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Coquimbo, den 12. Februar 2015

 

 Humboldt-Pinguine wieder bedroht!

„Hotspot“ der Biodiversität auf Weltniveau ernsthaft gefährdet!

 

Verehrte Frau

Michelle Bachelet Jeria

Präsidentin der Republik Chile

Damen und Herren Minister und Amtsinhaber

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem zweiten offenen Brief wenden wir uns noch einmal an Sie, um dem ersten Schreiben neue Informationen hinzuzufügen, und um unserer tiefen Besorgnis noch einmal Ausdruck zu verleihen bezüglich der groβen Gefahr, der die Meeres- und Küstenregion ausgesetzt ist, in der sich 80% der Weltpopulation von Humboldt-Pinguinen befindet, und zu deren Schutz am 3. Januar 1990 das „Nationale Schutzgebiet des Humboldtpinguins“ und später die Meeresschutzzone “Inseln Choros und Damas” geschaffen wurde.

1. Am 30. Januar 2015 wurde in einer auβerordentlichen Sitzung der Kommission zur Überprüfung der Umweltverträglichkeit in der Region Coquimbo das Hafenprojekt Cruz Grande mit einer Gegenstimme genehmigt (1).

2. Diese Genehmigung fand ohne Berücksichtigug der vorhersehbaren Auswirkungen auf die Meeresumwelt statt, was absolut nicht nachvollziehbar ist, da es sich um den  “Bau und Betrieb eines Hafens zur Massengut-Lagerung und -Verschiffung von Erzen in Pellet-Form” handelt (2).

3. Der Küstenabschnitt zwischen Caleta Hornos und Isla Chañaral wurde nicht als ein gemeinsames Ökosystem begriffen. So wurden die nur 14 Seemeilen entfernten staatlichen Schutzzonen nicht in den Einflussbereich des Projekts einbezogen, obwohl dies, die vom Staat mit den Schutzgebieten beauftragte Behörde CONAF von Anfang an gefordert hatte. Sowohl die ozeanographischen (Strömungen, Wirbelstärke und ständiger Auftrieb) wie auch die topographischen Eigenschaften (Bathymetrie, Inseln und Eilande) machen dieses Ökosystem einzigartig in Chile und ermöglichen eine derart reichhaltige Artenvielfalt, dass diese Region wegen ihrer globen Bedeutung zur Bewahrung der Biodiversität vom Staat selbst als schutzwürdig zu priorisieren empfohlen wurde.

4. Ebenso werden mehr als 15 staatlich geschützte Gebiete zum Abbau von Meeresfrüchten gefährdet, in denen Locos  (Concholepas concholepas) geerntet werden; es besteht die Gefahr der Meeresverschmutzung, und das Projekt beinhaltet Einschränkungen für die Fischer.

5. Die Vorstellung des Themas durch den SEA (Servicio de Evaluación Ambiental – Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit) in besagter Sitzung war  sehr oberflächlich und allgemein. So wurden nicht alle möglichen Auswirkungen des Projekts erwähnt, die Eingaben der Bürger wurden sehr schnell überflogen und Bedingungen von SERNAPESCA (Fischereiministerium) und SUBPESCA (regionale Fischereibehörde), die diese Institutionen gesetzeskonform  stellten, wurden nicht mit einbezogen.     .

6. Es überrascht die Schnelligkeit, mit der positive Bescheid über die  Umweltverträglichkeit des Projekts von der Vorsitzenden der Regionalregierung, Frau Hanne Utreras, und der regionalen Direktorin des SEA, Frau Claudia Martínez, noch am 30. Januar, dem Tag der Sitzung, unterschrieben wurde.

7. Als wir, um an der  Sitzung teilzunehmen, zu der Öffentlichkeit zugelassen war, bei der Regionalverwaltung ankamen, befand sich vor und innerhalb des Gebäudes eine beträchtliche Anzahl von Polizisten, in Uniform und in Zivil. Wer die Sitzung beobachten wollte, musste während der Zeit seinen Personalausweis abgeben. Dies alles ist sehr befremdlich, da es doch heiβt, dass diese Regierung die Beteiligung der Bürger wünscht und fördert.

8. Die Krönung war, dass der Regionalsekretär für Landwirtschaft fünf Tage nach der Genehmigung des Hafenprojekts Cruz Grande “abdankte”. Er war der einzige, der in Übereinstimmung mit der Analyse seines Teams hinsichtlich des kompletten Projekts gehandelt hatte und entsprechend die einzige Gegenstimme abgegeben hatte. Kann es Zufall sein, dass gerade jetzt persönliche Probleme sein Verbleiben im Amt unmöglich machen, nachdem er gegen ein mangelhaftes Projekt mit nicht wieder gutzumachenden Auswirkungen auf die Biodiversitát der Küste und des Meeres stimmte?

 Wir verstehen es als unsere Bürgerpflicht, diese Tatsachen zur Kenntnis zu bringen, die vor dem in unserem Schreiben vom 27. Januar dargelegten Hintergrund ein höchst besorgniserregendes Bild abgeben. Wir bestehen dringend auf einer genauen Überprüfung, um nichtwiedergutzumachende Schäden zu vermeiden!

Die Biodiversität ist die Grundlage der Ökosysteme und des Wohlergehens der Menschheit!

 Gabriele Knauf

Vorsitzende

Sphenisco

 (1) Die Gegenstimme eines Staatsorgans ist eigentlich ausreichend, damit ein Projekt die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht oder zumindest nur mit Auflagen besteht.

 (2) Das Hafenprojekt Cruz Grande sieht eine jährliche Verschiffung von 13.500.000 t  Eisen auf  75 Frachtern vor, und im benachbarten Tagebauprojekt Dominga, das ebenfalls den Bau eines Hafens beinhaltet, sind 56 weitere Schiffe vorgesehen. Dies ist der Anfang eines “angekündigten Todes”.

 

   
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