CONAF und das Weltnaturerbe

Punta de Choros, 15. Januar 2012.

Gabriele Knauf in der CONAF-Austellung in ChanaralJorge arbeitet noch nicht lange bei CONAF * (Corporación Nacional Forestal). Jetzt sitzt er an der Kasse in Punta de Choros und kassiert den Eintritt für das Reserva Nacional Pingüino de Humboldt, 2500 Pesos für Erwachsene und 1500 Pesos für Kinder. Mit den Tickets für die Bootstouren zu den Inseln Choros und Damas hat er nichts zu tun, die Fischervereinigung kassiert selbst. Jorge schließt den Raum zur Ausstellung auf und zu, reinigt die Toiletten und beantwortet Fragen nach Cabanas, Restaurants, Empanadas, Andenken, alles Dinge, die ihn eigentlich überhaupt nichts angehen. Er fühlt sich unwohl, ist allein. Die wenigen Kollegen sind alle auf der Insel Damas, passen auf, dass dort nichts passiert, die Touristen auf den Wegen bleiben, keine Abfälle hinterlassen oder gar Feuer machen. Einarbeitung Fehlanzeige. Erklärt wurde ihm nur das Führen der Kasse und die Besucherstatistik, sonst nichts. 1850 Besucher in 5 Tagen, nicht schlecht. Hauptsache die Kasse stimmt. Flyer mit Informationen über das Reserva darf er nur auf Nachfrage ausgeben. Jorge ist unsicher. Tafeln und Bilder der Ausstellung findet er antiquiert, die Buchstaben bröckeln, manche Fotos sind verblasst. Fahnen und Flyer der Tauchschule nebenan sind deutlich besser, wirken freundlich. Fragen nach Pinguinen, Walen, Delfinen, hoffentlich stellt sie keiner. Was sollte er sagen ?


Schluss für heute. Er schließt die Ausstellung und beginnt mit der Abrechnung. Mist, dass Manuel jetzt noch Besucher anschleppt. Jorge bleibt freundlich, wappnet sich. O mein Gott ! Die Dicke ist Vorsitzende des Beirates der CONAF und bekannt für ihre Kritik. Die Dürre Vorsitzende eines deutschen Pinguin-Vereins. Der Super-Gau. Die Beiden sind nicht aufzuhalten. Jorge schließt die Ausstellung wieder auf. Wenigstens stellen sie keine Fragen, haben schon eine Meinung: Das Reserva ein Hot Spot der Biodiversität …, enorm wichtig für zahlreiche Vogelarten der Süd- und Nordhalbkugel, sie überwintern hier …, Wale haben hier ihre Kinderstuben …, das Überleben der Humboldt-Pinguinen und des Garnot-Sturmvogels wird hier entschieden ..., das Reserva Weltnaturerbe. Super und warum sagt einem das keiner ? Nur blöd, das Buchstaben fehlen. Die Dürre meint, die Ausstellung zeigt nicht die Ursachen der Bedrohung, die globale Bedeutung des Ökosystems wird nicht klar, kein Hinweis auf den Antrag, die sehr kleine Meeresschutzzone zu erweitern, um wirkungsvoll schützen zu können. Da ist es wieder das blöde Gefühl. Keine Einführung und jetzt fehlen auch noch die wichtigsten Sachen ? Rosa Rojas und Gabriele Knauf in der CONAF-Ausstellung in Pt. ChorosDie Beiden sind noch nicht fertig: Das Foto vom Humboldt-Pinguin zeigt einen Magellan-Pinguin ..., Pinguine fressen Sardinen und Anchovis und nicht Krill …, die Kaninchen auf den Inseln sind nicht schützenswert sondern eine Plage … Peinlich, super peinlich. Eigentlich sind die Beiden ganz sympathisch, machen ihm keine Vorwürfe, im Gegenteil. Aber was soll er sagen? Wie soll er sich das alles merken und verstehen ? Was soll er morgen den Besuchern sagen ? Als wäre das alles nicht schlimm genug, erzählt die Dicke von einer kleinen, aber feinen Ausstellung im 10 Kilometer entfernten Fischerdorf Chanaral. Moderne Rollups, informative Texte präsentiert von einem jungen CONAF-Kollegen aus der Nachbarregion.

W.K.

* Die CONAF (Corporación Nacional Forestal) verwaltet die Naturschutzgebiete in ganz Chile. Es ist ihre Aufgabe, die wertvolle Natur in diesen Gebieten zu erhalten oder wenigstens dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr als nötig verändert wird.

 

   
© SPHENISCO