Kampagnen gegen Umweltzerstörung

Erneut siegt David gegen Goliath - Großer Erfolg für Naturschutz und Demokratie in Chile

La Serena, Landau 9. März 2017.

Am Donnerstag Nachmittag verfolgten wir über Stunden voller Anspannung die öffentliche Sitzung zur Abstimmung der Regierung in Coquimbo über das Projekt Dominga der Firma Andes Iron. Unsere Partnerorganisation Chao Pescao übertrug diese Sitzung in La Serena live im Internet. Befürworter und Gegner skandierten über 4 Stunden lang ihre Forderungen auf der Plaza vor dem Sitz der Regierung. Die Rufe waren im Sitzungssaal deutlich zu hören. Die SEA (Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit) legte ihren Abschlussbericht vor, Befürworter und Gegner aus der Bürgerschaft nahmen Stellung, unsere Mitarbeiterin Nancy Duman hielt eine ebenso kluge wie mutige Rede. Dann begründeten die einzelnen Minister ihre Entscheidung. Die Spannung war kaum zu ertragen. Wir rechneten mit 2 oder 3 Stimmen gegen Dominga. Zwischenzeitlich verloren wir den Überblick über den Stand der Abstimmung. Kurz vor 13.00 Uhr (17.00 Uhr deutscher Zeit) nahm Señor Claudio Ibáñez, Präsident der Regional-Regierung ausführlich zum Projekt Dominga Stellung. Er sprach sich für eine nachhaltige Entwicklung der Kommune La Higuera aus und votierte schließlich gegen das Projekt. Damit hatten 6 Verantwortliche für und 6 gegen das Projekt gestimmt. Bei Gleichstand gibt die Stimme des Präsidenten den Ausschlag. So war das Projekt Dominga mit dem Hafen in Totoralillo Norte abgelehnt.

Unbeschreiblicher Jubel im Saal und auf dem Platz. Befürworter und Gegner waren fassungslos, suchten nach Worten.  Auch wir waren perplex.

2010 hatte Sphenisco die lokale Bürgerbewegung MODEMA gegen den Bau von 3 Kohlekraftwerken in genau dieser  Region  von Coquimbo unterstützt und weltweite Proteste gegen diese Kraftwerke initiert. Mit vereinten Kräften konnte damals der Bau verhindert werden. Jetzt setzt sich Sphenisco bereits seit 5 Jahren  gemeinsam mit Umweltschützern vor Ort für eine Meeresschutzzone „La Higuera-Isla Chañaral“ ein, um diese sensible Meereszone, in der neben 80% der noch verbleibenden  Humboldtpiinguin Population zahlreiche weitere bedrohte Tierarten leben, zu schützen. Der Verein hat in dieser Zeit auch die AnwohnerInnen in dem Anliegen unterstützt, die Meeresregion zu schützen und ausschließlich nachhaltig zu nutzen. Seit Anfang 2016 hat Sphenisco unermüdlich auf die Irregularitäten im Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung des Projekts Dominga hingewiesen, u. a. im Rahmen einer Online-Petition gemeinsam mit „Rettet den Regenwald“ (225.506 Unterschriften!).  

Nachdem Anfang 2015 bereits das Hafenprojekt Cruz Grande in derselben Region genehmigt worden war - gegen das Umweltschützer vor dem Umweltgericht klagen - haben die Proteste gegen „Dominga“ in den letzten Wochen Aufmerksamkeit in ganz Chile erregt. Ganz besonders, weil im beginnenden chilenischen Präsidentschaftswahlkampf ans Licht gekommen war, dass die Familie des ehemaligen Präsidenten Piñera, der sich erneut zur Wahl stellen möchte, mit Aktien an einen Fond beteiligt gewesen sein soll, der das Projekt Dominga finanzierte. Diese Enthüllung ließ seine damals, alle überraschende, Entscheidung gegen den Bau der Kohlekraftwerke im Jahr 2010 in völlig neuem Licht erscheinen und sorgte für breite Berichterstattung im laufenden Genehmigungsverfahren. Der Skandal spielte den Kritikern des Projekts natürlich in die Hände. Immer mehr Parlamentarier und Senatoren bezogen Position gegen Dominga und forderten einen Untersuchungsausschuss. Zum Zeitpunkt der Entscheidung war entsprechend der politische Druck auf die Regional-Regierung enorm angewachsen.

Zum zweiten Mal hat David gegen Goliath gesiegt. Mit viel Engagement, Mut und etwas Glück ist es Sphenisco gemeinsam mit seinen Partnern - Chao Pescao, Oceana, Modema – und kritischen BürgerInnen (die Mehrheit der Fischer bezogen ebenfalls Stellung gegen Dominga) gelungen, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass die Irregularitäten im Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung so gravierend sind, dass das Projekt Dominga nicht ohne Schaden für Umwelt und Demokratie genehmigt werden kann.

Mit der aktuellen Entscheidung gegen das zweite Hafenprojekt haben sich auch die Chancen für die Aufhebung der Genehmigung des ersten Hafens gebessert. Doch ausruhen können Umwelt- und Artenschützer sich leider nicht. Die Firma Andes Iron will gegen die Entscheidung politisch und juristisch vorgehen. Dem gilt es entgegenzutreten und im Parlament einen Untersuchungsausschuss „Dominga“ durchzusetzen. Deshalb wird Nancy Duman gemeinsam mit unseren Partnern die Aufklärungsarbeit im ganzen Land, vor allem aber in der Region fortsetzen. Darüber hinaus planen wir im April gemeinsam mit „Rettet den Regenwald“ erneut eine weltweite Kampagne unter dem Motto „Die Heimat für Pinguin und Co. dauerhaft schützen!“. Mit der Online-Petition  soll der  Protest noch verstärkt und der Druck auf die politischen Gremien aufrechterhalten werden (s. a. „Ja zur Meeresschutzzone!“ auf dieser Seite).

„Ja zur Meeresschutzzone“

Aktionen rund um den Welt-Pinguintag am 25. April

Proteste_ChileIm Hauptverbreitungsgebiet des bedrohten Humboldt-Pinguins in Nordchile sollen zwei große Industriehäfen gebaut werden. Diese Projekte provozieren am Welt-Pinguin-Tag  Proteste in Chile und vielen anderen Ländern.

Bereits im vergangenen Jahr haben über 220.000 Menschen aus aller Welt eine Online-Petition von „Rettet den Regenwald“ unterzeichnet, um auf die drohende Zerstörung der Natur in Nordchile aufmerksam zu machen. In der betroffenen Region haben viele Bürger Einsprüche gegen die geplanten Hafenprojekte formuliert und wehren sich auf vielfältige Weise (s.a Artikel auf dieser Seite). Sphenisco setzt sich seit vielen Jahren für die Einrichtung einer Meeresschutzzone ein und unterstützt die Anwohner in ihrem Anliegen, die Meeresregion zu erhalten und ausschließlich nachhaltig zu nutzen.

Zum Welt-Pinguin-Tag am 25. April ruft Sphenisco seine Mitglieder sowie Zoos in Europa und Amerika auf, mit vielfältigen Aktionen auf die dramatische Situation im natürlichen Lebensraum des Humboldt-Pinguins aufmerksam zu machen. Zu den geplanten Aktionen gehören eine weltweiten Foto-Aktion unter dem Motto „Ja zur Meereschutzone“ und die neue Online-Petition „Heimat für Pinguin und Co.“, die wir mit „Rettet den Regenwald“ organisieren. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Chile und Naturschützern in aller Welt  appelliert Sphenisco an die chilenische Präsidentin Bachelet, den Bestand der Humboldt-Pinguine nachhaltig zu schützen und nicht durch die Hafen-Projekte zu gefährden. Über Einzelheiten zu den Aktionen rund um den Welt-Pinguin-Tag informiert die PDF-Datei „Welt-Pinguin-Tag 2017“. 

W.K.

Cancion 1Projekt „Dominga“ muss in die Verlängerung

La Serena, Landau, 2. Februar 2017.

Im Januar sollte die Prüfung des Projektes „Dominga“ mit der Hafenanlage Totoralillo Norte abgeschlossen und der Antrag der Firma Andes Iron entschieden werden. Ungewöhnlich viele Bürger nutzten die Bürgerbeteiligung und formulierten zum Teil sogar mehrere Einsprüche (414 Bürger machten 508 Eingaben). Darunter auch die Fischer-Gewerkschaft aus Chungungo, die eine sehr fundierte Kritik des Projektes einreichte. Anfang Januar lagen auch die abschließenden Stellungnahmen (observaciones) der zuständigen Behörden vor. Unter gewaltigem poltischen Druck erklärten sich erwartungsgemäß alle Institutionen außer der CONAF „conforme“, also einverstanden. Sernapesca stimmte auch zu, formulierte aber Bedenken und Bedingungen, einige wenige andere ebenso. Allein die regionale CONAF blieb trotz massiver Einflussnahme bei ihrer fachlich fundierten Kritik und wurde dafür von der SEA (Behörde zur Prüfung der Umweltverträglichkeit) in deren abschließender Stellungnahme ungewöhnlich massiv kritisiert und aufgefordert, nicht zu den Auswirkungen der Schifffahrt auf die Schutzgebiete Stellung zu nehmen, da sie für das Meer nicht zuständig sei.

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Vor der Entscheidung – eine Woche drei Proteste

La Serena, Landau 10. Dezember 2016.

Dominga 1Die Prüfung des Projektes „Dominga“ mit der Hafenanlage Totoralillo Norte befindet sich in der Endphase. Aktuell erarbeiten die zuständigen Behörden ihre abschließenden Stellungnahmen (observaciones) oder haben diese bereits vorgelegt. Um das Mega-Projekt „Dominga“ durchzusetzen, bot die Firma Andes Iron Bürgern und Bürgervereinigungen in der Kommune La Higuera einen Pakt an: Finanzierung von Projekten gegen Befürwortung des Projektes „Dominga“. Obwohl es lange Zeit so aussah, haben sich wichtige Fischer-Gewerkschaften nicht an den „Runden Tisch“ mit Andes Iron gesetzt, im Gegenteil. Am Montag, den 5. Dezember haben sie an und auf der Route V (Autobahn La Serena - Copiapo) bei Caleta Hornos gegen „Dominga“ demonstriert (s. Fotos). 200 von 600 registrierten Fischern haben mit Plakaten, brennenden Autoreifen und einer Blockade der Autobahn auf die Gefahren für die Fischerei und ihre Gebiete zum Abbau von Meeresfrüchten aufmerksam gemacht. Die Demonstranten kamen aus allen Gemeinden, vor allem aber aus den Gemeinden Chungungo und Totoralillo Norte, wo die Hafenanlagen gebaut werden sollen. Über die Aktion wurde in vielen Medien berichtet.

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Proteste erzwingen erweiterte Evaluation

Landau 10. November 2016.

Proteste 1Die Umweltverträglichkeitsprüfung des Projektes Dominga mit der Hafenanlage Totoralillo Norte befindet sich in der entscheidenden Phase. Die Firma Andes Iron hat am 17.Oktober ihre 3. Adenda (Nachtrag) vorgelegt. Damit waren die zuständigen Behörden aufgefordert, innerhalb von 10 Tagen ihre abschließenden Stellungnahmen (Observationen) vorzulegen. Es wurde erwartet, dass die Regional-Regierung in Coquimbo dann zügig - noch vor Ende des Jahres -  über das Projekt Dominga und den Hafen entscheiden würde.

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Übergabe der Pinguin-Petitionen an die Regierung Bachelet

Rettet den Regenwald sammelt über 219.000 Unterschriften zum Schutz der Humboldt-Pinguine. Sphenisco übergibt sie in Santiago an Umwelt-Minister Pablo Badenier.

Santiago de Chile  / Landau 7. Juni 2016.

Übergabe1Am 2. Juni überreichte eine von Sphenisco organisierte Delegation 219.143 Unterschriften aus 190 Ländern an Umwelt-Minister Pablo Badenier. Die Abordnung bestand aus der Senatorin der Region Coquimbo Adriana Muñoz (1), Josue Ramos, Vertreter der Küstenfischer von Los Choros (2), Isabella Monso von der Bürgerbewegung MODEMA, Raimundo Gómez von Chao Pecao, der Vertreterin von Sphenisco in Chile Nancy Duman sowie der Volontärin von Sphenisco Laura Schuler. Ziel der Delegation war es mit Hilfe der von „Rettet den Regenwald“ gesammelten Unterschriften und der von mehr als 500 Organisationen und Persönlichkeiten in aller Welt gezeichneten „La Higuera-Isla Chañaral Erklärung" die chilenische Regierung auf die Gefahren hinzuweisen, die vom geplanten Bau zweier Industriehäfen für das Überleben von 13.000 Brutpaaren der bedrohten Pinguinart sowie die Umwelt insgesamt ausgehen. Der Minister zeigte sich überrascht von der Teilnahme der Senatorin und den Hinweisen auf Irregularitäten bei der Umwelt-Verträglichkeitsprüfung der Minen- und Hafen-Projekte.

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Pinguin-Petitionen im chilenischen National-Kongress

Rettet den Regenwald sammelt 216.000 Unterschriften zum Schutz der Humboldt-Pinguine. Sphenisco übergibt sie in Valparaiso an Senatoren.

Valparaiso / Landau 12. Mai 2016.

Mit 216.505 Unterschriften aus 190 Ländern besuchte Nancy Duman von Sphenisco die Senatoren Adriana Muñoz (Region Coquimbo) (1) und  Antonio Horvath (Region Aysén) (2) im chilenischen National-Kongress in Valparaiso. Sie  informierte die beiden Senatoren über die besondere Bedeutung der Meeresregion in Nordchile und benannte die Gefahren, die vom geplanten Bau der zwei Industriehäfen für das Überleben von 13.000 Brutpaaren der bedrohten Pinguinart sowie der Natur insgesamt ausgehen. Sie schilderte noch einmal die Irregularitäten im Prozess der Umwelt-Verträglichkeitsprüfung. 

Señora Muñoz und Señor Horvath begrüßten die Kampagne von „Rettet den Regenwald“ und die von mehr als 500 Organisationen gezeichnete „La Higuera-Isla Chañaral Erklärung". Spontan erklärten sie sich bereit, auch  persönlich die Erklärung zu unterschreiben und die über 216.000 Petitionen an die Umwelt-Kommission des Senats weiterzuleiten. Wie zuvor schon Minister Marcelo Diaz sowie die Abgeordneten Raúl Saldivar und Daniel Melo wollen auch die beiden Senatoren sich dafür einsetzten, dass die Unterschriften aus aller Welt auch direkt an Präsidentin Bachelet übergeben werden. An der Übergabe wollen die beiden Senatoren auch persönlich teilnehmen. Darüber hinaus bot Senator Horvath an, die Kläger gegen den Hafen Cruz Grande juristisch zu unterstützen und die Pläne zur Entwicklung der Gemeinde La Higuera durch Anwälte ebenfalls auf Irregularitäten überprüfen zu lassen. Senatorin Adriana Muñoz ist bereit, an Arbeitsgruppen und Kommissionen teilzunehmen, die sich mit den Problemen in der Gemeinde La Higuera befassen.

Nach den Gesprächen war Nancy Duman sehr, sehr müde, aber auch sehr zufrieden. Der Kampf gegen Umweltzerstörung und Korruption wird zunehmend nicht nur in der Region Coquimbo, sondern auch national zur Kenntnis genommen. Immer mehr Politiker unterstützen die Kampagne und helfen, Widerstände zu überwinden. Wenn alles klappt, wird Nancy Duman bald nach Valparaiso zurückkehren, um im Kulturzentrum des National Kongresses über die Probleme in Nordchile zu berichten.

W.K.

Anm.

(1) direkt gewählte Senatorin der Wahlregion Coquimbo.

(2) bekannter, inzwischen parteiloser Politiker, der sich seit vielen Jahren für den Schutz der Umwelt in Chile einsetzt.

 

Pinguin-Power in Berlin

Landau 28. April 2016.

Pinguin PowerWelt-Pinguin-Tag, in Berlin ist es 9.30 Uhr, 3 Pinguine - Art unbekannt - watscheln zum Eingang der chilenischen Botschaft in der Mohrenstrasse. Sie entrollen ein Transparent und halten Schilder hoch mit „Salven los pingüinos – 210.000 firmas“ oder „Rettet die Pinguine“. Pinguine sind drollig, demonstrierende Pinguine erst recht. Die Polizisten im bereitstehenden Mannschaftswagen amüsieren sich. Lea Horak von „Rettet den Regenwald“ darf die Botschaft betreten und wird vom Gesandten Manuel Galdames empfangen. Lea Horak berichtet vom Konflikt in der Region Coquimbo und überreicht die 210.000 Unterschriften. Soviele Menschen in aller Welt haben die Petition an Präsidentin Bachelet inzwischen unterschrieben. Außerden übergibt sie die „La Higuera-Isla Chañaral Erklärung“, die von rund 550 Institutionen und Organisationen – ganz kleinen und ganz großen – unterstützt wird. Der Gesandte nahm „Erkärung“ und Petitionen entgegen und versprach, sie weiterzuleiten.

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