Eine Million Dollar für die Natur

Wichtige Brutinseln in der Region Coquimbo werden von Kaninchen und Ratten befreit

La Serena, 14. Januar 2010.

UnterzeichnungIm März beginnt mit der Bekämpfung  invasiver Arten die Kernphase des Projektes „Conservation Measures Program“ (Schutzmassnahmen-Programm) in der Region Coquimbo, Nordchile. Ziel dieses Programms ist es, Fauna und Flora auf den Inseln Choros, Chanaral, Chungungo und Pajeros I durch die Beseitigung von Kaninchen bzw. Ratten zu bewahren.

Alle Inseln liegen in der Region Coquimbo, die Inseln Choros und Chanaral gehören zum Nationalen Schutzgebiet des Humboldt-Pinguins, das 80% der Weltpopulation dieser von der Ausrottung bedrohten Pinguinart beherbergt. Das Projekt umfasst 3 Phasen: 1. Die Erhebung einer Basislinie, diese Phase ist bereits abgeschlossen. 2. Die konzentrierte Intervention, sie dauert jeweils 2 Monate und wird - falls erforderlich - 5 Jahre lang fortgesetzt. 3. Das 7-jährige Monitoring der Effekte der Bekämpfung. Ein Schutzprogramm mit dieser Zielsetzung und in dieser  Größenordnung wurde in Chile noch nie durchgeführt. Die Kosten für das Projekt summieren sich auf insgesamt rund eine Million Dollar.

Prof. GuillermoInitiator des Projektes ist Prof. Guillermo Luna von der Universität Católica del Norte, Coquimbo, Abteilung Meeresbiologie (s. Bild). Er hat im vergangenen Jahr mehrere Förderer und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen für die Wiederherstellung der Fauna und Flora auf den genannten Inseln gewonnen und die dafür notwendigen unterschiedlichen Arbeiten in einem gemeinsamen Projekt organisiert. Die amerikanische Stiftung Island Conservation finanziert die Bekämpfung der invasiven Arten. Die Universität Santa Cruz, Kalifornien stellt das Equipment für das Monitoring zur Verfügung. Die Universitäten Coquimbo, La Serena und Santa Cruz bringen Kompetenzen unter-schiedlicher Fachrichtungen (Ökologie, Ornithologie, Meeresbiologie, Botanik und Modellierung) ein und finanzieren den personellen Aufwand für die Basislinie sowie das Monitoring überwiegend aus eigenen Mitteln.

Humboldt PinguinGarnot SturmvogelFraßschädenDie Effekte auf die Avifauna, u.a. die beiden stark von der Ausrottung bedrohten Arten wie Humboldt-Pinguin und Garnot-Sturmvogel (Pelecanoides garnotii), werden von der Biologin Maritza Cortés im Rahmen des Doktoranten Programms für angewandte Biologie und Ökologie der Universität Coquimbo untersucht (s. Bild). Sphenisco vergibt für 2 Jahre ein Stipendium an die Wissenschaftlerin. Danach wird dieses Stipendium im Rahmen des CONICID Programms fortgeführt.

Fauna und Flora in aller Welt sind auf vielfältige Weise bedroht. Beim Humboldt-Pinguin, für den Sphenisco sich einsetzt, sind es aktuell die Überfischung des Pazifik, die Umweltstörung durch die geplanten Kohlekraftwerke, der Fischfang mit Kiemennetzen und in nicht geringem Ausmaß die Zerstörungen durch invasive Arten. Auf den genannten Inseln schädigen seit vielen Jahren Ratten oder Kaninchen massiv das Ökosystem. Auf den Inseln Choros, Chanaral sind es Kaninchen, auf Pajeros I Ratten und auf Chungungo beide Arten. So fressen die Kaninchen auf Chanaral und Choros alle Pflanzen, sogar Kakteen (s. Bild). Dadurch zerstören sie u.a. auch die Brutplätze der Pinguine, die dort z.B. unter Kakteen brüten (s. Bild). Auch die Bruthöhlen der Garnot-Sturmvögel (s. Bild) werden von den Kaninchen durch Erweiterung der Höhlengänge vernichtet. Die betroffene Population im Nationalen Schutzgebiet des Humboldtpinguins ist die einzige Brutpopulation des Garnot-Sturmvogels in Chile und deshalb von ganz besonderer Bedeutung.
Die Realisierung dieses in Chile einmaligen Projektes ist auch eine Intervention der beteiligten Behörden, Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen gegen die geplanten Kohlekraftwerke. Noch einmal wird mit dem Programm dokumentiert, dass die Küste und die Meeresregion im Bereich der Kommune La Higuera ein weltweit bedeutsamer Hotspot der Biodiversität ist und dass alles getan werden muss, diese Naturerbe zu bewahren.

Werner Knauf

   
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