Gemeinsam für die Pinguine

– Forschen, um zu schützen -

Unna-Cuxhaven, 19.04.2012.

Am Freitag, 13.04.12, hielt Dr. Klemens Pütz, einziger Pinguinforscher Deutschlands, im Pinguin-Museum Cuxhaven einen Vortrag mit dem Titel: „Aktuelles aus der Pinguinforschung – die Ernährungsökologie von Pinguinen im Südwest-Atlantik“.

In herzlicher und entspannter Atmosphäre ging Dr. Pütz zunächst anhand des Jahreszyklus von Königspinguinen auf Tauchverhalten und Nahrungsgebiete der Tiere ein. Im weiteren Verlauf wies er auf, zumindest teilweise durch den Menschen verursachte, Bedrohungen für Pinguine und Albatrosse hin. Abgerundet wurde der sehr kurzweilige und informative Vortrag durch eine kurze Einführung in den Antarctic Research Trust, eine Organisation, für die Dr. Pütz als Stiftungsrat und wissenschaftlicher Direktor tätig ist.
Was für Ergebnisse und Schlüsse kann man als Hobby-Pinguinologe aus diesem Vortragsabend jetzt ziehen?
Zunächst einmal wurde deutlich: Der Pinguin ist intelligenter als manche glauben. Viele sehen in ihm immer noch den tollpatschigen Landwatschler, der uns Menschen angeblich doch so ähnlich ist. Aber in diesem Vogel steckt viel mehr. Anhand von Dr. Pütz’s Schilderungen wurde deutlich, wie komplex sein Leben eigentlich ist, und wie tief er mit seiner Umwelt verschmolzen ist. Er weiß ganz genau, zu welcher Tageszeit er wie tief und in welchem Winkel abtauchen muss, wie lange sein Tauchgang dauert, und was er fangen will.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist: Es gibt nicht „den Pinguin“, als solchen. Jeder Vogel für sich ist ein eigenes Individuum, wie bei uns Menschen auch. D.h. man kann grundsätzlich nicht sagen, Zügelpinguine wären aggressiv, oder Felsenpinguine streitsüchtig. Das ist viel zu pauschal. Es kommt immer auf das entsprechende Tier und die Situation an, in der man ihm begegnet.
Es wurde auch berichtet, dass nicht alle Pinguin-Bestände zurückgehen, so gehören z.B. die Königspinguine nicht zu den bedrohten Pinguinarten, die Bestände sind im Augenblick stabil und nehmen mancherorts sogar zu. Und auch bei den Felsenpinguinen, die z. B. auf den Falkland-Inseln zurückgegangen sind, gibt es Kolonien, im denen sich die Bestände sehr gut gehalten haben. Allerdings könnte man dort auch wenig tun, wenn wirklich mal eine richtige Katastrophe einträte. Denn in diesen abgeschiedenen Gegenden gibt es einfach nicht genug Leute, die im Notfall helfen könnten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist sicher auch die Tatsache, dass es durchaus Kreuzungen zwischen verschiedenen Pinguinarten gibt, und zwar sowohl in Zoos als auch vereinzelt in freier Wildbahn.
Komplex ist auch die Beziehung Mensch Pinguin. Bei Rettungsaktionen gegen eine Ölpest wie vor Jahren in Südafrika ist es natürlich immer hilfreich, wenn man mit entsprechenden Rettungsmaßnahmen vertraut ist und somit weiß, was in entscheidenden Situationen zu tun ist. Da Südafrika ein großes Land ist, gibt es natürlich auch immer viele helfende Hände, die im Notfall mit anpacken. Grundsätzlich aber muss festgestellt werden, dass man manche hausgemachten Probleme wird nicht ganz ausschalten können. Das Ölgeschäft boomt, alle rüsten auf. Die Fischerei will auch zu ihrem Recht kommen. Man kann nur durch weitere intensive Forschung und Gespräche mit den Fischern versuchen, einen Konsens zwischen den menschlichen Interessen einerseits und dem Naturschutz andererseits zu finden. Wenn uns das gelingt, haben wir eine realistische Chance, die Pinguine und ihren Lebensraum so gut wie möglich zu schützen. Man muss miteinander in Kontakt treten und bleiben. Und wird man manche negativen Ereignisse auch nicht aufhalten können, kann man zumindest alles tun, um den Schaden für Mensch und Natur so gering wie möglich zu halten. Dafür müssen wir alle eng zusammenrücken, und weiterhin Hand in Hand zusammenarbeiten.
Durch die Presse ging ja jetzt auch das Thema Tierhaltung in Zoos. Da kam auch bei an diesem Abend die Frage auf: Kann man Pinguine eigentlich noch guten Gewissens in Zoologischen Gärten halten?
Dr. Pütz meinte dazu: Wenn man ihnen die richtigen Bedingungen bietet und sie in gesundem Maße nachzüchtet, wäre dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. Da ist es ein guter Schritt, dass viele Zoos Mitglied bei Sphenisco sind. So findet ein regelmäßiger Gedankenaustausch statt, und so können die Haltungsregularien von Pinguinen in Tiergärten den Bedingungen von Pinguinen in freier Wildbahn immer wieder neu angepasst werden.
Kurz und bündig: Es war ein sehr guter und informativer Vortrag, den man auch mit einem visuellen Handicap von 100 %, also ohne die Erschließung von Bildern, sehr gut verfolgen konnte.
Wir danken den Gastgebern, Stefan und Birgit Berends, vom Pinguin-Museum, für die tolle Gastfreundschaft, und dafür, dass sie uns diesen Abend ermöglicht haben. Dr. Klemens Pütz danken wir, dass er sich die Zeit für uns genommen hat, und uns einen Einblick in die Welt der Pinguine des Südwest-Atlantiks gewährt hat.
Marc Fälker

 

   
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