Neueste Beiträge

  • Mi
    Okt
    13
    2021
    293 zugriffe
    Petition „Humboldt-Pinguine brauchen endlichen Schutz!“
    Petition „Humboldt-Pinguine brauchen endlichen Schutz!“ Landau 13. Oktober 2021. Die Befürworter der Bergbau- und Hafen-Projekte „Cruz grande“ und „Dominga“ sind durch die Enthüllungen der letzten W...
  • Di
    Okt
    12
    2021
    188 zugriffe
    Extraktivistische Politik schadet Chiles Ökosystemen
    Extraktivistische Politik schadet Chiles Ökosystemen (Hrsg. Jennifer Sills) Landau 30. September 2021. Die Entscheidung der Kommission für Umweltverträglichkeitsprüfung (COEVA) der Region Coquimbo ...
   

„Dominga“ die große Täuschung - Weltnaturerbe als Spekulationsobjekt

 

Landau 15. September 2021.

Grundlage dieses Beitrages ist der Artikel „Dominga, el Gran Engaño: ex Jefe de la Unidad de Geología de CMP afirma que Proyecto No es Viable Económicamente“ in der Online Zeitschrift „Voceríal virtual“ (1). Der Artikel fokussiert auf die Aspekte „Qualität der Erzvorkommen“, „Produktionskosten“ und „Historie der Mine Dominga“. Entlang dieser Stichworte wird das Interview der chilenischen Jornalistin Lucía Escobar mit dem Geologen Mario Rojo Lara zusammengefasst. Auch andere Medien wie z.B. ElDesconcierto.cl. (2) und Diario la Region de Coquimbo (3) veröffentlichten das Interview.

2013 beantragte die Firma Andes Iron das Bergbau- und Hafen-Projekt „Dominga“ in der Region Coquimbo, Nordchile. Das Projekt gefährdet eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt und wird seither von Natur- und Umweltschützern entschieden bekämpft. Andes Iron wirbt auf seiner Website (4) damit, hochwertige und wettbewerbsfähige Eisenerz- und Kupfer-Produkte zu produzieren. Die Investitionskosten, werden dort mit 2,5 Milliarden Dollar beziffert. Mitte August berichtet die Online-Zeitung Vocería virtual (1), dass diese Angaben falsch sind. Die chilenische Zeitung stützt sich bei der Veröffentlichung auf Untersuchungen und Expertise des Geologen Mario Rojo Lara. Der Experte für Uran- und Eisenerzbergbau, ein erfahrener und anerkannter Fachmann, arbeitete 11 Jahre lang bei der chilenischen Kernenergiekommission (CCHEN) und 32 Jahre lang bei der Compañía Minera del Pacífico (CMP), dem größten Eisenerzproduzenten an der amerikanischen Pazifikküste. Bei CMP war er ein Jahrzehnt lang Leiter der geologischen Abteilung, bevor er in den Ruhestand ging.

Der pensionierte Geologe kennt das Dominga-Projekt sehr gut. Als Leiter der Geologieabteilung von Compañía Minera del Pacífico (CMP) mußte er das Projekt prüfen, weil es an CMP verkauft werden sollte. Zudem liegen Erzlagerstätten von CMP und „Dominga“ direkt nebeneinander, es handelt sich um dieselben Vorkommen (Distrikt El Tofo). Die Qualität der Rohstoffe bewertet der pensionierte Geologe folgendermaßen:

Dominga ist unwirtschaftlich

Die Firma Andes Iron gibt – wie gesagt - auf ihrer Website an, hochwertige und wettbewerbsfähige Produkte (Eisenerz und Kupfer) produzieren zu wollen. Die Investitionskosten werden dort mit 2,5 Milliarden Dollar beziffert.
Als der Eisenpreis Ende 2000er Jahren boomte, führte die Abteilung von Mario Rojo metallurgische Tests durch. Dabei zeigte sich, dass die Gesteinsmassen ihrer Lagerstätten von schlechter Qualität (geringer Konzentration) waren. Dadurch ist die (Gewichts-)Ausbeute beim Abbau zu gering, um ein verkaufbares Produkt zu erhalten. Aus diesem Grund brach CMP seine Nachforschungen ab.
Dann bot Andes Iron die Mine Dominga der Firma CMP zum Kauf an. Der Eisenerzproduzent prüfte die Vorkommen und bestätigte, was er bereits wusste. Nach diesem Misserfolg sollte „Dominga“ an Mitsubishi in Japan verkaufen werden. Der japanische Konzern ließ sich damals aber bei allen Eisenerzprojekten in Südamerika von CMP beraten. Ein erneuter Schlag ins Wasser. Als nächstes sollte an chinesische Firmen verkaufen werden. China beutet aber eigene Vorkommen mit geringer Qualität nicht aus. Wieso sollen chinesische Unternehmen dann minderwertiges Erz in fernen Ländern abbauen? Die Chinesen haben auch kein Angebot gemacht.

Fachliche Probleme

Die Lagerstätte „Dominga“ (Distrikt El Tofo) besteht aus Magnetitmineralisiertem Tuff. Das Material liegt unter dem Cut-off-Gehalt (niedrigster Gehalt eines Rohstoffes, der noch als abbauwürdig gilt). Das bedeutet, die Produktionskosten sind zu hoch, um einen Gewinn zu erzielen. Der durchschnittliche Eisenerzgehalt von Dominga beträgt 23 %. Im Vergleich dazu liegt der Durchschnittsgehalt der Mine El Romeral in der Nähe von La Serena bei 52 %. Dort muss also viel weniger Gestein bewegt werden, um Eisenerz zugewinnen.

Der Kupfergehalt der Mine Dominga beträgt 0,09 %. Im Kupferbergbau gilt schon 0,1 % als unbrauchbar. Andes Iron hat unbrauchbares Gestein, deklariert es aber als Ressource.

Mit einem Eisengehalt von 23 % kann Andes Iron nur ein Eisenkonzentrat gewinnen, das internationalen Anforderungen nicht entspricht. Auf den internationalen Märkten liegt die Norm bei 67-69 % Gesamteisen. „Dominga“ kann aber lediglich Höchstwerte von 64 bis 65 % erreichen. Zwischen 64% und 67 % scheint kein großer Unterschied zu liegen. Dazu muss man aber wissen, dass enorm hohe Strafen für jeden Prozentpunkt Eisen verhängt werden, der nicht im angebotenen Konzentrat enthalten ist. Der Verkauf eines 67%-igen Konzentrats ist also viel besser als der Verkauf eines 65%-igen Konzentrats, da Strafen für Abweichungen den Preis exponentiell beeinflussen.

Andes Iron will 12 Millionen Tonnen Eisenkonzentrat pro Jahr produzieren. Dafür wird inzwischen nur noch ein Kapitalbedarf von 2,5 Mrd. US-Dollar angegeben. Ursprünglich hatte Andes Iron 3,2 Mrd. veranschlagt. Die Reduktion hat einem einfachen Grund. Im Bergbau stellt eine Investition von mehr als 3 Mrd. Dollar ein hohes Risiko dar. Um Investoren zu gewinnen, hat man den Kapitalbedarf „angepasst“. Mit dieser Summe ist der Abbau in der Mine Dominga aber technisch nicht machbar. Nach Berechnungen des Geologen Mario Rojo belaufen sich die Kosten für Hafen und Filtrationsanlage, Entsalzungsanlage sowie Produktionskosten auf mindestens 3,35 Mrd. Dollar. Der erforderliche Börsengang ist da noch gar nicht eingerechnet.

Auf die Frage der Journalistin Lucía Escobar, ob Informationen über Erzgehalte oder Investitionskosten beliebig angegeben werden können, ohne das staatliche Stellen die Angaben bestätigen, stellt Mario Rojo klar: Der Servicio Nacional de Geología y Minería (Sernageomin) oder andere öffentliche Stelle mischen sich da nicht ein. Man kann deklarieren, was man will. Man kann ein Projekt erfinden, wenn es überzeugt, kann man es sogar verkaufen. Es gibt zwar ein Peer-Review (Verfahren zur Qualitätssicherung durch unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet) wie in der Wissenschaft, aber es gibt keine Verpflichtung dazu. Andes Iron hat an Peer Review natürlich kein Interesse. Ein Investor muss also eigene Experten beauftragen, um das Projekt Punkt für Punkt zu überprüfen.

In diesem Zusammenhang erinnert sich der Geologe an den großen Skandal mit der Goldmine Bre-X in Indonesien. Dort wurden keine Erze gefunden. Deshalb schummelte man und bestreute die Proben mit Gold. Nach dem Skandal wurden in Kanada und Australien Mineralienbörsen mit Standards für die Prüfung der Glaubwürdig eingerichtet. Wenn ein Bergbauunternehmen wegen Irreführung von Investoren in Frage gestellt wird, wird das ganze Land in Frage gestellt, das Image des Landes verschlechtert sich. Die Vorgehensweise von Andes Iron diskreditiert deshalb das Image des chilenischen Bergbaus, der für Chile so enorm wichtig ist.

Reine Spekulation

Der Geologen Mario Rojo Lara bezeichnet „die „Mine Dominga“ als reine Spekulation. Es handelt sich nicht um ein echtes Bergbau-Projekt“. Das Projekt begann Mitte der 2000er Jahre. Die Mine gehörte der Firma Latin American Cooper. Für die damals der Geologe Iván Garrido arbeitete. Die britischen Investoren machten einige wenige Untersuchungen, die keine signifikanten Ergebnisse lieferten. Sie stuften deshalb das Projekt trotz diskreter Kupfer- und Goldanomalien in dem eisenhaltigen Material als nicht rentabel ein.

Im Jahr 2009 gründeten Garrido und die Gruppe Larraín Vial „Minería Activa“, einen Investmentfond für Bergbauunternehmen. Larraín Vial konnte bald bekannte, einflussreiche Familien wie die Familie Piñera Morel und die Familie Délano Méndez als Investoren gewinnen. Der Fond „Minería Activa“ kaufte die Mine Dominga. Im Jahr 2010, das Jahr in dem Sebastián Piñera Präsident wurde, erwarb Andes Iron dann die Mine. Iván Garrido übernahm das Amt des Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektors, das er bis Dezember 2020 innehatte.

Obwohl das „Eisengeschäft“ sehr schwierig ist, kaufte die Gruppe Larraín Vial, ohne sich mit Experten der Branche zu beraten. Der Geologe Iván Garrido verfügt aber nicht über entsprechende Erfahrung und kommuniziert außerdem nicht mit Kollegen der Branche. Er hat weder fundierte Kenntnisse hinsichtlich der Produktion noch des Marktes. Zusammen mit seinem Freund, dem Geologen Armando Signa hat er das Projekt „erfunden“. Iván Garrido und Armando Signa sind aber in erster Linie Finanzberater und keine Bergbauunternehmer.

Andes Iron ist verschuldet und muß sich deshalb beeilen, Investoren zu gewinnen. Auch aus diesem Grund musste das Umweltproblem gelöst werden. In dieser Hinsicht waren die Sorgen aber nicht besonders groß. Man ging davon aus, dass die aktuelle Regierung unter Präsident Sebastián Piñera das Umweltproblem lösen würde. Richtige Sorgen machten dagegen die fachlichen Probleme (s. oben). Als diese nicht mehr zu übersehen waren, entzog man Iván Garrido das Vertrauen. Er wurde entlassen.

Mario Rojo schätzt, dass bisher etwa 250 Millionen Dollar in das Projekt „Dominga“ investiert wurden. Für den Bergbau ein geringer Betrag. Zu den Ausgaben gehören Kosten für fachliche Studien, die Anmietung sehr schöner Büros in „Sanhattan“ und eine Menge Lobbyarbeit. Andes Iron hätte das Projekt auch ohne großen Medienrummel bewerben können, ohne Chaos zu verursachen, das den chilenischen Bergbau in Verruf gebracht hat. Jeder Außenstehende, der die Zahlen von Andes Iron prüft, wird die falschen Angaben erkennen. Daher wird die Firma keinen Käufer finden, der ihre Investitionen rentabel macht.

Allein der Hafen könnte das Projekt retten. Wenn der Agua-Negra-Tunnel (3) gebaut wird, um vom Atlantik zum Pazifik zu gelangen, ist das eine große Sache. Aber der Bau des Tunnels wird frühestens in 20 Jahren realisiert. Es dauert mindestens sieben Jahre, ein Bergbauprojekt zu starten, wenn alles gut geht und Andes Iron die Gesetze einhält. In der Regel bestehen die Investoren aber darauf, das Projekt am Meer, den Hafen, vom Landprojekt zu trennen. Die Hafengesellschaft kann also die Bergbaugesellschaft nicht subventionieren.

Der Geologe Mario Rojo resümiert: „Im Dominga-Projekt wurden einige sehr schwerwiegende Fehler gemacht“.

Anm.

(1) Vocería virtual 17. August 2021. Dominga, el Gran Engaño: ex Jefe de la Unidad de Geología de CMP afirma que Proyecto No es Viable Económicamente
https://www.voceriavirtual.cl/2021/08/dominga-el-gran-engano-ex-jefe-de-la.html

(2) ElDesconcierto.cl.
https://www.eldesconcierto.cl/nacional/2021/08/18/mario-rojo-exjefe-de-geologia-de-cmp-que-reviso-el-proyecto-dominga-es-especulacion-pura-y-dura.html

(3) Diario la Region de Coquimbo
https://www.diariolaregion.cl/dominga-desmiente-a-ex-jefe-de-geologia-de-cmp-no-cuenta-con-ningun-antecedente-para-sustentar-sus-dichos/

(4) Website Andes Iron
https://www.andesiron.com/?lang=en.

(5) Agua-Negra Tunnel
https://www.worldhighways.com/wh10/wh8/feature/agua-negra-tunnel-between-chile-and-argentina

 

G.K. & W.K.

 

Andes Iron Logo Iván Garrido Mario Rojo Lara
   
© SPHENISCO

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.