Meeresschutzzone so nah und doch so fern

La Serena, Landau 18. März 2018.

MSZ1Vor über 10 Jahren wurde die Meeresschutzzone „Pinguino de Humboldt“ (Meeresregion La Higuera-Isla Chañaral) in Nordchile beantragt. Der Antrag ist wissenschaftlich gut begründet und soll ein weltweit bedeutsames Ökosystem, das auch die Hauptbrutgebiete der Humboldt-Pinguine beherbergt, vor der Zerstörung bewahren. Nach vielen Bürgerbeteiligungen bejaht aktuell die Mehrheit der Bevölkerung die Schutzzone und sieht in dem Vorhaben eine Chance, die Region La Higuera nachhaltig weiterzuentwickeln.

Dem Schutz des sensiblen Ökosystems in der Region Coquimbo stehen allerdings immer wieder mächtige wirtschaftliche Interessen entgegen. Erst sollte ein Hotel, dann 3 Kohlekraftwerke und jetzt mehrere Häfen zur Verschiffung von Eisenerz ohne Rücksicht auf die Umwelt gebaut werden. Außerdem passt die geplante Schutzzone nicht zu dem Vorhaben eines biozeanischen Korridors. Dieser soll Pazifik und Atlantik verbinden und erfordert riesige Hafenkapazitäten u.a. in der Kommune La Higuera.

Trotz der großen Widerstände hatte das jahrelange Engagement der Wissenschaftler und Umweltschützer Erfolg. Auch jetzt: Das Bergbau- und Hafenprojekt „Dominga“ der Firma Andes Iron wurde 2017 von den Regierungen in Coquimbo und Santiago abgelehnt (s.a. Artikel „Kann Justitia im Dunkeln ...). Der Regierungspräsident der Region Coquimbo, Claudio Ibáñez, leitete die Unterschutzstellung wichtiger Brutinseln ein und beantragte im Januar dieses Jahres – trotz oder gerade wegen des bevorstehenden Regierungswechsels - die Meeresschutzzone „Pinguino de Humboldt“ bei der Zentralregierung.

Wegen der Ablehnung des Projektes „Dominga“ verklagte Andes Iron die Regierung in Coquimbo  (s.a. Umweltgericht).

Der Antrag für die Meeresschutzzone war für die Firma Anlass, eine intensive Kampagne in den Medien zu führen.

Um eine Entscheidung für die Meeresschutzzone herbeizuführen, appellierten am 26. Februar Vertreter der Fischern, der Zivilgesellschaft und von Umweltverbänden an das Komitee der zuständigen Minister und erinnerten an die 353.000 Unterschriften aus aller Welt. Auch forderten viele Wissenschafter ebenfalls ein positives Votum.

Überraschenderweise hatten die Appelle Erfolg. Am 5. März – 6 Tage vor dem Regierungswechsel – sprach sich das Komitee der Minister einstimmig für die Meeresschutzzone „Pinguino de Humboldt“ aus. In der Folge erließ Präsidentin Bachelet das erforderliche Dekret. Die Entscheidung ließ allerdings Größe und Begrenzung der Schutzzone offen. Diese sollten von einer Expertenrunde festgelegt werden. An den Beratungen nahmen auch der Wissenschaftler Carlos Gaymer (Universität La Catolica del Norte) und Liesbeth van Dermeer (NGO Oceana, urspünglicher Antragsteller) teil. Die tagelangen Verhandlungen scheiterten an der Forderung, Korridore für die geplanten Häfen (Cruz Grande, Totoralillo Norte) zu schaffen, die Schutzzone also zu zerteilen. Liesbeth van Dermeer und Carlos Gaymer lehnten die Korridore ab, da sie nur zu genau um die Zusammenhänge innerhalb des wertvollen Ökosystems wissen: Lieber keine Meeresschutzzone als eine Mogelpackung, die letztlich zur Zerstörung des Ökosystems führt.

Am 9. März demonstrierten Tausende in La Serena für die Meeresschutzzone „Pinguino de Humboldt“. Der Protest gewinnt wieder an Breite. Insgesamt 23 Umweltorganisationen in Chile und international, darunter Greenpeace Chile, Terram, Chile sustentable unterstützen inzwischen die Aktionen, appellieren an das Komitee der Minister in der neuen Regierung. Außerdem suchen , Wissenschaftler, Vertreter der Fischer und Umweltorganisationen (auch Sphenisco) das Gespräch mit der neuen Umweltministerin Marcela Cubillos. Es ist noch ein weiter Weg bis zur Errichtung einer Meeresschutzzone.


W.K.

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