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Stoppt die soziale und oekologische Katastrophe

KEINE Kohlekraftwerken in der Kommune La Higuera, Nordchile!

JA zur Erhaltung der Meeresregion Choros/Damas - ihre Artenvielfalt ist

einmalig auf der Welt!

JA zum Recht der Bürger auf eine kontaminationsfreie Umwelt!

JA zu den Arbeitsplätzen in Fischerei, Landwirtschaft und Tourismus!

In der 4. Region Chiles (Region Coquimbo) planen chilenische und ausländische Firmen Kraftwerke, die das Leben der dortigen Bevölkerung und die Biodiversität dieser Region bedrohen.

 

 

Firma

Standort

Brennst.

Leistung

Stand der Genehmigung

Barrick (kanadisch)

Punta Colorada

Öl

32 MW

genehmigt

SUEZ Energy

(franz.-belgisch)

Punta Barrancones

10 Km nördlich Chungungo

Kohle

540 MW

beantragt

in Umweltverträglich-keits-Prüfung (SEIA)

Codelco

(chil. Staatsbetrieb)

Totoralillo

10 Km südlich Chungungo

Kohle

800 MW

Antrag am 17. Nov. 2008 zurückgezogen

 

Compañia Minera del Pacífico (CMP)

(chil.)

Chungungo

Kohle

300 MW

beantragt

in Umweltverträglich-keits-Prüfung (SEIA)

 

Das Kraftwerk in Punta Colorada wurde von der Regionalregierung 2007 bereits geneh-migt, ohne die Bevölkerung von La Higuera, speziell die Menschen in Punta Colorada, zu beteiligen. Im Prozess der Umweltverträglichkeits-Prüfung für die Projekte in Totoralillo, Punta Barrancones und Chungungo haben die betroffenen Bürger und viele der zustän-digen Behörden, aber auch Umweltschützer in aller Welt starke Bedenken angemeldet. Die Firma Codelco konnte diese Einwände nicht entkräften und hat deshalb am 17. Nov 2008 ihren Antrag zurückgezogen.

Auch nach zweijähriger Prüfung der Umweltverträglichkeit bestehen gegen die Anträge der Firmen SUEZ Energy und Compañia Minera del Pacífico (CMP) immer noch schwer-wiegende soziale und ökologische Bedenken. Die Bürger der Küstendörfer fürchten um ihre Gesundheit und ihre Existenz. Die Kraftwerke würden unzählige Arbeitsplätze in der Fischerei, in der Landwirtschaft und im Tourismus vernichten. Sie würden auch das Eigentum kleiner Leute mit Haus- und Grundbesitz entwerten. Diese Befürchtungen und die ernsthaften Einwände vieler zuständiger Behörden gegen den Bau in Punta Barran-cones konnten von SUEZ Energy bis jetzt nicht ausgeräumt werden. Sogar der Verteidi-gungsminister Francisco Vidal S. und die Marine haben den Antrag der Firma zur Nutzung des Meerwassers und zum Bau einer Hafenanlage abgelehnt. Naturschützer in aller Welt teilen die Sorgen der Bewohner und befürchten die Zerstörung einer Meeresregion, die hinsichtlich ihrer Produktivität und Artenvielfalt einmalig ist auf der Welt. Sie haben sich deshalb bereits 2008 an die Präsidentin Michelle Bachelet und die zuständigen Behörden in Chile gewandt mit der Bitte, die drohende ökologische und soziale Katastrophe zu verhindern.

Schon seit 2007 werden immer wieder Stellungnahmen von zuständigen Behörden und Wissenschaftlern zu den geplanten Kohlekraftwerken abgegeben. Sie dokumentieren, dass die Projekte in ganz besonderer Weise sozial und ökologisch nicht verantwortbar und zudem auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sind. Die zerstörerischen Auswirkungen der Kraftwerke auf die Umwelt sind in mehreren wissenschaftlichen Gutachten der Uni-versitäten Coquimbo und Valparaíso ausgeführt (siehe unten).

In diesem Diskurs wurden folgende Zusammenhänge und Auswirkungen herausgearbeitet:

 

Effizienz und Effektivität

Die chilenische Wirtschaft sowie auch die Regierung betonen zwar stark den Energie-bedarf des Landes, orientieren sich aber bis jetzt viel zu wenig an der Effizienz und nutzen daher Einsparpotentiale kaum. So müssten beispielsweise alle 3 strittigen Kohlekraft-werke nicht gebaut werden, wenn die Bergwerke in den Anden, die mit diesem Strom versorgt werden sollen, ihren Energieverbrauch nur um 1% senken würden.

Alle geplanten Kraftwerke sollen ausschließlich zur Erzeugung von Strom gebaut werden, eine Nutzung der anfallenden Wärme ist nicht vorgesehen und an den geplanten Stand-orten auch nicht möglich. Damit bleibt die Effektivität der eingesetzten Energie mit unter 50% Wirkungsgrad unverantwortlich gering.

 

 

Auswirkungen auf das Meeresgebiet

Die 3 geplanten Kohlekraftwerke sollen an der Küste einer Meeresregion errichtet werden, die in der Region Coquimbo die größte Produktivität hinsichtlich der Fauna und Flora des Meeres aufweist. Eingriffe in das Ökosystem oder Störfälle haben deshalb gerade in diesem Meeressektor viel dramatischere Auswirkungen als an möglichen anderen Stand-orten.

So befindet sich z.B. 60% des gesamten regionalen Vorkommens der Locos (Concho-lepas concholepas) in diesem Küstenabschnitt. Die hohe Produktivität dieses Meeres-sektors ist durch 2 Faktoren bedingt. Zum einen befindet sich hier eines von 2 Aufquellge-bieten, die eine hohe primäre Produktivität erzeugen, zum anderen kommen aufgrund der topografischen Lage hier die Eier und Larven von Fischen und anderen Meerestieren an und sammeln sich. Beides zusammen führt dazu, dass in diesem Meeresgebiet eine besonders hohe primäre Produktivität entsteht und zu einem großem Reichtum an Fischen sowie anderen Meerestieren führt.

Die 3 Wärmekraftwerke an der Küste sollen in unmittelbarer Nähe der ersten Meeres-schutzzone (Reserva Marina Islas Choros y Damas) in der Region Coquimbo und des Nationalen Schutzgebietes für Humboldt-Pinguine (Reserva Nacional Pingüino de Hum-boldt) errichtet werden. Diese beide Schutzgebiete bilden gemeinsam das weltweit erste Schutzgebiet für Humboldt-Pinguine überhaupt. Eingriffe in dieses Ökosystem oder Stör-fälle in diesem Bereich haben deshalb viel dramatischere Auswirkungen als in anderen Sektoren.

Das Schutzgebiet der Inseln Choros und Damas und das Nationale Schutzgebiet beherbergen 80% der gesamten Freilandpopulation des Humboldt-Pinguins (spheniscus humboldti). Diese Pinguinart wird als „bedroht“ klassifiziert in der Liste der bedrohten Arten (IUCN-Red List) und in Anhang I nach CITES. Sie ist auch geschützt durch die Konvention zur Biodiversität (convenio de biodiversidad – CBD) und durch chilenisches Recht. Neben der großen Bedeutung für den Fischfang wurde dieses Meeresgebiet auch deshalb als Schutzgebiet ausgewiesen, weil es der Lebensraum zahlreicher anderer, auch endemischer und bedrohter Arten (IUCN) ist wie Großer Tümmler (Tursiops truncatus), Meeresotter (lutra felina), Garnot-Sturmvogels (pelecanoides garnoti) und Guanotölpel (sula variegata). Auch verschiedene Arten von Walen halten sich regelmäßig in dem Gebiet auf.

Dieses Schutzgebiet repräsentiert etwa 40% des geschützten marinen Bereichs von Central- und Nordchile. Sein Anteil ist somit von großer Bedeutung für das Ziel der Unterschutzstellung von 10% der marinen Ökosysteme, zu dem sich die chilenische Regierung im Rahmen der Konvention zur Biodiversität (convenio de biodiversidad – CBD) verpflichtet hat. Die Meeresschutzone von Choros und Damas ist außerdem für Chile ein Pionier-Schutzgebiet, weil hier erstmals ein Managementplan für marine Schutz-gebiete (Reserva Marinas) inklusive eines Plans für nachhaltigen Tourismus entwickelt wurde. Dieser Managementplan dient als Vorbild für zukünftige Meereschutzzonen.

Wegen der ganz besonderen Bedeutung dieser Meeresregion wird aktuell die Erweiterung der Schutzzone Choros und Damas unter Einschluss weiterer wichtiger Brutinseln vor-bereitet. Seit Anfang März hat mit der Bekämpfung invasiver Arten die Kernphase des Projektes „Conservation Measures Program“ (Schutzmassnahmen-Programm) in diesem Gebiet begonnen. Ziel dieses Programms der chilenischen Behörden unter Mitwirkung der Universitäten Coquimbo, La Serena und Santa Cruz, Kalifornien sowie der Stiftung Island Conservation (USA) ist es, Fauna und Flora auf den Inseln Choros, Chanaral, Chungungo und Pájaros I durch die Beseitigung von Kaninchen bzw. Ratten zu erhalten. Die Kosten für das Projekt, das mit Monitoring auf 7 Jahre angelegt ist, summieren sich auf insgesamt rund eine Million Dollar. Der Bau der Kraftwerke in unmittelbarer Nähe der genannten Schutzzonen würde deshalb diese Planungen und Investitionen sinnlos machen, die Ziele des Schutzes der Biodiversität gefährden und auch internationale Vereinbarungen verletzen, denen Chile zugestimmt hat.

Bei laufendem Betrieb wird das Wärmekraftwerk der Firma SUEZ Energy 80000 Kubikmeter Wasser pro Stunde für die Kühlung, die Entschwefelung und andere Betriebssysteme benötigen. Das ergibt einen Verbrauch von 698.180.760 Kubikmetern Wasser im Jahr. Das benötigte Wasser soll gerade dort dem Meer entnommen werden, wo es – wie gesagt – besonders reich ist an Eiern und Larven von Fischen sowie anderen Meerestieren. Wegen der hohen Temperatur und dem großem hydrodynamischen Druck in der Anlage sowie den eingesetzten chemischen Substanzen, z.B. Antifouling-Mittel können diese Lebewesen den Produktionsprozess nicht lebend überstehen. Nach der Nutzung im Kraftwerk soll das Wasser mit um 10° erhöhter Temperatur wieder ins Meer eingeleitet werden. Wasserentnahme und -einleitung soll unmittelbar im Bereich eines bewirtschafteten Küstenabschnitts (Área de Manejo,AMERB) für die Ernte von Locos erfolgen. Also in einer Zone, die nach Kategorie IV (IUCN) geschützt ist.

 

Kontaminationen

Die Firmen planen Kraftwerke mit einer veralteten Technologie. Effektive Filteranlagen und ein eigenes Kühlsystem mit Kühltürmen, mit denen die Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden könnten, sind nicht vorgesehen. So werden die Emissionen und Rück-stände aus dem Betrieb der Wärmekraftwerke eine dramatische Veränderung der Fauna und Flora sowie die Zerstörung der Ökosysteme in der betroffenen Region nach sich ziehen. Die Kraftwerke am Meer sollen mit dem fossilen Brennstoff Kohle betrieben werden. Dies führt zu Emissionen von Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickoxiden, Flug-asche und fester Asche, die das Oberflächen- und Grundwasser, Boden und Luft sowie Küste und Meer belasten werden. Dadurch werden auch Bereiche in beträchtlicher Ent-fernung vom Ort der Entstehung der Emissionen betroffen sein.

Außerdem beabsichtigt die Firmen SUEZ Energy und Compañia Minera del Pacífico (CMP), Häfen zur Anlandung der Kohle zu bauen. Es sollen Schiffe mit einer Tonnage bis 120.000 Tonnen zum Einsatz kommen und es sollen in den Häfen große Lagerplätze für die Kohle geschaffen werden. Der ständige Schiffsverkehr und das damit häufig verbun-dene Ablassen von Motoröl könnte die angrenzende Meeresschutzzone (Reserva Marina Islas Choros y Damas), das Nationale Schutzgebiet für Humboldt-Pinguine (Reserva Nacional Pingüino de Humboldt) sowie die geschützten Áreas de Manejo (AMERB) zusätzlich nachhaltig schädigen.

 

Soziale Auswirkungen

Die Realisierung der Kraftwerke wird der Mehrheit der Bevölkerung in den Küstendörfern in der Kommune La Higuera schaden, den einheimischen Fischern, den Tauchern nach Meeresfrüchten, den Bauern, den Tierzüchtern und den Menschen, die vom Tourismus leben. Die drohende Vernichtung der Ökosysteme zerstört auch ihre traditionellen Arbeits-gebiete und damit ihre Einkommensquellen. Unzählige Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Häuser und Grundstücke der Bewohner drohen ihren Wert zu verlieren. So gefährden die Pläne massiv die materielle Sicherheit vieler Menschen. Angesichts dieser großen Schä-den wirkt das Angebot von jeweils etwa 10 neuen Arbeitsplätze für Facharbeiter pro Kraft-werk geradezu zynisch, das die Firmen den Bewohnern als Ersatz anpreisen. Außer der materiellen Sicherheit bedrohen die Kraftwerke auch ernsthaft die Gesundheit der Men-schen, die hier leben.

Die Menschen in den Küstendörfern der Kommune La Higuera lehnen deshalb in ihrer überwiegenden Mehrheit den Bau von Kraftwerken aller Art in diesem sensiblen und verletzlichen Lebensraum ab. Sie fordern ihr Recht „in einer Umwelt zu leben, die frei ist von Kontamination. Es ist die Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, das dieses Recht nicht verletzt und die Umwelt geschützt wird.“ (Art. 19, Abs. 8, Verfassung der Republik Chile)

Die Bevölkerung votiert deshalb auch dafür, dass Wärmekraftwerke auch an anderen Standorten umweltverträglich gebaut werden.

 

 

Rosa Rojas G. Gabriele Knauf

Presidentin 1. Vorsitzende

Movimiento en Defensa del Medio Ambiente SPHENISCO e. V.

(MODEMA) Schutz des Humboldt-Pinguins

 

 

 

Verweis auf Quellen: Umweltverträglichkeitsprüfung und Gutachten

 

1. Gutachten der Universität Valparaiso, Centro de Investigación EUTROPIA

„Observaciones EIA Termoeléctricas – Farellones“ vom 26.Okt 2007

 

2. Gutachten der Universität Católica del Norte Coquimbo, Centro de Estudios Avanzados en Zonas Àridas (CEAZA) „Observaciones al Estudio Ambiental (EIA) emitido por la Empresa Termoeléctrica Farellones“ vom 28.Nov 2007

 

3. Gutachten der Universität Católica del Norte Coquimbo, Abteilung Meeresbiologie

„Análisis de los Potenciales Efectos Ambientales de la Operación de Proyectos Termoeléctricas en Ambientes Marinos de la Cuarta Región. Informe Final. von Nov 2008

 

4. Gutachten des Centro de Investigación EUTROPIA , Universität Valparaiso

„Observaciones. Informe: „Análisis de los Potenciales Efectos Ambientales de la Operación de Proyectos Termoeléctricas en Ambientes Marinos de la Cuarta Región. Informe Final. Nov 2008. vom 26.Jan 2009

 

 

   
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