26.000 Pinguine retten – eine Zwischenbilanz

Landau 20. März 2016.

Die Umweltverträglichkeits-Prüfung des Industrie-Hafens in Totoralillo Norte ist in der entscheidenden Phase. Ende Januar formulierten 13 Behörden erneut zum Teil schwerwiegende Bedenken gegen das Projekt der Firma Andes Iron, nur 2 Behörden, der Servicio Nacional de Geología y Minería (Sernageomin) Región de Coquimbo und die Ilustre Municipalidad de La Higuera, erklärten sich mit den Bauplänen einverstanden.                                         

Zeitgleich veröffentlichte Sphenisco die „La Higuera-Isla Chañaral Erklärung“ und initiierte gemeinsam mit „Rettet den Regenwald e.V“ die Petition „26.000 Pinguine retten“. Inzwischen haben rund 550 Institutionen und Organisationen – ganz kleine und ganz große - ihren Namen unter die „La Higuera-Isla Chañaral Erklärung“ gesetzt und 181.000 Menschen in aller Welt haben den Brief an Präsidentin Bachelet bei „Rettet den Regenwald“ unterschrieben. Diese Aufmerksamkeit - national und international – stärkt kritische Bürger, Wissenschaftler und Fachleute in Chile und verleiht der Forderung nach einer sachgerechten Prüfung der Hafenprojekte großen Nachdruck.

Seit Anfang März - dem Ende der Parlamentsferien in Chile - sucht Nancy Duman (Mitarbeiterin von Sphenisco) das Gespräch mit Abgeordneten und Senatoren. Ziel der Gespräche ist es, über die Unregelmäßigkeiten bei der Evaluation der Hafenprojekte zu informieren und Untersuchungen dieser Vorgänge einzufordern. Am 14. März traf sie den Abgeordneten Daniel Melo C., Mitglied des Umweltausschusses im chilenischen Parlament (Foto rechts). Der Abgeordnete will seine Kollegen informieren und Gespräche mit Bürgern und Verantwortlichen in der Region führen, um sich selbst ein Bild zu machen. Señor Melo regte an, dass Sphenisco in der Umwelt-Kommission des Parlamentes über die Unregel-mässigkeiten in der Region Coquimbo berichtet. Außerdem schlug er vor, die Einrichtung der Meeresschutzzone „La Higuera-Isla Chañaral“ auch bei Präsidentin Bachelet zu beantragen, damit die Zukunft dieses besonderen Ökosystems auch auf der nationalen Ebene behandelt werden kann.

Am 18. März wurde die Klage gegen den bereits genehmigten Hafen Cruz Grande (Firma CMP-Compania Minera del Pacífico S.A.) beim Umweltgericht eingereicht. Deshalb  sollen im April die bereits gesammelten Unterschriften (Zwischenstand) an die Präsidentin Bachelet übergeben werden. An der Übergabe werden sich Bewohner aus La Higuera und chilenische Künstler beteiligen. In Deutschland plant Rettet den Regenwald eine Übergabe an den chilenischen Botschafter in Berlin.

Am 8. März veröffentlichte die SEA (Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit) den sogenannten ICSARA (Zusammenfassung der vorgebrachten Einwände) und überraschte dabei in Stil und Inhalt. Die Einwände sind übersichtlich geordnet und somit wie früher wieder gut lesbar. Wichtiger noch, die Einwände der kritischen Behörden sind vollständig. Die SEA erspart es Andes Iron nicht – wie befürchtet wurde – zu kritischen Punkten wie dem Schiffsverkehr oder den Auswirkungen auf die Schutzgebiete Stellung zu nehmen. Die Gründe für diesen Wandel sind nicht bekannt. Sollten die Klage gegen die Genehmigung des Hafens Cruz Grande, der Widerstand chilenischer Behörden gegen die Projekte und die Forderungen nach einer sachgerechten Prüfung (181.000 Unterschriften!) etwa Eindruck gemacht haben?

W.K.

   
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