Versagen staatlicher Behörden bedroht Humboldt-Pinguine

- Sphenisco beim Präsidenten der Regional-Regierung -

La Serena 2. Februar 2016.

Nancy Duman, Gabriele und Werner Knauf, Claudio IbáñezSeit Ende Januar liegen die neuen Stellungnahmen der zuständigen Behörden zum geplanten Projekt Dominga (Firma Andes Iron) bei der SEA (Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit) vor. Der politische Druck, das Projekt zu genehmigen, ist enorm hoch. So wurden hinter den Kulissen kritische Behörden massiv unter Druck gesetzt, teilweise sogar Zuständigkeiten extra geändert. Es wird befürchtet, dass Verantwortliche, die sich nicht anpassen, ihre Stellung verlieren. Trotzdem haben z.B. die CONAF (Behörde für die Schutzgebiete) und das regionale Umweltministerium erneut die drohenden Gefahren durch den Schiffsverkehr und durch Emissionen klar benannt. Sie haben auch noch einmal darauf hingewiesen, dass es keinen Sinn macht, nur die Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung der Hafenanlage zu bewerten, sondern dass auch die Auswirkungen auf das Ökosystem insgesamt und die benachbarten Schutzgebiete einbezogen werden müssen (s.a. La Higuera-Isla Chañaral Erklärung).

Am 1. Februar hatten Nancy Duman, Gabriele und Werner Knauf als Vertreter von Sphenisco Gelegenheit, die Probleme im Prozess der Umweltverträglichkeits-Prüfung Señor Claudio Ibáñez, Präsident der Regional-Regierung Coquimbo in einem einstündigen Gespräch vorzutragen. An dem Treffen nahmen auch Señora Verónica Pinto, Umweltministerin der Region, Señora Liliana Yáñez, Direktorin der regionalen CONAF und die Vertreterin des Rechtsreferats teil. In dem Gespräch schilderten wir noch einmal die besondere Bedeutung dieser Meeresregion und der Schutzgebiete. Nancy Duman benannte dann ausführlich die Irregularitäten im Prüfverfahren. Señor Ibáñez zeigte sich sehr interessiert. Zu unserer Überraschung widersprach er den Ausführungen in der Sache nicht, obwohl Nancy die Irregularitäten klar benannt hatte. Er wies vielmehr immer wieder darauf hin, das es für die Entwicklung der Region wichtig sei, eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Als wir ihm auch die großen Besorgnisse der Bürger, vor allem der Fischer vortrugen, war er irritiert und meinte, diese sollten ihm ihre Position doch selber vortragen. Ein Wunsch, den wir gerne weiter geben.

Zum Schluss überreichten wir Präsidenten Ibáñez 2323 Unterschriften, die Sphenisco im vergangenen Jahr gesammelt hat (s.a. „Über 2000 Unterschriften im Gepäck“, News auf dieser Seite). Allen Teilnehmern schenkten wir einen Sphenisco-Buttom „Reserva National Pingüino Humboldt“.

KilroyBeim Verlassen des Regierungssitzes fiel uns als Resümee der Slogan bzw. das Grafitti „Killroy was here“ ein. Wir haben sicher niemanden überzeugt. Wir haben aber durch das Gespräch die Aufmerksamkeit für die drohenden Gefahren erhöht. Am gleichen Tag lief auch die Unterschriften-Aktion im Internet an (https://www.regenwald.org/aktion/1035/bitte-unterschreibt-26-000-humboldt-pinguine-retten). Die Petition wurde in den ersten 20 Stunden von 36.600 Menschen unterschrieben. Die Killroys vermehren sich.

W.K.

   
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