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Neue Gefahren für Mensch und Natur

Punta de Choros, 13. Januar 2012.

Das Nationale Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins mit der  gesamten Meeresregion nördlich von La Serena ist wegen seiner Artenvielfalt von internationaler Bedeutung und besonders schützenswert. 2010 war ein gutes Jahr für den Bewahrung dieses Meeresgebietes. Die Kohlekraftwerke konnten verhindert und eine Meeresschutzzone auf den Weg gebracht werden. Natur und Tourismus in der Region hatten wieder eine Zukunft. Mit großer Freude und großen Hoffnungen reisen wir nach La Serena und Punta de Choros. Wiedersehen mit Prof. Guillermo Luna, persönliche Glückwünsche zu seinen mutigen Gutachten. Rosa, Jan und José umarmen, ihnen danken für ihre Ausdauer und ihre Zivilcourgage, das Engagement der Bürgerinitiative MODEMA (Movimento en Defensa del Medio Ambiente) würdigen und gemeinsam nächste Schritte zur Gestaltung der Meeresschutzzone überlegen.


Wir treffen Guillermo Luna und die Freude ist wirklich gross, die Ernüchterung auch. Vor 14 Tagen hat er erfahren, dass in Tortorarillo ein Hafen für die Bergwerke und den Handel mit Argentinien gebaut werden soll, ein Hafen in der geplanten Meeresschutzzone. Der Regierungspräsident will deshalb die Schutzzone verhindern. Einzelheiten weiß Guillermo noch nicht, die Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung hat noch nicht begonnen. Wir sind schockiert, recherchieren, hoffen ein Wochenende lang, dass eine Verwechselung vorliegt. Vergeblich, das nächste Treffen mit Guillermo Luna bringt traurige Gewissheit.

Rosa Rojas holt uns zur Fahrt nach Punta de Choros ab. Die Umarmungen hätten nicht herzlicher sein können. Im Auto erzählt sie, dass nicht ein, sondern zwei Häfen geplant sind, in Tortorarillo und Chungungo. Der Grund, in der Region La Higuera sollen 125 (!) Bergwerke in Betrieb genommen werden. Die ersten Minen arbeiten schon. Umwelt-Verträglichkeits-Prüfungen sind bei Bergwerken nicht vorgesehen. Die Bürgerinitiative MODEMA ist alarmiert, wegen der Häfen, vor allem aber wegen der Wasserversorgung. Die Minen benötigen gewaltige Mengen Wasser. Bei einem Dorf sank das Grundwasser bereits um 6 Meter. Wenn das so weiter geht, sitzen die Bürger in der Gemeinde La Higuera bald auf dem Trockenen. Wasser wird unbezahlbar.

Die Wassernot betrifft jeden, kann jeden betreffen. Trotzdem ist der Widerstand gegen diese Entwicklung bis jetzt gering. Die Menschen hoffen auf Arbeitsplätze in Minen und Häfen. Bauern geben den Anbau von Obst und Gemüse auf, verkaufen stattdessen Wasser. Spekulanten handeln mit Wasser und machen riesige Gewinne. Möglich wird dies alles durch Gesetze, die den Kauf von Wasserrechten erlaubt. So ist in Chile Wasser weitgehend privatisiert.

Landschaften werden verändert, Berge abgetragen und Hügel aufgeschüttet. Abfälle der Minen, wie Schwefel und Quecksilber, werden in Rückhaltebecken gelagert und bedrohen so dauerhaft die Umwelt. Kann die typische Vegetation, die Steppenwüste, diesen Raubbau verkraften ? Welche Tiere und welche Pflanzen werden verschwinden ?

Die Pläne für den Bau und den Betrieb der Häfen sind noch nicht bekannt. Die Folgen für die besonders sensible und besonders wertvolle Meereszone sind deshalb noch nicht absehbar. Emissionen toxischer Substanzen sowie Kontaminationen, wie sie beim Bau der Häfen und dem permanente Schiffsverkehr anfallen, gefährden u. U. die Fauna und Flora des Meeres massiv. Damit wäre auch das Nationale Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins (Reserva Nacional Pingüino de Humboldt) und geschützte bewirtschaftete Zonen (Areas de Manejo y Explotacion de Recursos Bentonicos (AMERB) erneut in Gefahr.

Zur Zeit sind Wissenschaftler und Naturschützern noch unsicher, ob und wie diesen Gefahren begegnet werden kann. MODEMA organisiert am 14. Januar ein Fest des Wassers im Dorf Choros. Keine gute Aussichten für Mensch und Natur in der Region Coquimbo.

W.K.



 

   
© SPHENISCO
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