Kampagnen gegen die Umweltzerstörung

Zwischen Repression und Reform

- Bürgerproteste bewegen Chile -

Landau, La Serena 5. November 2019. 

RepressionAlle sind überrascht, die Regierung, die Parteien, die außerparlamentarische Opposition und wahrscheinlich sogar die meisten Chilenen selbst. Seit Mitte Oktober demonstrieren sie in Massen und fordern umfassende Reformen. Die Volksbewegung wird (bis jetzt) nicht durch Anführer und bestimmte Organisationen repräsentiert. Während viele Proteste friedlich verliefen, kommt es bei anderen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und gewaltbereiten Demonstranten. Wie früher schon bei Erdbeben und Tsunami nutzen Kriminelle zudem die Proteste zu Plünderungen.

Eigentlich wollte Sphenisco hier ausführlich über die Tagung „Áreas Marinas Costeras Protegidas a dos años del IMPAC IV“ (Meeresschutzzone 2 Jahre nach dem Weltkongress für Meeresschutzzonen - Impac IV) in La Serena berichten. Nancy Duman und ihre Mitarbeiterinnen Paola Vargas und Valeria Portus haben das Seminar monatelang vorbereitet und am 3. Oktober erfolgreich durchgeführt. Vor rund 150 Teilnehmern referierten und diskutierten Philipp Robert (französischer Spezialist des IUCN für Meeresschutzzonen), chilenische Wissenschaftler und Umweltschützer die Entwicklung rund um das „Archipel Humboldt“. Eindrucksvoll wurde die Bedeutung einer Meeresschutzzone in dieser wertvollen Küsten- und Meeresregion (erneut) herausgearbeitet und Perspektiven einer nachhaltigen Nutzung aufgezeigt. Die Tagung wurde als Livestream übertragen. Auf der Plaza de Armas fand gleichzeitig eine Ausstellung statt. Sphenisco hatte lokale Initiativen eingeladen, über ihre Anliegen zu informieren und ihre Produkte anzubieten. Nach der Tagung war das kleine Team um Nancy Duman ziemlich erschöpft und damit beschäftigt, die Strahlkraft der Veranstaltung politisch und öffentlichkeitswirksam zu nutzen.

Diktatur der COVID-Pandemie

Landau 25. April 2020.

COVID-19 ändert alles. Auch wenn die zoologischen Gärten in Neuwied und Landau seit dieser Woche wieder geöffnet sind, können die geplanten Veranstaltungen zum Welt-Pinguin-Tag (rund um den 25. April) dort nicht stattfinden. Abgesagt sind und bleiben auch die geplanten Veranstaltungen in Belgien (ZOO Planckendael Mechelen), in Schottland (Blair Drummond Safari and Adventure Park, Nähe Stirling) im Tierpark Bochum, Zoo Frankfurt sowie in Lübbenau (Spreewelten).

Chile                                                                                                                                                              

Die chilenische Regierung hat den Ausnahmezustand erklärt und dem Militär die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit übertragen. Schulen und Universitäten sind geschlossen, die Winterferien wurden vorgezogen und viele Lehrer geben momentan Online-Unterricht. Das führt auch zu Kritik, weil viele Kinder zuhause kein Internet oder keinen Computer haben. In sieben Stadtvierteln von Santiago gibt es aktuell eine vollständige Ausgangssperre. Die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie werden als unzureichend, zögerlich und nicht sozial kritisiert. Deshalb setzen sich auf lokaler Ebene Bürgermeister und Bürger für bessere gesundheitliche Prävention ein. In ländlichen Regionen haben sie sogar Straßenkontrollen organisiert, um An- und Durchreisen vor allem von Hauptstadtbewohnern zu verhindern. Die Bürger fordern eine nationale Quarantäne, kostenlose Tests und ein Verbot von Entlassungen.                            

Unter diesen Bedingungen können die Planungen für ein Projekt zur Umwelt-Bildung an den Schulen der Kommune La Higuera (Nähe Meereszone „Archipel Humboldt“, Hauptbrutgebiete) nicht fortgesetzt und der für den 25. April geplante Pinguin-Marsch in La Serena, Nordchile nicht durchgeführt werden. Mit Nancy Duman, unserer Mitarbeiterin in Chile steht der Vorstand via Skype in Verbindung, um die Situation zu besprechen und sich gemeinsam neu zu orientieren. Aktuell überlegen wir, ob und ggf. wie SPHENISCO, die Selbsthilfe der Bevölkerung unterstützen und mit den Anliegen des Natur- und Umweltschutzes verbinden kann.

Peru                                                                                                                                                            

Die peruanische Regierung hat am 16. März den Ausnahmezustand ausgerufen. Seitdem besteht für alle Quarantäne. Die Wohnungen dürfen nur noch aus besonderen Gründen verlassen werden, etwa um Lebensmittel einzukaufen, zur Bank oder Apotheke zu gehen oder sich in ärztliche Behandlung zu begeben. In der Öffentlichkeit besteht die Pflicht, eine Mund-Nase-Maske zu tragen. Außerdem werden Gesundheitsprüfungen mit Temperaturmessungen und aktuell täglich rund 10.000 Tests durchgeführt. In dieser Situation ist es Acorema, unserem Partner in Peru nicht möglich, das Umweltbildungsprogramm “Verstärkung der Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzstatus des Humboldt-Pinguins in der Region Ica“ (Dez.  2019 – Nov. 2021) weiter durchzuführen. Das gilt auch für die geplanten Demonstrationen zum Welt-Pinguin-Tag im Kontext lokaler Feier- und Gedenktage (in Pisco-Paracas, Marcona, Chincha, San Fernando, alle Südperu). Wenn die Quarantäne aufgehoben ist, wird Acorema die ausgefallenen Bildungsmaßnahmen und Veranstaltungen nachholen und die Projektzeit entsprechend verlängern.

Neue Projekte

Dank zahlreicher Spenden und Zusagen auf mehrjährige Förderung schien es möglich, die  Artenschutzarbeit von SPHENISCO zu erweitern. Deshalb hat der Vorstand seit Dezember Optionen für neue, zusätzliche Projekte geprüft. Im Gespräch waren

  1. die Erarbeitung eines wissenschaftlich begründeten Managementplan bzw. eines Konzeptes für die Meeresschutzzone „Archipel Humboldt“ (Hauptbrutgebiet der Humboldt-Pinguine).
  2. die Verhinderung des Beifangs von Humboldt-Pinguinen durch Warngeräte (in Kooperation mit Prof. Boris Culik, Kiel, http://www.fh3.de ).
  3. die systematische Erhebung der Bestandszahlen in den 5 wichtigsten chilenischen Brutgebieten (in Kooperation mit Prof. A. Simeone, Universidad Andrés Bello, Santiago, Chile, Prof. G. Luna, Universidad Católica del Norte, Coquimbo). Die Forschung sollte ergänzt werden durch telemetrische Untersuchungen zum Nahrungssuchverhalten (in Kooperation mit dem Meeresbiologen Dr. T. Mattern, NZ Penguin Initiative, University of Otago, Dunedin, Neuseeland)
  4. die schon erwähnte Umwelt-Bildung an den Schulen der Kommune La Higuera (Nähe Meereszone „Archipel Humboldt“, Hauptbrutgebiete).

Die COVID-Pandemie hat die Planungen gestoppt, da ungewiss ist, ob die angedachten Projekte überhaupt und ggf. wann sie wieder durchführbar sind. Unklar ist auch, ob die in Aussicht gestellten Förderungen unter den Bedingungen der Krise realisiert werden können. Der Vorstand will die weitere Entwicklung abwarten. Die vorhandenen Mittel sollen zur langfristigen Sicherung der laufenden Projekte in Chile (Interessenvertretung zum Schutz der Hauptbrutgebiete) und Peru (Umweltbildung) eingesetzt werden.

Mutmach-Botschaften

Die COVID-Pandemie zerstört nicht nur, sie beflügelt auch Kreativität. So hat Nicole Bertram die  „pingutastische“ Aktion „Mutmach-Botschaften“ initiiert. Überall auf der Welt müssen Kinder und viele Erwachsene wegen Covid-19 gerade zu Hause bleiben. SPHENISCO bittet alle Pinguin-Freunde sich gegenseitig aufmunternde Pinguin-Grüße zu schicken. Um zu sagen: "Uns geht es wie euch und euch wie uns; zusammen lassen wir uns nicht unterkriegen!"  https://padlet.com/nicolebertram/4jyu8qi0o5wf Die Seite „Sphenisco Hope Pingus“ zeigt die Grüße: gemalten Bilder, Fotos, Texte, kleine Audios und Movies rund um den Pinguin. Ein Highlight auf dem Padlet der Song „Make our planet great again“ von den Landauer Musikern Heiner Pfaff, Klaus Lenz und Jochem Paul. Vielen Dank für das tolle Lied und die Unterstützung!

Der Ausnahmezustand zeigt erneut, dass wir Menschen Teil der Natur sind. Zerstören wir Lebensräume, zerstören wir uns selbst. In der Krise sehen wir, dass die Natur zurückkehrt, wenn der Mensch weicht. Die Kanäle in Venedig sind plötzlich wieder glasklar, Delfine tummeln sich wieder in italienischen Häfen, weil dort keine Schiffe mehr fahren. Unsere Mitwelt atmet auf, weil wir Menschen in einer tiefen Krise stecken.

„Wir holzen die Bäume ab, wir töten Tiere oder sperren sie in Käfige und verkaufen sie auf Märkten. Wir zerstören Ökosysteme und wir schütteln die Viren von ihren natürlichen Wirten ab. Wenn das geschieht, brauchen sie einen neuen Wirt. Oft sind wir es.“ (David Quammen)                 

Der WWF weist daraufhin, dass überall auf der Welt jetzt Finanzpakete geschnürt werden. Er fordert auf, sich dafür einsetzen, dass in lebenswerte Zukunft investiert wird: Eine emissionsfreie Gesellschaft, die im Einklang mit den Ressourcen der Erde lebt, ist keine Utopie. Sie ist das einzige Szenario, das ein lebenswertes Leben für nachfolgende Generationen sichert. Kinder und Jugendliche erinnern uns regelmäßig an diese Verantwortung.

Distanz ist die neue Nähe! Respekt für und Rücksicht auf andere Menschen, Respekt für und Rücksicht auf Fauna und Flora.

Passen Sie gut auf sich, Ihre Familien, Ihre Nachbarn und Ihre Freunde auf!                                

Passen Sie gut auf Pinguine und andere Lebewesen auf!                                                           

Bleiben Sie gesund!

W.K.

Humboldt-Pinguin juvenil Mundschutz Screenshot 2020

Situation des Archipiélago de Humboldt

Landau 24. Juni 2020.

Seit seiner Gründung 2008 unterstützt SPHENISCO den Schutz des „Archipiélago de Humboldt“ in der Nähe von La Serena, Nordchile. Gemeinsam mit chilenischen Natur- und Artenschützern - den Bürgerinitiativen MODEMA und Defensa Ambiental IV Región, dem großen Bündnis Alianza Humboldt sowie der NGO Oceana – organisiert und gestaltet der Verein seither Informationen und Aktionen in der Region Coquimbo / La Serena.

In der Video-Dokumentation „Situation des Archipiélago de Humboldt“ https://vimeo.com/431790003 gibt Nancy Duman, Mitarbeiterin von SPHENISCO im Gespräch mit Gabriele und Werner Knauf (Vorsitzende und Geschäftsführer des Pinguin-Vereins) einen Überblick über die Artenschutzarbeit des vergangenen Jahres. Nancy Duman beginnt mit der internationalen Tagung „Áreas marinas costeras protegidas“ am 3. Oktober in La Serena und bilanziert dann die Aktionen in der Zeit der Bürgerproteste – ab Oktober 2019 - und seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im März 2020. Nancy Duman schildert wie innerhalb weniger Monate wegen der historischen Krisen die Formen der Natur- und Artenschutzarbeit an völlig veränderte Verhältnisse angepasst wurden (s.a. News).

Der Beitrag ist Teil der Berichterstattung bzw. der Vorbereitung der Mitgliederversammlung von SPHENISCO am 27. Juni 2020, die als Videokonferenz gestaltet wird.

Situation Archipel Situation Archipel Situation Archipel

Quarantäne stoppt Familien-Gärtchen

- Selbsthilfe-Projekt überzeugt und begeistert -

Landau 1. August 2020.

Auf Initiative der Bürgermeister stehen seit Donnerstag (30. Juli) Coquimbo und La Serena zusätzlich zur nächtlichen Ausgangssperre unter präventiver Quarantäne. D.h. die Bürger dürfen ihre Wohnungen nur zu bestimmten Zwecken (Arbeit, Einkauf oder Arztbesuch) verlassen. Die Ausbreitung der Pandemie in Chile (18,3 Millionen Einwohner) ist dramatisch: Anzahl der bestätigten Infektionen 355.667. Deutschland ( 82,91 Millionen Einwohner), bestätigte Infektionen 210.399, Neuinfektionen in Chile pro Tag 2.131 (Deutschland 864), Todesfälle in Chile insgesamt 9.457 (Deutschland 9.147) (Stand 1. Aug.). Die Quarantäne legt nicht nur das soziale Leben weitgehend lahm, sondern stoppt (zunächst) auch die sehr erfolgreiche Aktion „Huertas familiares“, von uns „kleine Gärtchen“ genannt. Seit Ende April brachte die Alianza Humboldt (Bündnis zum Schutz der Umwelt, SPHENISCO ist Teil des Bündnisses) Lebensmittel sowie interessierten Bürgern Salat- und Gemüsepflanzen in die (Küsten-)Dörfer der Kommune La Higuera [1]. Lokale Autoritäten unterstützten die Aktion und halfen sie zu organisieren. In kurzer Zeit waren die „Huertas familiares“ Gespächsthema Nummer 1 und setzten ungeahnte Energien frei: Die Helfer der Alianza wurde in den Dörfern erwartet, die „neuen“ Gärtner bedankten sich mit Bildern ihrer wachsenden Pflanzen, begannen sich gegenseitig beim Anbau zu beraten und zu unterstützen, Fischreste wurden kompostiert, eigenständig wurden frühere gärtnerische Initiativen wiederbelebt. Die Alianza gewann sogar neue Mitglieder in den Dörfern.

Zahlreiche Medien, die sonst Aktivitäten der Allianza eher totschweigen, berichteten über das Projekt nachhaltiger Selbsthilfe (s. https://www.youtube.com/watch?v=YZOwn0JbEE4)

Dynamik und Verlauf machen auch deutlich, dass „Huertas familiares“ nicht nur als caritative und solidarische Aktion gesehen werden kann, sondern Umweltbildung im besten Sinne ist. Der Vorstand von SPHENISCO stuft deshalb zwar nicht die Lebensmittel-Spenden aber die „kleinen Gärtchen“ als förderungswürdig nach der Satzung des Vereins ein.

W. K.

 

Anm.

[1] Caleta Los Hornos, Chungungo, Totoralillo Norte, La Higuera, Punta Colorada, Los Choros, Punta de Choros, El Llano de Los Choros, Chañaral de Aceituno

 

Quarantäne stoppt Familiengärtchen Quarantäne stoppt Familiengärtchen Quarantäne stoppt Familiengärtchen Quarantäne stoppt Familiengärtchen

Chile - Protest im Lockdown

- Defensa Ambiental und Alianza Humboldt sehr aktiv -

Landau 23. Oktober 2020.

Zahlen und Maßnahmen sprechen eine deutliche Sprache. Die Anzahl der bekannt gewordenen Infektionen ist in Peru 6,4 und in Chile 6,5 mal höher als in Deutschland. Die Zahl der im Kontext der Pandemie Verstorbenen liegt in Peru 9,2 und in Chile 6,4 mal höher als in der Bundesrepublik (Stand 16.10.20). In beiden Länder bestehen zur Zeit nächtliche Ausgangssperren, in einzelnen Provinzen und Ortschaften präventive Quarantäne. Das bedeutet, die Wohnung darf nur in Notfällen, zum Besuch des Arztes und zum Einkaufen von einer Person pro Haushalt mit Genehmigung verlassen werden. In der Öffentlichkeit besteht weitgehend Maskenpflicht.

Unter diesen Bedingungen konnte Acorema, der Partner von SPHENISCO in Peru, seine Bildungsarbeit in den Provinzen Ica und Nasca leider nicht fortsetzen. Es blieb nur eine sehr eingeschränkte Kommunikation in den sozialen Medien. Wie und wann es weitergehen kann, ist zur Zeit leider völlig offen.

In Chile haben Defensa Ambiental IV. Region und Alianza Humboldt (SPHENISCO ist Teil dieses Bündnisses) ein kleines Wunder vollbracht. 3 Tage vor Beginn der präventiven Quarantäne in der Region Coquimbo / La Serena, Ende Juli, protestierte die Umweltschützer noch einmal in der Öffentlickeit gegen das Bergbau- und Hafenprojekt Dominga (s.a. Sphenisco kurz Juli). Danach organisierten sie den Widerstand gegen das Megaprojekt im virtuellen Raum.

Im Juli startete Alianza Humboldt die Hilfsaktion „kleine Gärtchen“. Interessierten Bürgern der Küstendörfer in der Kommune La Higuera wurden u.a. Salat- und Gemüsepflanzen angeboten, damit sie kleine Gärten anlegen können. Durch die präventive Quarantäne in Coquimbo / La Serena musste die Auslieferung der Pflanzen vorübergehend unterbrochen werden. Inzwischen kann Nancy Duman und ihre Mitstreiter aber wieder Pflanzen ausliefern, da sie eine Ausgangsgenehmingung erhalten hat. So war es möglich, erneut Pflanzen nach Pt. de Choros, Caletta Los Hornos, La Higuera, Carrizalillo und andere Orte zu liefern. Die Aktion hat nicht nur in den chilenischen Medien viel Aufmerksamkeit erregt, sie ist auch in den Küstendörfern in aller Munde. Die Bewohner schicken Fotos ihrer Pflanzen, berichten über Fortschritte, tauschen Erfahrungen aus und sagen immer wieder, wie wichtig ihnen diese Art der Unterstützung ist. Mit der Aktion konnte die Alianza sogar neue Miglieder gewinnen.

Anfang August wurde mit Bewohnern aller Küstendörfer das Thema „Wie wir die Zukunft erträumen“ in Videokonferenzen diskutiert. Ende August erschienen kurze Videos mit Statements von Bürgern der Gemeinde La Higuera, in denen sie gegen Dominga Stellung beziehen.

Mittels Livestream wurden 4 mehrstündige Seminare mit teilweise recht prominenten Referenten durchgeführt. Die Themen waren am 22. August „Archipel Humboldt – Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung in Chile“, am 12. September „Meer und Land“, am 3. Oktober „Umwelt und neue Verfassung“ und am 17. Oktober „Verfassung und ursprüngliche Bewohner“.

(zu „Gärtchen“, „Statements“ und „Seminaren“ s.a. www. Alianza Humboldt youtube sowie www.facebook Defensa Ambiental IV Region „Videos“)

Eine Gruppe von Fischern aus La Higuera dokumentierten ihren Widerstand gegen die Zerstörung des Archipels Humboldt mit dem Bild eines Wals am Strand. Das Bild hatten sie aus Muscheln geformt und mit einer Drohne gefilmt. Sehr kreativ und wunderschön!

vimeo.com/444623992

Die Gruppe Victor Jara aus Los Choros und Pt. de Choros tanzte in der Wüste gegen Dominga. Eine weitere kreative Aktion, die man unbedingt sehen sollte.  

https://www.facebook.com/447943365596681/videos/812478609558502/

Defensa Ambiental IV. Region und Alianza Humboldt ist es gelungen, im Lockdown lebendige und kreative Proteste zu initieren und zu organisieren. SPHENISCO dankt allen, die sich eingesetzt haben und einsetzen, vor allem aber Nancy Duman für ihr unermütliches Engagement.

W.K.

Lockdown Lockdown Lockdown
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Warten auf eine Entscheidung

Landau 25. April 2021.

Man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll. Die neue Entscheidung des Umweltgerichts Antofagasta vom 16. April 2021 in Sachen Bergbau- und Hafenprojekt „Dominga“ erinnert an absurdes Theater. Wir erinnern uns. 2017 hat die Regional-Regierung Coquimbo und das Komitee der Minister (1) das Projekt „Dominga“ abgelehnt. Gegen die Entscheidungen hat die Firma Andes Iron beim Umweltgericht Antofagasta geklagt und Recht bekommen. Umweltschützer fochten dieses Urteil Ende Februar, Anfang März 2019 vor dem obersten Gerichtshof in Santiago erfolgreich an. In seiner Begründung stellt der oberste Gerichtshof damals fest, dass die meisten Argumente der Kritiker des Projektes stichhaltig seien. Das Gericht verwies das Verfahren an den Umweltgerichtshof in Antofagasta zurück und forderte diesen auf, sich mit den tatsächlichen Bedingungen des Projektes und den fachlichen Gegenargumenten auseinanderzusetzen. Im März 2020 wurde der Streitfall also nochmals in Antofagasta verhandelt und entschieden. Veröffentlicht hat das Gericht sein Urteil aber erst jetzt am 16. April 2021. Ein ganzes Jahr später!!?? Erneut entschied das Gericht zu Gunsten von Andes Iron und ordnete eine neue Abstimmung in der regionalen Umweltbewertungs-Kommission von Coquimbo an. In einer Erklärung kritisiert Alianza Humboldt (2), der auch SPHENISCO angehört, die Entscheidung und beleuchtet die Perspektiven des Rechtsstreits.

Erklärung vom 21. April 2021

La Serena 21. April 2021. Die ALIANZA HUMBOLDT Coquimbo-Atacama wird das Humboldt-Archipel weiter gegen Bedrohungen durch Megaprojekte verteidigen.

Die Alianza Humboldt der Region Atacama und Coquimbo appelliert eindringlich an alle Bürger der Zivilgesellschaft, Einzelpersonen, Organisationen und Institutionen sich ihr anzuschließen, um das Humboldt-Archipel und sein Umland gegen die Gefahren zu verteidigen, die von solchen Projekten ausgehen.

Am Freitag, 16. April gab das Umweltgericht Antofagasta der Klage der Firma Andes Iron in der Sache Bergbau- und Hafenprojekt „Dominga“ statt. Das Gericht ordnete in seiner Entscheidung eine neue Abstimmung in der Umweltbewertungs-Kommission von Coquimbo an. Dabei räumte das Gericht gleichzeitig ein, dass das geplante Projekt schwerwiegende Probleme aufweist und die Darlegungen unzureichend sind. Diese Mängel – so das Gericht - könnten aber vom Komitee der Minister gelöst werden. Mit diesem Vorschlag überschreitet das Gericht seine Kompetenzen. Es ist nicht befugt, dem Komitee der Minister vorzuschlagen, die Mängel des Projektes „Dominga“ in Ordnung zu bringen. Seine Aufgabe ist es, die Beachtung der Umweltgesetze durchzusetzen und sicherzustellen, dass Projekte korrekt bewertet und Evaluationen nicht durch private Interessen beeinflusst werden.

Das Urteil vom 16. April erinnert einmal mehr daran, dass juristische und institutionelle Maßnahmen unzureichend sind, vor allem dann, wenn es sich um einen Vorgang handelt, in den Präsident Piñera selbst involviert ist. 2010 lehnte er das Barrancones-Projekt ab (Bau von Kohlekraftwerken) und versprach,das Humboldtarchipel, ein Naturschutzgebiet von weltweiter Bedeutung, zu schützen. Bald danach wurde bekannt, dass er bis Dezember desselben Jahres Mehrheitsgesellschafter der Firma Andes Iron war, die das Projekt Dominga betreibt. Besitzer des Unternehmens war Carlos Délano, ein Jugendfreund  Sebastián Piñeras, er wurde wegen illegaler Parteienfinanzierung zu 99 Stunden Ethikunterricht verurteilt. Es ist uns klar, dass wir im Kontext der aktuellen tiefen Krise, im Kontext von Korruption und Manipulation allein mit institutionellen Mitteln Recht nicht gegen Interessen durchsetzen können, die die Ausbeutung natürlicher Ressourcen befürworten.

Deshalb ist es notwendig, die Umweltbewegung zu mobilisieren und ihre Netzwerke zu stärken, um

  1. das wirkliche Ausmaß der sozialen und ökologischen Schäden sichtbar zu machen, die mit der Realisierung des Megaprojektes "Dominga" verbunden wären,
  2. die Mängel und die großen Fehler zu verstehen, die im Prozess der Umweltprüfung gemacht wurden, und
  3. den Schutz der Umwelt in der Verfassung sicherzustellen.

Es ist besorgniserregend, dass das Umweltgericht von Antofagasta, seine zentrale Aufgabe, nämlich dem Schutz des Naturerbes, vernachlässigt und mit seinem Urteil Partikularinteressen über das kollektive Interesse stellt. Das Gericht beschädigt damit die Institutionen und sogar das Rechtssystem in dieser Angelegenheit, wenn es die SEIA (Sistema de Evaluación de Impacto Ambiental), also das System der Umweltverträglichkeitsprüfung, seiner Aufgabe beraubt. All dies geschieht im Kontext der Klimakrise und der durch die Pandemie ausgelösten Gesundheitskrise. All dies geschieht, ohne die unzähligen Aufrufe der Wissenschaft und verschiedener internationaler Organisationen zu berücksichtigen, dem Schutz und der Pflege der verbliebenen Ökosysteme Vorrang einzuräumen gegenüber einer Wirtschaft, die auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgerichtet ist und so viel Schaden für die Gemeinden, das Gebiet und die lokale Wirtschaft im Allgemeinen erzeugt. Das gilt ganz besonders in diesem Fall für ein auf der Welt EINZIGARTIGES ÖKOSYSTEM.

Über das Urteil

Das Urteil bedeutet nicht, dass das Projekt genehmigt wurde. Umweltgerichte haben weder die Befugnis noch die Kompetenz, ein Projekt unter Umweltgesichtspunkten zu genehmigen oder abzulehnen. Das ist ausschließlich Aufgabe anderer für die Umwelt zuständiger Institutionen, wie z. B. der regionalen Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung.

Das Gericht hat die Beschwerde der Firma Andes Iron bezüglich des Megaprojekts „Dominga“ akzeptiert und jetzt angeordnet, dass das Verfahren zur erneuten Abstimmung an die Regionalkommission zurückverwiesen wird. Dadurch eröffnet das Gericht die Möglichkeit, die Umwelt dieser Region irreversibel zu schädigen und eine neue „Opferzone“ zu schaffen.

Im völligen Widerspruch zu dieser Entscheidung, erkennt das Gericht in seinem Urteil an, dass das Projekt mit Mängeln behaftet ist, Informationsdefizite hat und zieht daraus den Schluß, die Umweltbehörde hätte stärker auf Verbesserungen des Projektes drängen müssen, um eine Ablehnung zu vermeiden. So erkennt das Gericht zum Beispiel an, dass die vom Unternehmen vorgelegte Kompensationsmaßnahme bezüglich des Humboldt-Pinguins nicht angemessen ist und sieht bei der Umweltprüfung Schwächen im Vorgehen hinsichtlich der Beeinträchtigung des Humboldt-Pinguins auf der Insel Totoralillo Norte. Trotz des offensichtlichen Mangels an Informationen und der problematischen Kompensationsmaßnahmen wird aber angeordnet, erneut über das Projekt abzustimmen.

Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft

In dem Gebiet des Humboldt-Archipels liegen die produktivsten Áreas de Manejo y Explotación de Recursos Bentónicos (AMERB) der gesamten nördlichen Zentralzone (unter Schutz stehende und von heimischen Fischern nachhaltig beerntete Zonen). Als diese wirtschaftliche Aktivität in den neunziger Jahren begann, wurden etwa 90 Tausend Einheiten geerntet, heute, mit einem nachhaltigen Management der Gebiete, sind es 800 Tausend Einheiten.

Sollte das Megaprojekt verwirklicht werden, hätte dies schwerwiegende Folgen für die lokale Wirtschaft, für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten wie die heimische Fischerei, die Produktion von Oliven und Olivenöl, Familiengärten, Viehzucht und Tourismus. Dabei ist festzuhalten, dass der Tourismus in den letzten Jahrzehnten die stärkste Dynamik entwickelt hat und zu einem wichtigen Motor der Wirtschaft geworden ist.

Es ist ein ganz schlechtes Zeichen, wenn ein auf Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgerichtetes Projekt weiterverfolgt wird, während Chile sich im Prozess zu einer neuen Verfassung befindet. Einer Verfassung, die das Ziel hat, den Übergang zu einer Gesellschaft mit  einer Wirtschaft zu gewährleisten, die das Wohl der Menschen, den Schutz der Umwelt und nicht den wirtschaftlichen Nutzen in den Mittelpunkt stellt. Anscheinend wollen die Verantwortlichen im Interesse großer Konzerne alles schnell noch sichern, bevor sich die Verfassung und die Vision des Landes ändert.

Als Alianza bekräftigen wir unsere Zusage, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und alle institutionellen Wege zu nutzen, national und international, um den Schutz des Humboldt-Archipels ohne Megaprojekte zu erreichen und so dieses Weltnaturerbe langfristig zu schützen.

Aus all diesen Gründen und in Anbetracht der Tatsache, dass Druck und Manipulation zugunsten des Projektes „Dominga“ extrem stark sind, wiederholen wir den Appell, sich der Alianza Humboldt anzuschließen, um eine starke nationale Bewegung zur Verteidigung dieses Naturschutzgebietes zu schaffen.

Die Alianza Humboldt war hellwach, reagierte unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie sofort und ging in den Tagen nach dem Urteil in die Offensive. Die „Erklärung vom 21. April“ wurde bei Presseterminen in La Serena und Coquimbo sowie in sozialen Medien veröffentlicht. In Pt. de Choros und Choros wurde ein Autokorso organisiert. Als Sprecherin der Alianza und als unabhängige Kandidatin für die verfassungsgebende Versammlung führte Nancy Duman täglich mehrere Gespräche und Interviews mit Meinungsführern im Internet. Mitglieder wie Oceana, Fima oder die Fischer von La Higuera äußerten sich ebenfalls kritisch in den sozialen Medien und veröffentlichten eigene Erklärungen. Auch die Ärztekammer La Serena und das Nationale Beratungsgremium der Changos (indigene Gruppe) ging an die Öffentlichkeit. Mehrere Internetzeitungen griffen die kritischen Stellungnahmen auf. Die örtliche Presse, der El Dia berichtet – wie gewohnt – einseitig nur die Sicht der Firma Andes Iron und der Befürworter des Projektes „Dominga“.

Für den 3,. Mai plant die Alianza Humboldt eine Protestrallye von Chañaral über die (Küsten-) Dörfer Pt. de Choros, Los Choros, Caleta Hornos nach La Serena. Am 4. Mai wird das Bündnis, vertreten durch Oceana, beim Corte Suprema (obersten Gerichtshof) in Santiago die  Aufhebung des Gerichtsurteils beantragen.

W.K.

Anm.

(1) Minister für Bergbau, Gesundheit, Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft

(2) Der Alianza Humboldt gehören 20 „größere“ Organisationen u.a. Oceana, Greenpeace, Ocean Blue,  Sea Shepherd, Fundación Terram, Fima, Defensa Ambiental IV Region, Modema, Turismo Caleta Hornos und Sphenisco an, außer diesen 67 regionale und weitere 8 überregionale Organisationen der Zivilgesellschaft

 

Protest Protest Protest
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Weiterer Etappensieg und ein großes Fragezeichen

Landau 9. Februar 2020.

Am 7. Februar haben wir hier den Text „Weiterer Etappensieg!“ veröffentlicht: „Vor 5 Jahren am 30. Januar 2015 wurde des Hafenprojektes Cruz Grande der Firma CMP (Compania Minera del Pacífico S.A) genehmigt. Sphenisco machte damals gemeinsam mit chilenischen Umweltschützern Präsidentin Michelle Bachelet und zuständige Behörden auf die Gefahren für die sensible Meeresregion sowie schwerwiegende Mängel der Umweltverträglichkeitsprüfung aufmerksam. Ohne Erfolg.

Aus unbekannten Gründen hat die Firma CMP in den zurückliegenden Jahren nicht mit dem Bau des Hafens Cruz Grande begonnen. Die Genehmigung war auf 5 Jahre befristet und ist Endes des vergangenen Monats erloschen. Die NGO Oceano fordert deshalb vom Umweltministerium der Region Coquimbo eine amtliche Bestätigung, daß die Frist für das Bauvorhaben abgelaufen und die Genehmigung erloschen ist. Sphenisco freut sich mit den Bewohnern der Küstendörfer in der Gemeinde La Higuera und seinen Mitstreitern in Chile.“

Alle Fakten stimmen und doch hat die gute Nachricht, wie wir bei weiteren Recherchen erfahren haben, leider einen ganz entscheidenen Haken. Die Firma CMP (Compania Minera del Pacífico S.A) konnte oder wollte nicht mit dem Bau des Hafens beginnen. Sie will stattdessen mit der Pflanzung von Bäumen beginnen, einer Kompensationsmaßnahme, zu der die Firma bei der Genehmigung des Hafens verpflichtet wurde. Diese Pflanzung hat sie im Januar, also noch innerhalb der Frist, bei der CONAF (Corporación Nacional Forestal) in Coquimbo beantragt. Das Grundstück, das bepflanzt werden soll, ist allerdings für die geforderte Anzahl der Bäume zu klein. Die CONAF hat bis heute nicht über den Antrag entschieden. CMP vertritt nun die Auffassung, daß mit der Antragstellung der Bau des Hafens begonnen wurde und die Genehmigung deshalb nicht abgelaufen ist. Bei der aktuellen Ausrichtung der Regierungspolitik ist es leider nicht ausgeschlossen, daß CMP mit diesem „Kunstgriff“ bei der CONAF und beim Umweltministerium durchkommt. Oceana und die Umweltbewegung sehen das anders, prüfen juristische Schritte und wollen mit der Initiative beim Umweltministerium Klarheit schaffen.

Das (ungeklärte) Zögern von CMP hat die Aussichten zur Rettung des wertvollen Ökosystems verbessert, also schon ein Etappensieg. Um ihn zu sichern, sind allerdings weiter viel Arbeit und Engagement erforderlich.

W.K.

Etappensieg Etappensieg Etappensieg
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Etappensieg! Der oberste Gerichtshof lehnt das Projekt „Dominga“ ab.

 
Santiago, Landau, 27. September 2019.
 
Pinguine, Natur und Umweltschützer haben erneut gesiegt. Der oberste Gerichtshof in Santiago gibt der Klage der Umweltschützer gegen das Urteil des Umweltgerichtes in Antofagasta statt. Das Gericht hatte der Firma Andes Iron im Rechtsstreit mit der Regionalregierung Coquimbo und dem Komitee der Minister Recht gegeben, dass diese das Projekt „Dominga“ zu Unrecht nicht genehmigt hatten. In seiner Begründung stellt der oberste Gerichtshof fest, dass die meisten Argumente der Kritiker des Projektes stichhaltig seinen. Das Gericht verweist das Verfahren an den Umweltgerichtshof in Antofagasta zurück und fordert diesen auf, sich mit den tatsächlichen Bedingungen des Projektes und den fachlichen Gegenargumenten auseinanderzusetzen.
 
W.K.
 
Jubel Jubel Jubel
 
 
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© SPHENISCO

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