nistende Seevögel wie z.B. peruanische Tölpel, peruanische Pelikane, neotropische und Guanay-Kormorane, Seemöwen erfasst werden.

Überwachung des Bruterfolgs (Dr. Guillermo Luna, Universität Católica del Norte, Coquimbo)
Das Monitoring findet auf den beiden wichtigsten Brutinseln - Chañaral und Choros – statt. Beide Inseln gehören zum Humboldt-Pinguin-Nationalreservat. Es werden Daten wie Zeitpunkt der Paarung, Eiablage, Schlüpfen und Flüggewerden sowie der Bruterfolg erhoben. Mit den Daten können Brutausfälle aufgrund natürlicher Ereignisse bzw. menschlicher Eingriffe erkannt werden.

Während der Brutsaison (Anfang November bis Mitte Januar) werden die beiden Inseln Choros alle 2 Wochen aufgesucht. Bei jedem Termin werden Anzahl der Eier, der Küken, der toten Küken sowie der flügge gewordenen Vögel registriert. Anhand dieser Daten werden durchschnittliche Gelegegröße, Schlupfrate und der durchschnittliche Bruterfolg berechnet.

Nahrungssuche (Dr. Thomas Mattern, Dr. Ursula Ellenberg, NZ Penguin Initiative, Universität von Otago, Dunedin)
Die neuseeländischen Wissenschaftler haben die Forschung mit GPS-Loggern sowie Unterwasserkameras weiterentwickelt und so die Erforschung des Verhalten von Meeresvögeln auf See erst möglich gemacht. Untersucht wird das Verhalten der Humboldt-Pinguine während der Aufzucht der Küken und in der Zeit vor der Mauser. Beide Perioden sind von entscheidender Bedeutung, da das Überleben der erwachsenen Tiere und die Erhaltung der Art (Bruterfolg) letztlich von der Fähigkeit abhängt, ausreichend und angemessenes Futter zu finden.

Die Untersuchungen werden jeweils im Dezember und Januar auf den Inseln Chañaral und Choros (Humboldt Penguin National Reserve) durchzuführt. Untersucht werden sowohl Pinguine, die Küken aufziehen, als auch Vögel, die die Aufzucht abgeschlossen haben und sich auf die jährliche Mauser vorbereiten.

Die Messungen werden präzise und detaillierte Informationen über Position und Tauchverhalten der Vögel sowie umgebende Wassertemperatur liefern. In Kombination mit satellitengestützten ozeanographischen Daten kann dann das Verhalten der Pinguine im ökologischen Kontext analysiert werden. Zusätzlich werden die Tiere mit neuartigen Kamera-Logger ausgestattet. Die Forscher schauen den Pinguinen bei der Futtersuche sozusagen über die Schulter, um Erkenntnisse über Jagdstrategien, Jagderfolg und aufgenommenen Beutearten zu dokumentieren.
(s. Forschung bei Gelbaugenpinguinen). Die GPS- und Tauchdaten werden helfen, wichtige Meereszonen zu identifizieren, in den die Pinguine Nahrung finden, und so Informationen für Meeresplanungen liefern.

Eigentlich sollte das Projekt schon im November 2020 beginnen. Die Pandemie ließ leider damals Reisen in und nach Chile nicht zu. Jetzt ist geplant im November mit den Forschungsarbeiten zu beginnen.

Gabriele & Werner Knauf haben die Forscher Dr. Simeone, Dr. Ellenberg und Dr. Mattern zu ihren Plänen befragt und die Interviews im Film „Forschung fürs Überleben“ (15 Min.) dokumentiert (siehe Vimeo).

 

W.K.

 

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