Ein außergewöhnliches Wochenende

Unna, Landau, 2. Juli 2011.

MarcMarc, 33 Jahre, lebt in Unna. Er ist seit seiner Geburt blind, nimmt die Welt vor allem mit dem Gehör und Tastsinn wahr. Marc arbeitet in der Verwaltung einer Gemeinde, treibt Sport und korrespondiert perfekt dank Computer-Braille. Seit vielen Jahren ist er Pinguin-Fan, seit 2 Jahren unterstützt er Sphenisco als Mitglied. Ende Juni ist er nach Landau gefahren, hat Hilfe beim Umsteigen geordert und so zum ersten Mal ohne Begleitung eine Reise zu ihm völlig unbekannten Menschen gemacht. Über das Wochenende bei Sphenisco hat er einen Bericht verfasst.

Unna, 1. Juli 2011

Am letzten Juni-Wochenende, fanden auch in diesem Jahr, sowohl der Informationstag des Vereins Sphenisco, mit anschließender Jahreshauptversammlung, als auch der Pinguin-Aktionstag im Zoo Landau statt.
Meine jahrelange Verbundenheit zu den Pinguinen, hat mich dazu inspiriert, selbst aktiv etwas für den Artenschutz tun zu wollen. Deshalb bin ich, vor anderthalb/zwei Jahren, dem Verein "Sphenisco, Schutz des Humboldtpinguins e.V.", beigetreten.
Nun war es mir natürlich ein Anliegen, am Aktionswochenende im Zoo teilzunehmen, um mich persönlich, aus erster Hand, über die Aktivitäten unseres Vereins informieren zu können. Dank der super Initiative des Ehepaares Knauf, ließ sich mein Vorhaben, trotz einiger Schwierigkeiten im Vorfeld, dann auch wirklich realisieren.
Schon von Anfang an hatte ich, auf Grund der positiven freundschaftlichen Atmosphäre, das Gefühl, es hier mit ganz tollen, außergewöhnlichen Menschen zu tun zu haben.
Außerdem brachte das Wochenende für mich viel lehrreiches. Schon der Film: "Die Stunde der Pinguine", war für mich sehr interessant. Man erfährt dort sehr viel über das Verhalten der Humboldt-Pinguine. Außerdem ist der Film sehr nett erzählt.
MarcAuch der Bericht von Gabriele Knauf, zu den Aktivitäten, hinsichtlich der Vereitelung der 3 Kohlekraftwerke, war, vor allem emotional, sehr beeindruckend. Besonders herausheben muss man auch das unerschütterliche Engagement, gepaart mit eminentem Zeitaufwand, und ungeheuer akribischer Arbeit, die sowohl unser Team von Sphenisco, als auch die Initiative "Modema" vor Ort in Chile, geleistet haben. Trotz aller negativen Nachrichten, im Laufe der Verhandlungen, haben wir es geschafft, 3 große Konzerne in die Knie zu zwingen. Dafür zolle ich allen, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, meinen aller höchsten Respekt.
Dieser Fall hat auch gezeigt, dass man trotz niederschmetternster Nachrichten niemals aufgeben und, egal wie aussichtslos es scheint, immer weiter seine Ziele verfolgen sollte. Und wenn man einmal scheitern sollte, kann man zumindest noch in den Spiegel schauen und sagen: "Man hat es wenigstens versucht."
Ein weiterer Aspekt, der sich für mich durch die Berichte und unseren lebhaften Diskussionen ergeben hat, ist, dass es um viel mehr geht, als nur um die Humboldt-Pinguine. Klar! die Pinguine sind für mich der Aufhänger, aber es muss allgemein etwas für den Meeresschutz getan werden. Denn davon profitieren dann ja auch noch andere Meerestiere. Es werden sich immer mal wieder neue Baustellen auftun, die es gilt, durch aktives Miteinander wieder zu schließen. Unsere Arbeit wird so schnell nicht zu Ende sein. Deshalb möchte ich alles, was in meinen Möglichkeiten steckt, tun, um zu einem aktiven Artenschutz beizutragen.

Auch der Pinguin-Aktionstag hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist immer schön, über ein wichtiges Thema informieren zu können, Menschen für den Artenschutz zu sensibilisieren, und anhand des Humboldt-Pinguins Interesse und Begeisterung für ein sensibles Ökosystem zu wecken.

Wenn man sich so aktiv mit Pinguinen beschäftigt, wie unser Verein dies tut, kommt man, fast zwangsläufig, auch mit anderen „Pinguin-Forschern“ in Kontakt. Das finde ich ausgesprochen spannend und toll. Man versteht sich, man ist auf einer Wellenlänge, man verfolgt, jeder auf seinem Gebiet, im Grunde die gleichen Ziele, kann seine Erfahrungen austauschen, und lernt nebenbei noch außergewöhnliche Menschen kennen.
Denn nur wenn man offen für neue Kontakte und Anregungen ist, ist es einem gemeinsam möglich, große Ziele zu erreichen und seine Interessen zu verwirklichen. Man wird einfach besser gehört und wahrgenommen, wenn man in größerem Rahmen auf wichtige Probleme unseres Planeten aufmerksam macht.
Und so nebenbei lernt man noch ganz einfache Dinge für den eigenen Hausgebrauch. Lernt, seine Pinguine noch besser zu verstehen, und merkt auf einmal, wie man als einfacher Bürger, auch etwas zum Schutz unserer Pingu's beitragen kann.
Denn wer kennt schon den Fernruf des Humboldt-Pinguins. Wer weiß schon, dass man bei den Humboldten Männlein und Weiblein an den Rufen unterscheiden kann. Und wer denkt schon, dass man im  eigenen Haushalt etwas positiv verändern kann, indem man z. B. nur zertifizierten Fisch kauft, oder beim Kauf eines Pflanzendüngers, nicht zuerst auf den Preis schaut, sondern darauf, ob dort "Guano" drauf steht, oder nicht. Und wenn nicht, dann nicht zögern, sondern kaufen. Denn wenn man Glück hat, hat man dann gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. 1. belastet es den Geldbeutel nicht so und 2. ist es umweltfreundlicher. Die Humboldt-Pinguine in Chile und Peru werden es einem danken.

MarcKurz und bündig: Es war mir vergönnt, ein sehr lehrreiches, und fantastisches Wochenende in Landau mitzuerleben, was mich prägen wird.

Ich danke dem gesamten Team von Sphenisco für ihre Arbeit in den letzten 3 Jahren und an diesem Wochenende, freue mich, dass ich bei euch mitmachen darf, und wünsche uns allen weiterhin viel Erfolg bei der Verwirklichung unserer Ziele.
Den Mitarbeitern von Modema danke ich für ihre fantastische Arbeit, und ihren langen Atem.
Denn ihr seit Vorbild für alle, wenn es darum geht, mit Mut, Einsatzbereitschaft und Risiko, für eine Sache einzutreten.

Mit freundlichen Grüßen

Marc  Fälker

   
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