Es wird gewatschelt am Niederrhein – der Pinguin als Botschafter

Krefeld, Unna 28. November 2012.

Organisiert vom Zoo und den Zoofreunden Krefeld, fand am Freitag, 23.11.12 in der Scheune des Zoos Krefeld, ein etwa einstündiger Vortrag statt. Dr. Christina Schubert, Diplombiologin im Zoo Landau und zweite Vorsitzende des Vereins Sphenisco, berichtete anschaulich und kurzweilig über den Pinguin im Allgemeinen, den Humboldtpinguin im Besonderen und stellte den Verein Sphenisco kurz vor.

Der Pinguin ist aus den Zoologischen Gärten unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Jeder kennt ihn. Er ist ein Publikumsmagnet und kaum jemand kommt bei seinen Zoobesuchen an ihm vorbei. Aber was macht den Pinguin eigentlich so anziehend für uns Menschen ? Es sind wohl die so menschenähnlichen Züge des Tieres. Dieser knuddelige kompakte Körper mit den kurzen Stummelflügeln, die je nach Situation eng an den Körper angelegt oder weit abgespreizt werden können und die sich im Laufe der Evolution zu schmalen kräftigen Flossen umgebildet haben. Da die Füße ganz hinten am Körper angesetzt sind, gehen die Pinguine an Land aufrecht - woraus ihr berühmter Watschelgang resultiert, was immer ein wenig tollpatschig aussieht und automatisch ein Schmunzeln bei uns Menschen hervorruft. Dazu noch der schwarze Frack und die weiße Weste. Aber Vorsicht ! In diesem Vogel steckt viel mehr und so einfach kann man es sich bei der Betrachtung dieses Tieres nun wirklich nicht machen.
Der Pinguin ist ein wahrer Anpassungskünstler
Es gibt 18 verschiedene Pinguinarten, die in 6 Gattungen unterteilt sind und in freier Wildbahn nur auf der südlichen Erdhalbkugel vorkommen. Die einzelnen Arten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe, des Gewichts und, wenn man genauer hinschaut, auch durch verschiedene Farbmuster. Unser Humboldtpinguin gehört, gemeinsam mit dem Brillenpinguin, dem Magellanpinguin und dem Galapagospinguin der Gattung Spheniscus an. So heißt unser Verein auch beinahe folgerichtig Sphenisco. Charakteristisch für diese Gattung ist der hufeisenförmige Streifen auf der Bauchseite, sowie ein breiter weißer Überaugenstreifen, der aussieht wie eine Brille. Erst nach dem 2. Gefiederwechsel, wenn die Küken richtig durchgemausert sind, lässt sich dieser Streifen dann auch erkennen. Äußerlich sind Männchen und Weibchen beim Humboldtpinguin nicht zu unterscheiden. Genauere Rückschlüsse auf das Geschlecht kann dann eine Gefiederprobe des Tieres geben. Allerdings kann man sie auch anhand ihrer Lautäußerungen unterscheiden, denn die trompetenden eselartigen Rufe, bei denen die Tiere regelmäßig Luft nachziehen, machen nur die Männchen. Jedes einzelne Tier in einer Humboldtpinguin-Kolonie lässt sich anhand seines unverwechselbaren Punktemusters auf der Brust von allen anderen unterscheiden. Die Punkte auf der Brust eines Pinguins sind einzigartig, unverwechselbar, und bei jedem Tier anders, wie unser menschlicher Fingerabdruck.
Trotz des Bekanntheitsgrades dieser Tiere, kommt es immer mal wieder zu Irritationen bei den Besuchern. So werden Tierpfleger im Winter häufig gefragt, „jetzt fühlen sich ihre Pinguine doch sicher besonders wohl, oder ?“ Denn viele verbinden die Frackträger immer noch nur mit dem Eis der Antarktis. Aber das ist ein Irrtum.
Manche Pinguine mögen gar kein Eis,
manche Pinguine mögen’s heiß.
Die „Meister der Anpassung“ sind auf der gesamten südlichen Erdhälfte, von der Antarktis bis zum Äquator verbreitet. Nur 3 Arten, Zügel-, Adelie- und Kaiserpinguine leben in der Antarktis. Der Humboldtpinguin lebt und brütet in Chile und Peru. Er mag es lieber warm, denn er hat ein etwas dünneres Federkleid als seine antarktischen Kousins. Er ist ein wahrer Künstler, wenn es darum geht, sich immer wieder auf neue und extreme Bedingungen einzustellen. In seiner Heimat muss er teilweise mit Temperaturschwankungen von über 40 Grad Celsius zurechtkommen. An Land ist es dort häufig unglaublich heiß, das Wasser ist aber sehr kalt. Dafür sorgt der kalte Humboldtstrom, der fischreiches Wasser aus der Antarktis mitbringt. Im Zoo ist es deshalb gerade im Winter wichtig, dass die Ränder des Pinguin-Pools, von wo aus der Humboldtpinguin ins Wasser geht, schnee- und eisfrei sind, damit er nicht mit Flügeln oder Füßen festfriert. Außerdem ist der Humboldtpinguin für uns der perfekte Botschafter, um auf die Probleme unserer sensiblen Natur aufmerksam zu machen und für den es sich lohnt, Artenschutz zu betreiben. Denn er ist in seinem Lebensraum bedroht. Der Guanoabbau in Peru, das Verzehren von Pinguinen, das Jagen mit Dynamit, die Meeresverschmutzung durch Öl, die Fangmethoden mit schlechten Fischernetzen, in denen auch Pinguine qualvoll verenden, das Halten von Pinguinen als Haustiere, unkontrollierter Tourismus auf ihren Brutinseln, das bewusste Einschleppen von Haustieren in das sensible Ökosystem, all das sind Probleme, die den Humboldtpinguin in seinem natürlichen Lebensraum sehr stark belasten. Um so wichtiger ist dann die Arbeit vor Ort. In diesem Zusammenhang wies Dr. Christina Schubert auch noch auf die bisher geleistete Arbeit von Sphenisco hin, wie z.B. den erfolgreichen Kampf gegen den Bau von 3 Kohlekraftwerken in der Region der wichtigsten Brutkolonie des Humboldtpinguins oder die Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzorganisationen beim Kampf gegen die Ausbreitung invasiver Arten in einem nicht für sie vorgesehenen Lebensraum.
Gibt es für mich als einfacher „Bürger“ in meinem Umfeld die Möglichkeit, einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten ? Die Antwort lautet ganz klar, ja!!! Wenn man z. B. in seinem eigenen Haushalt darauf achtet, dass man nur Fisch kauft, der mit dem MSC-Siegel versehen ist oder auf Guano-Dünger verzichtet und stattdessen anderen Dünger verwendet, dann ist dem Humboldtpinguin auch schon geholfen. Den Guano-Dünger kann man daran erkennen, dass auf der Packung häufig ein Pinguin abgebildet ist.
Der Humboldtpinguin als ein Botschafter der wunderschönen Fauna Südamerikas soll auch den Besuchern in unseren zoologischen Gärten zeigen, welche Schönheit und Anpassungsfähigkeit er zu bieten hat, und wie wichtig er für unseren Planeten ist. Hinzu kommt noch, dass dieser Vogel als Synonym für einige andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten steht und man deshalb auch mit ihm wunderbare Werbung für einen aktiven Artenschutz machen kann. D. h. wenn man den Humboldtpinguin schützt, trägt man wieder ein Stück zur Erhaltung unserer Erde bei.
Last but not least danken wir dem Zoo Krefeld und den Zoofreunden Krefeld für die nette Gastfreundschaft sowie Dr. Christina Schubert für den tollen und sehr informativen Vortrag.
Marc Fälker

 

   
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