Neueste Beiträge

  • Sa
    Nov
    09
    2019
    31 zugriffe
    Save the date „save the penguin“!
    Save the date „save the penguin“! Welt-Pinguin-Tag 2020, the same procedure as every year!” Leider immer noch erforderlich, vielleicht angesichts der aktuellen Entwicklung in Chile sogar in besondere...
  • Sa
    Nov
    09
    2019
    106 zugriffe
    Zwischen Repression und Reform
    Zwischen Repression und Reform - Bürgerproteste bewegen Chile - Landau, La Serena 5. November 2019.  Alle sind überrascht, die Regierung, die Parteien, die außerparlamentarische Opposition und wahr...
   

Das nationale Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins darf nicht sterben

- Pinguine sollen vertrieben und ihr Lebensraum zerstört werden -

La Serena / Landau 15. März 2014.

SchutzgebietDas Meer und die Küsten der Gemeinden La Higuera und Freirina in Nordchile (1) sind ein Hotspot der Biodiversität von Weltrang (2). Deshalb hat die NGO Oceana 2010 beantragt, die kleinen bereits existierenden Meeresschutzonen zu erweitern, um die Artenvielfalt dauerhaft zu bewahren ( es handelt sich hier um 2 von erst insgesamt 5 Reservas Marinas, die Chile ausgewiesen hat ).Trotzdem wird diese Region immer wieder durch Pläne von Unternehmen bedroht. Erst sollte ein Hotel auf der Insel Gaviota in unmittelbarer Nähe des Nationalen Schutzgebietes gebaut, dann 3 Kohlekraftwerke an der Küste errichtet werden. Aktuell plant die Firma Compañia Minera del Pacifico (CMP) einen Hafen bei Chungungo (1) und die Firma Andes Iron ein Bergwerk (Mine Dominga) mit Hafen bei Totoralillo Norte (1). Das Problem ist nicht, dass Unternehmen überhaupt Betriebsstätten errichten wollen, sondern dass sie dies ohne Rücksicht auf die Ökosysteme dieser sensiblen Zone und die existierenden Schutzgebiete (Reserva Nacional Pingüino de Humboldt, Reserva Marina Islas Choros y Damas, Reserva Marina Isla Chanaral) tun wollen.

Wir erinnern uns. Von 2007 bis 2010 haben die Bürgerinitiative MODEMA, Wissenschaftler und Naturschützer in aller Welt gegen die Errichtung von 3 Kohlekraftwerken protestiert und auf die damit verbundenen gravierenden ökologischen und sozialen Gefahren hingewiesen. Lange Zeit sprachen sich damals auch viele Behörden gegen diese Projekte aus. Die Firmen Corporacion Nacional del Cobre de Chile (Codelco) und Compañia Minera del Pacifico zogen daraufhin ihren Bauantrag schließlich zurück. Das Kraftwerk der Firma Suez Energy (firmiert in Europa auch als Veolia) wurde dagegen am 24. August 2010 von der Corema (Entscheidungsgremium der Regional-Regierung) genehmigt. Nur durch eine persönliche Absprache des damaligen Präsidenten Piñera mit der Firma Suez wurde das Projekt nicht realisiert. Sein Statement damals: „Wir wollen so ein schönes Gebiet nicht zerstören, lasst es uns genießen!“ Die Genehmigung der Regierung von Coquimbo wurde allerdings nicht aufgehoben und ist noch bis August 2015 gültig. Trotz der Intervention des Präsidenten wies seine Regierung Chungungo (1) als geeigneten Standort für den Bau eines Kraftwerkes aus.

Neue Projekte mit alten Risiken und Gefahren

SchutzgebietNun sind die sensiblen Ökosysteme und die Existenzgrundlagen der Bevölkerung in den Kommunen La Higuera und Chañaral de Aceituno erneut in Gefahr. Die Firma Andes Iron will in der Region  ein Bergwerk errichten und zum Abtransport des Eisenerzes (Nebenprodukt Kupfer) einen Hafen bei Totoralillo Norte bauen. Ihre Pläne lesen sich wie Hohn und überraschen durch Unverfrorenheit: Unverblümt wird eingeräumt, dass durch Bau und Betrieb des Hafens Brutplätze der bedrohten Humboldt-Pinguine auf den Inseln Tilgo und Chungungo vernichtet werden, der Lebensraum des äußerst bedrohten Meeresotters verloren geht und Aufenthalts- und Nahrungsgebiete von Walen und Delfinen (8 bis 9 Arten) zerstören werden. Auch Kollissionen der Meeressäuger mit den großen Frachtschiffen (DWT-Tonnage bis 400.000 Tonnen) werden wie selbstverständlich billigend in Kauf genommen. Obwohl Emissionen der geplanten Häfen innerhalb von 24 Stunden die nur 25 Kilometer entfernten Schutzgebiete (2) erreichen, werden mögliche Auswirkungen einfach geleugnet. Dabei ist – wie in allen Häfen - mit auslaufenden Kraftstoffen (Schwer- und Dieselöl) zu rechnen. Eine ganz besondere Gefahr geht aber von der geplanten Meerwasser-Entsalzungsanlage aus. Neben der Entnahme von Meerwasser, das Lebewesen enthält, die in dieser Region den Reichtum des Meeres ausmachen, führt die Rückführung der Salzlake incl. Chemikalien, die zur Wartung der Rohre benötigt werden, zu nicht abschätzbaren Veränderungen des Meerwassers und der darin lebenden Organismen. Diese Veränderungen und die Gefahr, die von der Einschleppung exotischer invasiver Arten ausgeht, bedrohen den besonderen Reichtum an eben den Meeresorganismen, die die Existenzgrundlage von Tieren und Menschen in dieser Zone bilden. In der Konsequenz zerstören deshalb die geplanten Projekte die Lebensräume zahlreicher bedrohter Arten und damit auch die Basis des Natur-Tourismus (ca. 40.000 Besucher). Sie bedrohen auch den Fischfang und die Ernte von Betonicos in den ebenfalls geschützten Áreas de manejo (bewirtschaftete Zonen).

SchutzgebietAn Land “opfert” Andes Iron nicht nur eine Guanako-Population, die mühsam stabilisiert wurde, sondern gräbt der Bevölkerung auch buchstäblich das Wasser ab, weil sie - in einem Gebiet, in dem das kontinuierliche Fortschreiten der Wüste Realität ist - die Reserven des Grundwassers für den Betrieb der Mine beansprucht. In einer Stellungnahme zeigt sich deshalb auch die  zuständige Wasserbehörde alarmiert und warnt vor einer zusätzlichen Entnahme durch die Mine. Sie stellt klar, dass aktuell der Verbrauch der Bewohner - u.a. für die Olivenhaine - sich in einem vertretbaren, nachhaltigen Rahmen bewegt, dass jeder Verbrauch darüber hinaus abzulehnen ist, weil er künftig zu einem massiven Mangel führt.

Die Umweltverträglichkeits-Prüfung für den Hafen Cruz Grande, den die Firma Compañia Minera del Pacifico in Chungungo errichten will, ist weit fortgeschritten. Erneut formulieren viele staatliche Behörden u.a. Sernapesca (staatliche Fischereibehörde) und die CONAF (zuständig u.a. für Schutzgebiete) schwerwiegende Einwände. Sie betreffen vor allem die Zerstörung der Lebensräume bedrohter Arten, gefährliche Emissionen und die Einschleppung invasiver Arten.

Die Umweltverträglichkeits-Prüfung für das Mega-Projekt Dominga mit der Hafenanlage in Totoralillo Norte der Firma Andes Iron ist noch im Anfangsstadium. Auch Sphenisco hat zu diesem Projekt offiziell Stellung genommen. Nancy Duman B. (4) hat Sphenisco als NGO beim regionalen Umweltministerium angemeldet und am 30. Dezember 2013 dort eine „Observacion“ (Bemerkung / Stellungnahme) (5) mit den oben zusammengefassten Einwänden abgegeben. Das einschlägige Gesetz sieht vor, dass außer Behörden und natürlichen Personen auch Gewerkschaften, kulturelle Vereinigungen und NGO´s Observaciones einreichen können.

Beim Hafen Cruz Grande und beim Mega-Projekt Dominga geht es erneut um die Frage, ob die Region La Higuera unter Nutzung oder zu Lasten ihres natürlichen Reichtums entwickelt wird. Die Schaffung einer großen Meeresschutzzone setzt auf eine ökologische Entwicklung mit nachhaltiger Fischerei, nachhaltigem Tourismus und umweltverträglichen Betrieben. Projekte wie aktuell die Mine Dominga versprechen der Bevölkerung zwar mehr Arbeitsplätze und Wohlstand, in Wahrheit aber gefährden sie beides.


SchutzgebietZur Zeit ist völlig offen, ob die beantragte Meeresschutzone genehmigt und nachhaltig gestaltet wird (6). Viele Behörden und große Teile der Bevölkerung befürworten sie. Für die Firmen Andes Iron und Compañia Minera del Pacifico sind die existierenden Schutzgebiete und erst recht eine erweiterte Schutzzone ein großes Hindernis, da sie die Anforderungen beim Umweltschutz erhöhen und den Bewohnern wirtschaftliche Alternativen eröffnen. Um dieses global bedeutsame Ökosystem mit seiner Artenvielfalt zu erhalten, ist die „Meeresschutzzone La Higuera und Insel Chañaral“ dringend erforderlich. Deshalb haben wir mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und dem Landauer Zoo vereinbart, einen Appell an die neue Präsidentin Bachelet zu richten. Unter dem Motto „Das Nationale Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins darf nicht sterben !“ wollen wir gemeinsam mit möglichst vielen Organisationen des Natur- und Umweltschutzes die chilenische Regierung auffordern, die Schutzzone zu genehmigen und bei der UNESCO zu beantragen, diesen Meeressektor als Weltnaturerbe anzuerkennen.

G.K und W.K.

Anmerkungen
(1) Die Gemeinde La Higuera mit den Küstendörfern Caleta Los Hornos, Totoralillo Norte, Chungungo, Los Choros, Punta de Choros liegt in der Region Coquimbo, die Gemeinde Freirina mit dem Dorf Chañaral de Aceituno und der Insel Chañaral in der Region Atacama

(2) Der Meeressektor vor der Küste von La Higuera und Freirina ist von besonderer Bedeutung, weil er eine hohe Produktivität aufweist, die durch 2 Faktoren bedingt ist. Zum einen befindet sich hier ein  Aufquellgebiet, das eine hohe primäre Produktivität erzeugt, zum anderen kommen aufgrund der topografischen Lage hier die Eier und Larven von Fischen und anderen Meerestieren an und sammeln sich. Beides zusammen führt dazu, dass in diesem Meeresgebiet eine besonders hohe primäre Produktivität entsteht und zu einem großem Reichtum an Fischen sowie anderen Meerestieren führt.
In dieser Zone liegen die ersten Meeresschutzzonen Chiles (Reserva Marina Islas Choros y Damas y Reserva Marina Isla Chanaral) in der Region Coquimbo und Atacama und das Nationale Schutzgebiet für Humboldt-Pinguine (Reserva Nacional Pingüino de Humboldt). Diese Schutzgebiete bilden gemeinsam das weltweit erste Schutzgebiet für Humboldt-Pinguine überhaupt. Es beherbergt 80% der gesamten Freilandpopulation des Humboldt-Pinguins (spheniscus humboldti). Diese Pinguinart wird als „bedroht“ klassifiziert in der Liste der bedrohten Arten (IUCN-Red List) und in Anhang I nach CITES. Sie ist auch geschützt durch die Konvention zur Biodiversität (convenio de biodiversidad – CBD) und durch chilenisches Recht.

Darüber hinaus ist diese Meeresregion Lebensraum zahlreicher anderer, auch endemischer und bedrohter Arten (IUCN / Anhang I nach Cites)  wie Garnot-Sturmvogel (Pelecanoides garnoti), Guanotölpel (Sula variegata), Meeresotter (Lontra felina), Buckelwal (Metaptera novaeangliae) und großer Tümmler (Tursiops truncatus). Diese Delfinart lebt hier sogar dauerhaft und bildet die einzige stabile residente Kolonie in Chile. Auch andere Arten von Walen wie z.B. Schwertwale (Orcinus orca), Pottwale (Physeter macrocephalus), Grindwale (Globicephala melas), Finnwale (Balaenoptera physalus), Südkaper (Eubalaena australis), Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) sowie Delphin-Arten wie Rundkopf-Delphin (Gramphus griseus), gemeiner Delphin (Delphinus delphis), Schwarzdelphin (Lagenorhynhus obscurus) halten sich regelmässig hier auf und nutzen das Gebiet zur Rast und Nahrungssuche.

Von besonderer Bedeutung ist diese Meeresregion auch für den Fischfang und die Ernte von Meeresfrüchten. 60% der Locos-Vorkomen (Concholepas concholepas) in der Region Coquimbo befinden sich in diesem Küstenabschnitt. Diese bewirtschafteten Küstenabschnitte (Áreas de Manejo, AMERB) sind nach Kategorie IV (IUCN) geschützt. Die hohe Produktivität erlaubt zudem Fischfang in einer Größenordnung wie er in anderen Regionen Chiles nicht (mehr) möglich ist.

Schönheit und Vielfalt der Natur haben in der Region Tourismus entstehen lassen. Jährlich kommen zur Zeit rund 40.000 Besucher hierher.

In den letzten Jahren wurde große Anstrengungen unternommen, um die Biodiversität dieses Sektors zu erhalten. So wurde 2010 die Erweiterung der Schutzzone Choros, Damas und Chanaral unter Einschluss weiterer wichtiger Brutinseln beantragt (3). 2013 wurde mit der Bekämpfung invasiver Arten die Kernphase des Projektes „Conservation Measures Program“ (Schutzmassnahmen-Programm) in diesem Gebiet begonnen. Ziel dieses Programms der chilenischen Behörden unter Mitwirkung der Universitäten Coquimbo, La Serena und Santa Cruz, Kalifornien sowie der Stiftung Island Conservation (USA) ist es, Fauna und Flora auf den Inseln Choros, Chanaral, Chungungo und Pájaros I durch die Beseitigung von Kaninchen bzw. Ratten zu erhalten.

(3) Link zum Antrag von Oceana http://oceana.org/es/sa/nuestro-trabajo/habitats-marinos/areas-marinas-protegidas/mas-informacion/mapa-amcp-mu-la-higuera-isla-chanaral

(4) Leiterin des Projektes „Si, a la Reserva Marina Protegida“ (Meeresschutzzone, ja bitte !) (s.a. http://www.sphenisco.org)

(5) Observaciones al Estudio de Impacto Ambiental “Proyecto Minero Portuario Dominga, Titular Andes Iron, Diciembre 2013, Sphenisco ONG (siehe www.sphenisco.org)

(6) Meeresschutzzone „La Higuera / Insel Chañaral“ (23. Januar 2014)                                  
    Vergessenes Weltnaturerbe (28. Januar 2014)
    Meeresfrüchte Beute von Piraten (30. Januar 2014) (alle Beiträge http://www.sphenisco.org)

   
© SPHENISCO
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.