Rezension – Klemens Pütz „Unverfrorenen Freunde“

Hannover 10. Januar 2019.

PuetzIch dachte, ich weiß schon alles über Pinguine. Na gut, sagen wir mal fast alles. Schließlich waren wir zwei Mal mit unserem deutschen Pinguinforscher Klemens Pütz auf den Falklandinseln unterwegs. Und der Ärmste hatte wenig Fluchtmöglichkeiten vor meinen vielen Fragen.

Ich kenne niemanden, der Pinguine doof findet. Sie sind einfach herrlich. Je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, desto mehr Respekt bekommt man vor ihrer Lebensleistung. Auf jeden Fall geht es mir so. Sie haben nie Urlaub, keine Auszeit vom Alltag, sie folgen strikt ihrem Lebensplan, den die Evolution für sie vorgesehen hat. Wie spannend muss das sein, sie erforschen zu dürfen. Und dass das kein Sonntagsspaziergang ist, beschreibt Klemens Pütz sehr eindrücklich in seinem neuen Buch „Unverfrorene Freunde“. Da auch andere Berufe erledigt werden müssen und wir nicht alle Pinguinforscher sein können, ist es schön, dass Klemens uns an seinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Beim Lesen wird schnell klar, die Arbeit vor Ort an den Tieren ist kein Zuckerschlecken. So privilegiert ein längerer Aufenthalt in der Antarktis auch ist, ungemütlich und kalt ist es allemal, so toll wie es sich anhört, beruflich nach Neuseeland zu reisen, die Pinguinforschung will erledigt werden. Es ist schließlich kein Urlaub. Bei der Rückkehr muss man Ergebnisse vorweisen, egal wie das Wetter war.

Auf einer unserer Falklandreisen durften wir mithelfen. Klemens fing einige Felsenpinguine ein, um ihnen Blut und eine Feder abzunehmen, der Schnabel wurde auch vermessen. Die Ergebnisse der Proben sollten helfen, die Verwandtschaftsverhältnisse von Schopfpinguinen zu klären. Wow, und wir waren dabei. Ich erinnere mich sehr gut, wie schwierig es war, die kleinen, nicht scheuen Felsenpinguine zu fangen. Daher habe ich eine wage Vorstellung davon, was es für eine Aktion sein muss, ein 40kg schweres Kaiserpinguinküken zu fangen.

All das beschreibt Klemens in seinem Buch. Die unterschiedlichen Eigenheiten der verschiedenen Pinguinarten, es geht lustig zu, aber auch tragisch. Erst seit der Erfindung von kleinen GPS-Geräten ist es überhaupt möglich zu schauen, was die Pinguine die vielen Monaten im Jahr im Meer so treiben. Da sind noch viele offenen Fragen zu klären.

Das Buch ist ein Mischmasch aus Autobiografie und Wissensvermittlung über die possierlichen Frackträger der Südhalbkugel. Es wird einem bewusst, ist der Forscher für Monate unterwegs, ist der Rest der Familie zu Hause mit dem Alltagskram auf sich gestellt. Aber warum das Ganze eigentlich? Warum müssen wir Pinguine erforschen? Die Antwort darauf gibt Klemens schon in der Einleitung seines Buches: „Pinguine sind allerdings mehr als nur putzig. Sie haben uns einiges zu sagen. Sie leben unter extremen Bedingungen und vollbringen Anpassungsleistungen, von denen wir Menschen nur träumen können, sowohl an Land als auch im Wasser. Ändert sich an diesen Bedingungen etwas, zeigen es uns die Pinguine sofort. An ihnen sehen wir, wo es klemmt – in einem Ökosystem, auf dessen Erhalt auch wir Menschen angewiesen sind.“ So legt Klemens seinen Finger in die Wunde unseres Planeten. Unaufgeregt, ohne erhobenen, moralischen Zeigefinger. Er überlässt es dem Leser, was er mit diesem Wissen nun anfangen mag.

Ich wusste schon längere Zeit, dass dieses Buch erscheinen wird. Viel Zeit meine Vorfreude zu genießen und gespannt darauf zu warten. Ich habe es in einem Rutsch weg gelesen, nur unterbrochen durch Arbeiten gehen, Nahrungsaufnahme und sonstigen unumgänglichen Dingen. Ich habe beim Lesen gelacht, war überrascht und erstaunt, manchmal ein bisschen neidisch und habe viel gelernt. Obwohl ich doch dachte, ich wüsste schon alles über Pinguine.

Birgit Roth

Anm.: Alle Bilder sind von Klemens Pütz

   
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