Meeresfrüchte Beute von Piraten

- Sphenisco unterstützt Projekt für die Fischer von Caleta Hornos -

La Serena, 30. Januar 2014.

DMeeresfrüchte 1ie Meeresregion vor der Küste der Gemeinden La Higuera und  Freirina ist dank küstennaher Aufquellgebiete bei Caleta Hornos immer noch fischreich. Die kalte Meereströmung fließt nach Norden und sorgt für reiche Ernte an Fischen und Meeresfrüchten (Locos, Lapas, Erizos), wie sie in anderen Regionen Chiles schon nicht mehr möglich ist. Die Natur ist ungerecht, der Reichtum in den südlichen Dörfern (1) ist geringer als in den nördlichen wie z.B. in Punta de Choros. Das führt natürlich auch zu unterschiedlichen Einkünfte, erzeugt Neid und unterschiedliche Interessen. Das zeigte sich auch deutlich bei der Kampagne gegen die geplanten Kohlekraftwerke (s.a. Projekte Nordchile/Kampagnen auf dieser Homepage). Der Protest war in Los Choros und Punta de Choros viel stärker als im Süden. In Chungungo mit seinen positiven Erfahrungen mit dem Bergbau in der 1. Hälfte des letzten Jahrhunderts erzeugte das Scheitern der Kraftwerke sogar Verbitterung.

Auch jetzt bei den Planungen für die Meeresschutzzone (2) ist die Akzeptanz in den nördlichen Dörfern viel größer als in den südlichen. Nancy Duman B.  (3) schlug deshalb vor, vor allem in den südlichen Küstendörfern für die Schutzzone zu werben, zumal auch der Partner von Sphenisco, Oceana bis jetzt kaum tragfähige Kontakte in diesen Dörfern hat. In Gesprächen mit Vertretern der Fischergewerkschaften entwickelt sie die Idee, für die Syndikate beim regionalen Umweltministerium ein Projekt zu beantragen. Als Ziel des Projektes wurde festgelegt, in einem Diskurs mit Fischern, ihren Vertretern, Sernapesca (staatliche Fischereibehörde) und Wissenschaftlern Vorschläge zu entwickeln, wie die Meeresfrüchten in den Áreas de manejos (bewirtschaftete Gebiete) der Fischer-Syndikate besser geschützt werden können. Die Ergebnisse sollen dann in Folge-Projekten realisiert und erprobt werden. Um das hemmungslose Ernten von Locos, Lapas und Erizos zu begrenzen, wurde vor einigen Jahren die Ausbeutung gesetzlich reguliert und jedem Fischersyndikat bestimmte Gebiete zu geteilt. Das hat in ganz Chile leider auch zu einer „Meeresfrüchte-Piraterie“ geführt. Die Seeräuber kommen aus anderen Syndikaten, aber auch aus den eigenen Reihen. Da nicht effektiv kontrolliert wird, die Strafen gering sind und die Haltung des „corto plazo“ (schnellen Geldes) und des „recorte“ (der Glaube, es stünden einem ein Anteil am Eigentum des anderen zu) sehr verbreitet sind, konnte die Piraterie bis jetzt nicht wirkungsvoll bekämpft werden.

Meeresfrüchte 2Señor Carlos Vergara vom Syndikat „Sindicato de Trabajadores Independientes Nr. 1 de Buzos y  Pescadores Artesanales de Caleta Hornos“ und Nancy Duman B. erarbeiteten gemeinsam ein Konzept für die Organisation des geplanten Diskurses und ermittelten die dafür benötigte Ausstattung. Bestandteil des Antrages sind auch die Anschaffung technischer Geräte wie z.B. Notebook, Drucker, Fernglas, Foto-Apparat sowie der Einsatz von PR-Medien wie Aufkleber, beschriftete Jacken und Mützen. Ende Juli 2013 wurde das Projekt “Vigilancia y Conservación (Bewachung und Bewahrung) (4) beim Umweltministerium der Region Coquimbo beantragt. Der Vorschlag stieß auf großes Interesse und wurde vom Ministerium Ende Oktober genehmigt. Sphenisco ist dank seiner Projektleiterin nicht nur Initiator, sondern auch Partner der Fischergewerkschaft. In einem Kooperationsvertrag mit dem Syndikat von Caleta Hornos verpflichtet sich Sphenisco die Administration zu übernehmen, d.h. vor allem den Diskurs zu organisieren. Bei unserem Besuch am 24. Januar in Caleta Hornos wurde der Kooperationsvertrag von Gabriele Knauf und Señor Carlos Vergara (s. Bild) unterschrieben.

Das Projekt “Vigilancia y Conservación ist bemerkenswert, ja pikant: Fischer thematisieren in einem eigenen Projekt, den Schutz von Meeresfrüchten und die hemmungslose, sogar kriminelle Ausbeutung der Vorkommen, das Ganze initiiert von einer ausländischen Artenschutz-Organisation, wirklich eine „scharfe Mischung“ und gute Gelegenheit bei den Fischern und ihren Vertretern für die Meeresschutzzone und ihre nachhaltige Bewirtschaftung zu werben.  

W.K.

(1) Küstendörfer in der Region Coquimbo und Atacama von Süden nach Norden: Caleta Los Hornos, Totoralillo Norte, Chungungo, Los Choros, Punta de Choros), Chañaral de Aceituno
(2) „Area Marina Costera Protegida de Múltiples Usos, La Higuera - Isla Chanaral“ (AMCP-MU), (Schutz mit verschiedener Nutzung des Meeres und der Küste in La Higuera und Insel Chanaral)
(3) Leiterin des Sphenisco-Projektes „Si, a la Reserva Marina Protegida“ (Meeresschutzone, ja bitte !)
(4) “Vigilancia y Conservación para la Producción y Producción para la Conservación”, (Bewachung und Schutz (der Biodiversität des Meeres) für die Produktivität und Produktivität für den Schutz (der Biodiversität des Meeres) ) finanziert durch FPA (Fondo de Protección Ambiental) des Umweltministerium

   
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