Kartierung bedeutender Brutinseln

Sphenisco fördert Projekt der Universität Coquimbo

La Serena 16. Januar 2010.

Prof. Guillermo Luna (Universidad Católica del Norte, Chile) hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit Sphenisco die Initiative ergriffen, um wichtige Brutinseln in der Region Coquimbo unter Schutz zu stellen.

Wir berichteten am 18. Dezember über dieses Vorhaben. Bereits seit September hat Christian CortésChristian Cortés, Student der Meeres-Biologie (s. Bild), unter Anleitung von Prof. Luna, Daten zur Avifauna auf den Inseln Cungungo, Tilgo, Pajeros I und Pajeros II erhoben. Die Daten wurden kurzfristig auch der international tätigen NGO Oceana zur Verfügung gestellt, die aktuell Daten und Informationen sammelt, um eine große Meeresschutzzone beim „Nationalen Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins“ (Insel Choros, Damas und Chanaral) durchzusetzen. Die dort bereits bestehende kleine Meeresschutzzone, die in keiner Weise der Bedeutung dieser Meeresregion gerecht wird, würde dann zu einer großen Meeresschutzzone unter Einschluss der Inseln Tilgo, Chungungo, Pajeros I und Pajeros II erweitert. Herr Cortés wird von Sphenisco befristet beschäftigt und arbeitet als Assistent von Prof. Luna. Mit ihm ist vereinbart, dass er die erhobenen Daten auch im Rahmen seiner Magisterarbeit an der Universität Coquimbo verwenden kann. In dieser Arbeit wird er auch der Frage nachgehen, wie die Schäden eingedämmt werden können, die die Dominikaner Möwen (Larus dominicanus) auf den Brutinseln verursachen. Die Populationen der Dominikaner Möwen sind durch die großen Mengen an Beifang, die unkontrolliert im Pazifik entsorgt werden, so stark angewachsen, dass sie zu einen Problem für andere Vogelarten und auch für die Humboldt-Pinguine geworden sind.
Herr Cortés hat die Arbeit im Feld bereits weitgehend abgeschlossen und führt aktuell letzte Erhebungen durch. Im Anschluss daran wird er einen Workshop mit Wissen-schaftlern verschiedener Disziplinen vorbereiten. In diesem Workshop werden seine Ergebnisse aus der Avifauna ergänzt durch Ergebnisse aus anderen Disziplinen z.B. der Botanik, alle  Daten werden in einer Gesamtschau bewertet und im Hinblick auf die Schutzwürdigkeit der 4 Inseln priorisiert. Danach wird Herr Cortés bei den zuständigen Behörden beantragen, die Inseln unter Schutz zu stellen. Welcher Schutzstatus für welche Inseln beantragt werden kann, lässt sich zur Zeit noch nicht absehen.

Die Erfolgsaussichten werden aber von den Forschern insgesamt positiv eingeschätzt. Zeigen die Erhebungen doch, dass z.B. auf der Insel Tilgo ein besonders wertvolles Ökosystem erhalten geblieben ist. Obwohl sehr nah an der Küste gelegen, ist Tilgo doch frei von invasiven Arten, weist eine erstaunlich ursprüngliche Vegetation mit endemischen Pflanzen auf und beherbergt von der Ausrottung bedrohte Vogelarten wie z.B. Humboldt-Pinguine und Guano-Tölpel (Sula variegata), außerdem besonders seltene Mäusearten wie                                   
die Abrotis olivarius (deutscher Name uns nicht bekannt) und die Darwin Blattohrmaus (Phyllotis darwinii). Auch auf die  Insel Chungungo weist eine Besonderheit auf. So befindet sich dort der bislang einzige bekannte Brutplatz der Elliot Sturmschwalbe (Oceanitis gracilis). 

Prof. Luna und Christian Cortés weisen im Gespräch mit uns auch darauf hin, dass alle 4 Inseln in einer Meeresregion von Weltrang - einem Hotspot der Biodiversität - liegen, der sogar hervorragende Gebiete in Neuseeland und Südafrika übertrifft. Hier brüten 50 verschiedene Arten von Meeresvögeln. Außer den bereits erwähnten Brutkolonien von Humboldt-Pinguinen (Spheniscus humboldti) und Guano-Tölpeln (Sula variegata), brüten hier u.a. auch Inka-Seeschwalben (Larosterna inca), Guano-Kormorane (Phalacorax bougainvillii),  Buntscharben (Phalacrocorax gaimardi) und Garnot-Sturmvögel (Pelecanoides garnotii). Die Region zeichnet sich durch eine ganz besondere Biodiversität und Produktivität aus.

Werner Knauf

   
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